Amazonia – die Lümmel von der ersten Bank

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Schul-Leben

Das Volunteering (unsere eigentliche Aufgabe hier, NICHT das ganze Chicha-Getrinke des letzten Eintrags) gestaltete sich sehr interessant. Jeden Tag haben wir von 7.30 bis 10.00 Uhr eine Klasse. Mal im Alter von 5-7, mal von 8-11 und mal von 12-18. Dabei sprechen die Kleinsten noch nicht einmal Spanisch. Sie also gar kein Spanisch, wir mittelprächtiges Spanisch. Sie Achuar, wir Deutsch. Gestaltete sich also ein wenig schwieriger als gedacht mit dieser babylonischen Sprachverwirrung. Doch mit Händen und Füssen, Spielen und Liedern und natürlicher Bestechungen in Form von “Caramelos” ging auch das irgendwann. Auch wenn die Konzentration nach nicht einmal 20 Minuten schon wieder stark am Wackeln war (was bei uns damals bestimmt gaaaaaaanz anders war – vor der Generation “Unachtsamkeit Smartphone”).

Montags ging es erst einmal im Halbkreis los, die ecuadorianische Nationalhymne zum Besten zu geben. Das passgenaue Antreten an der imaginären Linie erinnert schon stark an die “Sport-Frei” Mentalität von früher.

Jungs, die sonst kaum ihre Klappen bändigen können, sind plötzlich kleinlaut und bekommen kaum mehr als ein Flüstern über ihre Lippen. Errinnert fast ein wenig an die weltberühmten Messing´schen Weihnachtsvideos von 1988/89. Die Mädels sind hier absolut stimmbegabter, stehen aber schüchtern im Schatten der halbstarken Männer.

 

amazonia 53Die grosse und mittlere Gruppe (8-18 Jahre). Links San Kap, der Schulleiter.amazonia 52Hier wird das Radio geladen, um wieder die neuesten Dschungel-Hits in Endlosschleife spielen zu können. Es wird sich über, unter und hinter den Bänken versteckt geturnt (Bewegung soll ja beim Denken helfen ;) Natürlich werden auch die neuesten Neuigkeiten der Stunde ausgetauscht. Mit viel Glück wird sogar das neueste Schulwissen von der Tafel abgeschrieben. Aber nur mit ganz viel Glück ;)

 

Mit den grösseren Kids war es recht interessant, da einige mega sogar mitarbeiteten (sprich: eine richtige Antwort pro Stunde) und schon einiges an Zahlen und Wörtern kannten. Das war top! Andere hingegen interessierten sich null für eine neue Sprache da wahrscheinlich nicht einmal Sinn und Unsinn dahinter verstanden wurde. Wozu braucht man auch Englisch, wenn man im Dschungelsupermarkt die nächste Yucca holen kann!?

Wie mit der Hymne, so ähnlich gestaltet sich auch der Unterricht. Spricht oder unterrichtet man die Klasse als Ganzes bekommt man schwer Aufmerksamkeit der Schüler (kennt man ja), geht man von Tisch zu Tisch, spricht jeden direkt an, wächst das Interesse und die Mitarbeit (ganz freiwillig versteht sich). Aber immerhin bekommt man das Gefühl, als würde was hängenbleiben bei jedem Einzelnen.

Aber wie gesagt, generell sind die Schüler im Jugendalter super schüchtern. Die Mädels drehen sich gerne weg, vor allem wenn die Lehrer männlich sind. Bei mir war es nach einigen Tagen wesentlich einfacher den Zugang zu ihnen zu finden, da wir uns auf Spanisch unterhalten konnten und ich eben als Mädel anders aufgefasst wurde. Die ganz jungen Kids (5-7 Jahre) dagegen sind super süss und anhänglich. Zum Knuddeln. Klar, dass ich meinen Backpack am liebsten mit mindestens dreien von ihnen gefüllt hätte. Aber die Aus- und Einreisebestimmungen…

