1/3 – “Train Needle is calling” – Höllentalklamm

…oder auch “nuff zua Zugspitzn”, wie man altdeutch sagen würde. Und zwar nicht im Touri-Highheel- oder FlipFlop-Seilbahn-Stil sondern ganz so, wie wir vor einigen Jahren von Gott geschaffen wurden…mit Händen und Füßen. Wie richtige Männer eben…und Frauen, ja, denn schließlich wurde ich auch von einer begleitet, der Ideengeberin quasi. Wie fing es an:

vor knapp 4 Wochen recht knappe und verwunderte SMS:
Frau: “Spontan Lust auf Zugspitze??”
ich: “Klar, wann?”
Frau: “Dann und dann.”
ich: “Ok steht.”

Ok, stand nicht wirklich, denn 2 Tage vorher hat das dritte Planmitglied arbeitstechnisch absagen müssen. Also noch einmal unendlich lang erscheinende 7 Tage warten müssen. Jetzt aber!
NEIN, doch nicht ;( Wieder muss er absagen. Das kann doch nicht wahr sein!!! Nicht schon wieder. Dabei spielt das Wetter doch seit Tagen mit. Es ist PERFEKT! Wir müssen einfach gehen. Oder sollte man es lieber lassen…sollten die Absagen als Warnung gelten…zu spontan? Zu unüberlegt? Zu unvorbereitet? Quatsch!

SM: “Wir machen das auch zu zweit!! Nein wird nicht akzeptiert.”
SK: “Ok!”

Und so ging es nach Abarbeitung der doch schon recht langen Packliste Freitag nach der Arbeit nach Hammersbach. Hammerswas?? Zugspitze kennt jeder…sollte man zumindestens mit Geografie- und Grundschulabschluss besser als 4,5. Aber Hammersbach?
Liegt knapp neben Garmisch Patenkirchen, ist der quasi Einstieg zur Besteigung.

In völliger Dunkelkeit am Parkplatz angekommen, noch fix das Zelt aufgebaut…JA…Zelt! Richtig gelesen. Scheinbar gibt es sie noch…die voellig verbloedeten Abenteurer. Wer zeltet bei diesen Temperaturen schon freiwillig? Noch dazu mit einem Schlafsack, der seinen Comfort-Bereich bei +11 (in Worten: PLUS Elf) besitzt. “Ich dachte das wäre -11!?!” “Ja, schon klar, deshalb sieht er auch aus wie bei Lidl gekauft und hat ca. 10 Mark 50 gekostet!” Frauen ey! Zum Glück waren ca. 700 Pullover und Jacken mit an Board. Und die goldene Rettungsdecke aus dem Sannikasten, die auch ein wenig Körpertemperatur zurückhalten kann. Das ging ja gut los. Und es sollte noch besser werden…

Mit der ansässigen Dorfjugend kamen wir auch noch ins Gespräch:

Jugend: “Ihr wollt JETZ da nuff??? Beider Kältn?”
Wir: “Jub.”
Jugend: “Joa habtersn noch oll??”
Wir: “Jub.”
Jugend: “Wissts aba scho dasd Höllntalklamm gschlosn is??”
Wir: “Waaaaaaaas??? Da wollen und müssen wir rauf!!!!”
Jugend: “Is zu. Nehmts Stangensteigl! Habts Steigeisn?”
Wir: “Nub.”
Jugend: “Brauchts! Stöckl?”
Wir: “Nub.”
Jugend: “A Pickn?”
Naja…ihr kennt das Spiel ;)

Ihre Gesichter wurden immer länger als wir ihnen sagten was wir alles NICHT hatten. Weder Steigeisen, noch Alpinstöcke, noch Pickel, noch Klettersteigset, noch passende Schlafsäcke…noch noch noch. Und schon garkeine Ahnung, scheinbar. Ich glaub die hielten uns für absolute Spinner als sie abdampften. Deppen eben.

Lange Rede kurzer Sinn – nachdem wir mit zwei anderen Klettergrüppchen sprachen (2 Augsburger Puppenkistler und 2 Schluchtenscheisser) stand für uns fest – wir gehen die Höllentalklamm, jetzt erst recht!

 


Schon ein bisschen ehrfürchtig…
 

Ein vereistes Zelt 6:45 Uhr kurz vorm Aufbruch. Es war einfach scheisse kalt die Nacht!
 

Das Wetter hält auch heute, die Sonne erglueht die obersten Gipfel.
 

Noch fix ein Troepfchen edlen Waldwassers aus des Trolls Nasenspitze…
 

…und schon war nach knapp 1h der Eingang zur Klamm erreicht. Das Kuriose: als wir gegen 9 Uhr hier ankommen kommt uns bestens gelaunt und voellig locker ein Jogger aus der Klamm entgegen, der einfach mal schon oben war. JA, oben war. AUF der Spitze. Gestartet gegen 5 Uhr in der Frueh, in knapp 2h hoch gejoggt…nochmal: GEJOGGT…und pünktlich zum Fruehstueck mit Eiern zurueck bei Mami am Tisch. Die Spinn, die Bayern. Ab jetzt erscheint alles was ich schreibe voellig laecherlich (haet ich es doch am Ende geschrieben -> also fix vergessen!)
 

Dieses unmerkliche Rot kann man ja nun wirklich leicht überlesen…


“no entry”?…no idea wot sätt miens…


Ok, ich gebs ja zu. Man haette drauf kommen koennen, dass der ein oder andere eventuell zum Umkehren bewogen werden sollte. Wie gesagt…der ein oder andere ;) Jedenfalls laesst es die ganzen Touris erstmal schoen abblitzen und man bekommt seine Ruhe!


So ging es hinein und …WOW. Sofort hat sie uns in ihren Bann gezogen. Wahnsinn einfach.


Ob ausgehüllerte Steine in kristallklarem Türkieswasser…
 

…wilde Wasserfaelle vor antik-fragilen Bruecken…
 

…oder einfach wunderschoene Wasser-Fels-Spielchen. Die Schlucht hat einfach alles. Auch ein Blick nach oben…
 

…wird belohnt…oder schuechtert ein??
 

Dort oben, 73m über der Klamm, wuerden wir jetzt stehen, WENN wir auf Hansi und Co. der Dorfjugend gehoert haetten und den Stangensteig gegangen waeren. Auch huebsch, aber eben nicht die Klamm.


Nur dabei, statt mittendrin!


Im Sommer sicherlich eine willkommene Abwechslung – Naturduschen wohin man schaut. Jetzt, bei minus 5 Grad, eher ein Abstandshalter.
 

Das erklaert auch, was Hansi staendig meinte mit “Di huam d`Brüggn weggdroagn!”
 

Fehlt halt einfach mal was!
 

Dusche an!
 

Zum Glueck wars klitschig, sonst haet mein Erforschungsdrang mich doch direkt auf das Steinchen gelockt…
 

Und immer wieder Wasser und Felsen Felsen Felsen.
 

Zum Glück lösen heutige Kameras derart fix aus, dass man an solch akut gefaehrlichen Stellen nicht laenger mehr sein Leben fuer ein gutes Foto aufs Spiel setzen muss ;)
 
 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

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2 responses to “1/3 – “Train Needle is calling” – Höllentalklamm”

  1. Anonymous says:

    Stefan, Stefan. Wo treibst du dich schon wieder rum? :) Geniale Bilder – sieht nach einer krassen Tour und viel Spaß aus ;)

    Liebe Grüße,
    Jana

  2. Stefan says:

    aufstieg zugspitze ;) danke…aber es kommen noch bessere bilder ;)

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