Da wir alle drei noch nie Englisch unterrichtet hatten, waren wir also alle sehr gespannt auf die ersten Tage. Super gespannt;) Und wie mit allen Dingen im Leben ist alles eine Gewohnheitssache. Bei der jungen Kids-Gruppe jedoch war es, wie es bereits der schlaue Mann Forrest Gump einmal formulierte: 

“Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiss nie was man kriegt”

Jeden Tag waren die Kids anders drauf. Mal mehr, mal weniger Affenzoo. Mit rumklettern an den Wänden und auf und unter den Tischen wort wörtlich sogar. Eigentliche Aufmerksamkeit und Mitarbeit bekam man oft nur im Drillmaster-Stil alla Bundeswehr…

 

 

Für uns selber war es auch super interessant, die Schulsituation von einer anderen Seite zu betrachten. Mal nicht der genervte Schüler zu sein, der die Zeit abwartet bis die Stunde, nein, die ganze Woche vorbei und somit Wochenende ist. Jetzt ist man der Lehrer, der die Zeit und die Woche abwartet;)))) Hello Happy Weekend, come here!

 

amazonia 48Die Kleinen. Die Herzensbrecher:)amazonia 47Die Foto-Freude ist ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben.
amazonia 46Perfekt zum Bestechen und Anregen zum Mitarbeiten, Murmeln.amazonia 43Kaum holten wir die grünen Kugeln aus den Taschen hatten wir ihre volle Aufmerksamkeit. Für ganze 3 Minuten.amazonia 42Am Ende gab es für jeden eine Murmel…oder auch 10 wenn sie es hinterhältig schlau anstellten.fullsizerender 14Murmel-Mahlzeit.amazonia 41Das Klassenzimmer fast wie leergefegt, wenn sie einmal zuhörten.amazonia 45Unser kleiner Spiderman, einer der besten der Klasse.amazonia 44Caros Haare waren auch immer eine gute Ablenkung vom eigentlichen Unterricht wert.schule 1Lernen von Zahlen und Früchten.amazonia 40 Auch immer ein Knaller – Seifenblasen. Seifenblasen for Life!amazonia 39

 

 

Grossen Respekt an unsere Lehrer von damals. Erst jetzt versteht man die unglaublich grossen Anstrengungen, jeden Tag aufs Neue, den Kindern das nötige Wissen mitzuteilen. Respekt! Ehrlich!

 

 

schule 8
amazonia 30amazonia 29 amazonia 28fullsizerender 8fullsizerender 21fullsizerender 20fullsizerender 11Prinzipiell wollten sie immer genau das haben, was wir hatten. Egal was es war. Auch wenn es nur ein dämlicher Stift war.fullsizerender 16schule 7Kleine Elfe. schule 6Einer unserer Rabauken.
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Willkommen im Klassenzimmer.  fullsizerender 23Völlig ernstzunehmende Lehrer. 
 

Montag bis Freitag war also Schule für uns. Einigen Männern der Community gaben wir sogar private Einzelstunden. Jeder so, wie er will. Dabei gab es ‘Standard-Floskeln’ von Begrüßungen bis hin zu Übersetzungen von ‘Ich will dich’ über zu ‘Ich will mit dir schlafen’ zu ‘Ich will dich als Frau haben’. Interessant. Ein fettes Grinsen konnte ich mir entsprechend nicht verkneifen. 

Schliesslich kommt das Wochenende. Nach einer ach so gar nicht stressigen Schulwoche von gerade mal 3 Stunden täglich, strengstens verdient. Samstag also frei. Sonntag ist Community Tag. Schön gesagt. Frühs um 9 geht es los mit Volleyball und Fussball. DIE beiden Sportarten hier. Kaum zu glauben, aber wahr, die Community hat eigens kreierte Fussballtrikots und Fussballschuhe. Wie finanziert??? Bleibt offen. Aber dass wir drei nicht aus dem Staunen raus gekommen sind, ist klar, oder? Oft wird sogar um Geld gespielt. Entsprechend wird das Training auch ernst genommen. Und das bei jedem Wind und Wetter, was im Dschungel schnell zu monsoonartigen Regen übergeht. Fast jeden Tag. Aber egal, es wird zu Ende gespielt. Das Preisgeld von 2 Dollarn soll ja auch hart verdient werden. 

Nach der ersten Halbzeit oder den ersten harten Sätzen gibt es erst einmal eine 2 Stunden Chicha Pause. Was sonst, klar. Danach geht es dann mit vollem Elan weiter Richtung Tor oder Netz.

 

Fussball-Leben

Auch hier im Dschungel die klare Nummer Eins. Zusammen mit Volleyball. Zwei Nummer Einsen.

Die Regeln sind dieselben. Auch hier rennen 10 Mann dem Runden hinterher und versuchen es im Eckigen unterzubringen. Der neueste technische Trend ist es hierbei immer den Ball zum Hüpfen zu bringen um ihn dann volle Karacho nach vorne dreschen zu können. Das weltberühmte Kurzpassspiel im Tiki-Taka Modus ist hier entweder nicht bekannt oder schon lange wieder obsulet. Wirklich spannend ist dieses Hochpassspiel nicht wirklich, da der Ball im seltensten Fall am Fuss des eigenen Mannes ankommt. Eher schon am Kopf eines anderen, der das Ding dann mit mindestens genauso viel Karacho wieder in die andere Richtung ballert. Hoch lebe die Kreisliga ;)

Dabei treten oftmals professionell bestollte Fussballschuhe auf arme Barfüsser. Aua. Gut für den, der Schuhe trägt. Auch kommt es zu wirklichen Verletzungen, wenn es auf dem Hartplatz dann doch etwas zu hart vorgeht. Oder wenn die letzte Reinigungsaktion (Minga) schon ein wenig zu lange her ist und das Unkraut für weitere Stolperfallen sorgt.

 

Volleyball-Leben

Hier musste Stefan mit seiner kleinen 15 jährigen Spielerfahrung ganz weit wegschauen. Die Regeln sind dann doch ein wenig merkwürdig anders. Gespielt wird recht motiviert auf einem mindestens 2.71 m hohem Netz. 3 gegen 3. Wechsel gibt es nicht. Es gibt IMMER einen festen Aufschläger, der somit auch gleichzeitig der feste Annahmespieler ist, ein Zuspieler, der 100%-ig meist einen Kurzpass auf den dritten der Runde spielt, dem Hauptangreifer. Und einzigem Angreifer (entsprechend des Fachjargons merkt man das dieser Part NICHT von mir stammt). Obere Annahme funktioniert auf Basis der 2-Sekunden Regel, erst ein längerer Ballkontakt wird abgepfiffen (bei den Damen werden die 2 Sekunden eher zu 4 Sekunden ausgedehnt). Der Annahmespieler spielt also den miesen unteren Drehaufschlag präzise zum Steller, der den “überraschenden” Kurzpass auf den Hauptangreifer spielt, welcher dann mit einer Ball-über-die-Schnur Wischbewegung den Ball über das viel zu hohe Netz wirft spielt. Wieso müssen auch die kleinsten Menschen der Welt das höchste Netz haben??

Aber auch hier gilt, bei gutem Wetter kann ja jeder spielen. Erst wenn es regnet wird es richtig lustig interessant. Der Hartplatz wird endlich bespielbar und die Hechtabwehr nimmt auf beiden Seiten expotentiell zu. Ein absolutes Schauspiel.

 

 

Unser Lunger-Leben

Und während all diesen Dingen, haben wir stets genügend Zeit in unserer kleinen Stroh-Cabaña Ruhe und Frieden zu finden. Mehr als Ruhe. Soooooooviel freie Zeit in der Hängematte. Zu warmes Wetter um etwas machen zu wollen. Viele viele Bücher werden gelesen. Der Kindle glüht. Viel Zeit zum Niederschreiben. Einige Wanderungen im Dschungel, der sich weniger gefährlich darstellte, als ich dachte. Kein fiesser “Shere Khan“. (Nur was für wahre Dschungelbuchkenner)

Und klar, viel Schlaf. Viiieeeel Schlaf. Und dennoch, durch die Einseitigkeit unserer Ernährung ging es uns nach 2 Wochen immer schlechter. Gefühlt wurden wir immer schwächer auf den Knochen und selbst rumlaufen in der Sonne war schon so anstrengend für uns, dass wir kaum was machen konnten. Krass, seinen eigenen Körper so zu verlieren. Und das ohne ernsthaft krank zu sein. Komisches Gefühl! Erschreckend. 

 

schule 17Kochen, kochen, kochen. Und Feuer machen. 2 der wichtigsten To-Dos eines jeden Tages. Man benötigt drei hohle Baumstämme, Kleinscheiss an Holz und ein Wedler…und los gehts. 

amazonia 51Wenn es regnet, dann regnet es richtig.regen regen regenRegen hier, Regen da. Jeden Tag. 
 

 

Was das Leben in Wayus Entsa anbelangt, so ist es doch für mich, so wie man sich das Leben im Dschungel vorstellt. Man steht mit der Sonne auf. Und geht auch mit ihr ins Bett. Man lebt mit dem Sonnenlicht. Man kümmert sich jeden Tag darum, dass genügend Feuerholz und Essen vorrätig ist. Fehlt etwas, muss es besorgt werden. Genügend Nahrung für die Familie. Genügend Holz zum Kochen für die Familie. Neue Hütten werden als Community Projekt errichtet, genauso wie Aufräumaktionen der Community, namens “Minga“. Gejagt wird mit Pfeilen und Giften, welche durch Tauschhandel mit peruanischen Communities erworben werden. Das einzeln oder als Community. Und so wird das Leben gelebt. Der Alltag im Dschungel. 

 

minga 1Das ganze Dorf ist auf den Beinen und befreit die örtliche Landebahn von störendem Unkraut. Man weiss ja nie wann der nächste Flieger kommt.
minga 2
JEDER hilft mit bei der wöchentlichen Minga. Die Kleine sammelt zurückgebliebenes Unkraut und “fährt” es mit ihrem gelben Gummi Dingsbums zur Seite, wo es dann wieder dem Dschungel übergeben wird.

 

Es gibt ganz klare Community Regeln um das Miteinander zu organisieren. An ganz oberster Front steht der Sharman, der die Community auch vor 36 Jahren gegründet hat. Alle Familien sind entweder durch seine Söhne oder Töchter mit ihm verwandt. Wenn man nicht wüsste, er wäre das Oberhaupt, man würde den ruhigen Mann gar nicht wahrnehmen. Das eigentliche Gerede auf Versammlungen und somit auch die Planung der Community übernehmen andere Erwählte. Jedoch fällt keine Entscheidung ohne seine Zustimmung.

Wir hatten mit ihm eigentlich nur durch unsere wahnsinnig krass interessante und mega intensive Ayahuasca-Session zu tun, in welcher wir ihn in voller Blüte seiner Arbeit wahrnehmen durften. Was für eine Erfahrung. Definitiv eine der krassesten in unserem Leben, für beide von uns! Dazu aber nicht mehr. Zu krass. Zu Persönlich. 

 

 

Ein Fuchs wird alt. 3.0!

Dann gab es noch ein anderes schönes Ereignis. Mein kleiner runder Geburtstag im Busch. Es hätte nicht schöner sein können. Denn durch Kiwis und eurer aller Beitrag hatte ich euch quasi an meinen wunderschönen Ort dabei. Alle zusammen. Und witzigerweise war der Sonntag auch gleichzeitig noch Muttertag (Dia de la Madre). Ganz großes Ereignis. Da kommt das ganze Dorf zusammen. So gross quasi, wie der eigenen Geburtstag der Community an unserem ersten Tag in der Community. So wie alles beginnt, endet es auch ;)

Und somit saßen wir den Tag über im Community Center, tranken Chicha, spielten mit den Kids, zum Mittag wurde ich soagr als Frau mit an den Muttertisch zum Mittag eingeladen. Große Ehre! Kiwi durfte im Anschluss ganz alleine essen, da an diesem Tag das Essen von den Kids und Männern für die Mamas zubereitet wurde und auch nur die Mamas essen duften. Superschöne traditionell in Achuar-Sprache gesungene Lieder von den Kids wurden präsentiert und es wurde getanzt bis in die Morgenstunden (man erinnere sich an die gute Musik im Busch!)

 

 

An dem Abend wurden Kiwi und ich noch in die Achuar Community eingegliedert, indem wir unsere Achuar Namen erhielten:

Carolina Yaa Nuar (Mujer de las estrellas = Dame der Sterne)

Esteban Ikiam (Hombre del selva = Herr des Dschungels)

Und der Sternenhimmel war so klar, die Milchstrasse so krass präsent, dass sich alle “draussen” versammelten um die Sterne zu beobachten. So wunderschön. Und so passend!

schule 13Caro darf als Ehrengast zum Muttertag ganz vorne neben President und Co. sitzen.schule 11Egal wieviel Chicha auch serviert werden muss, die Stifter sind immer mit dabei.
schule 16 img 2949Selfie-Trick, mit Caramelos sind sie alle zu haben ;)schule 12Die Mamas und Mamitas haben sich für ihren Ehrentag extra hübsch gemacht. Achuar-Bemalung zu besonderen Anlässenamazonia 65Der Höhepunkt des Abends. Alle Mütter aufgereiht warten ganz gespannt auf die musikalischen Darbietungen ihrer Kleinen.

 

Ein kleiner Nachtrag

Und dann gibt es ja noch den Mythos, dass `Weissgesichter’ (Gringos) im Dschungel umherirren, um Indigenen den Kopf abzuschlagen, diesen dann schrumpfen und diese Schrumpfköpfe dann für Unmengen an Geld in die Staaten verkaufen. Mein Ernst??? Unglaublicherweise JA! Kein Mythos. Keine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten. Mega krass. Und sogar mega präsent zu der Zeit, als wir vor Ort waren, da 2 Weissgesichter in Tarnkleidung im Dschungel gesichtet wurden. Wir als Volunteers mussten uns aber nie Sorgen machen, da es in Wayus Entsa noch nie einen Vorfall gab und zudem wir als Weissgesichter absolut uninteressant sind. Mhmhm total beruhigend!

schrumpfkopf 1
schrumpfkopf 2

(Obwohl Stefans Nase großes Potenzial gegeben hätte)

 

Noch ein interessanter Punkt im Leben von Wayus Entsa wäre zu erwähnen, dass die Idee bei der Communty besteht ein AirBnB aufzubauen! Ja, richtig gehört. Mitten im Busch. Ohne Internet. Ohne Zugang. Ein AirBnB. Wer hat die Idee kreiert? Leider zu ambitionierte amerikanische Volunteers vor einigen Monaten und nun ist die Idee im Kopf der Community am wachsen.

Natürlich, so wird doch das einfache Geld erträumt. Die Strohhütten, die aktuell noch den Volunteers dienen, sollen ab July als AirBnB vermietet werden. Drei Mahlzeiten, Dschungelwanderungen, Ayahuasca Sessions etc. soll für zusätzliches Geld möglich sein. Was würde das für die Community bedeuten? Klar, finanzielle Mittel! Doch für was??? Für was braucht man im Busch Geld? Für materiellen Besitz (Handys, TVs) und Medikamente! Anstelle sich von der reinen Natur vor Ort zu bedienen, will die Community mehr und mehr westliche Medizin einbringen. Wir reden hier von normalen Krankheiten wie Fieber, Zahnschmerzen und körperlichen Beschwerden. Alles, was hier bisher mittels der Sharmane bekämpft wurde. Über Jahrhunderte! Zudem werden die Leute hier selten krank. Fast nie. Und dennoch ist der Wunsch nach westlicher Medizin da. Nach Tabletten und Lotions, starken Schmerzmitteln. Wir wurden fast täglich nach westlichen Schmerzmitteln gefragt.

 

amazonia 49Bald ein AirBnB?!

 

Nun kann man diskutieren, wie gut der bereits vorhandene Einfluss der Volunteers damit einhergeht. Doch besteht der Wunsch und auch die Notwendigkeit der Community Englisch zu lernen, um mit der eigenen aber auch anderen Regierungen in Verhandlungen stehen zu können, was denn mit dem umgebenen Regenwald passiert und wie man diesen vor den geldgeilen Ölkonzernen schützen kann. Zu bestimmen wo geholzt werden darf und wo (hoffentlich) nicht. Um ihre Heimat aufrecht erhalten zu können, müssen sie kommunizieren können. Auf Englisch. Leider!

Somit tragen auch wir als Volunteere einen Beitrag zu Änderungen. Einen positiven hoffen wir natürlich. Der Wunsch nun ein AirBnB aufzumachen schlägt in mir ein ungutes Gefühl auf. Denn der Drang mehr Geld zu machen, besteht bereits jetzt schon. Die Kosten für die Kanufahrten steigen, die fette Anlage der Musibox und der dazugehörige Generator müssen mit Benzin befeuert werden, dem DVD Player (auf dem eigentlich immer wenn man vorbei schlendert 10.000 BC läuft) reicht auch nicht nur die Sonnenkraft. Permanente Anfragen an die Volunteers doch bitte noch ein wenig mehr Geld an die Gemeinde zu spenden sind bereits jetzt schon arg sackgängig. Und so wächst das Thema Geld mehr und mehr im Busch.

Zu jeder Familie brachten wir stets Essen mit, was wir zuvor alles eingekauft und kalkuliert hatten. Oft wollten sie mehr und mehr. Quasi alles was wir hatten. Und man kann es ihnen nicht verübeln. Vor allem nicht den Kids. Gibt man Ihnen ein Bonbon wollen sie mehr….der normale Akt des menschlichen Handelns. Streben nach Mehr. Und so hoffe ich fast schon, dass die Idee mit dem AirBnB doch nicht so recht funktionieren wird. Denn sollte dieses Business hier an diesem wunderschön, versteckten Ort eines so interessanten Stammes Einfluss gewinnen, dann wird es mit grosser Wahrscheinlichkeit in einem Jahr hier ganz anders aussehen. Geschweige denn in 10 Jahren. Aber wir werden sehen. Es wäre mega interessant nach Wayus Entsa zurück zu kehren und die Veränderungen zu sehen. Hoffentlich zum Positiven!

 

amazonia regenbogenStatt den grossen AirBnB Geldern vielleicht doch der Goldtopf am Ende des Regenbogens?amazonia 67Der Kapawi Flughafen. Die Strohhütte stellt gleichzeitig die Abflughalle, die Ankunftshalle, die Aufenthaltshalle, die Fresshalle, den Security Check-in und Check-out und die Gepäckauf- und -abgabe dar.amazonia 68Jeden Dienstag kommt der Flieger. Normalerweise. Nicht, als wir auf ihn warteten um unseren Rückflug anzutreten. Wegen Regen kam er erst 1.5 Tage später. Fast hätte es sogar noch ein paar zusätzliche Dschungeltage füpr uns gegeben, da ein sehr kranker alter Mann spontan einen Sitz bitter nötig hatte und das Flugzeug leider ausgebucht war. Zum Glück hat sich doch noch eine Lösung gefunden und wir konnten alle fliegen.abreise 2Letztes Selfie mit Angel, einem unserer Hauptansprechpartner.

 

Normalerweise sind wir hier auf dermessing.com recht qualitätsorientiert was Bilder anbelangt. Diesmal jedoch, wie euch sicherlich nicht entgangen sein sollte, gibt es vermehrt Handyfotos. Ganz einfache Erklärung, mit den Stiftern und auch allgemein mit den Bewohnern des Dorfes ist es recht schwierig mit der grossen Kamera vor deren Nasen rumzuwedeln. Ein Handy knippst halt doch mal schneller. Handyknipse eben ;) Dennoch festgehaltene Momente. 

 


 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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