Backcountry – Castle Peak

 Ohne grosse Ausreden warum es denn in den letzten 6 Monaten so ruhig im Blog geworden ist geht es direkt wieder in die Vollen (nur so viel – das ganze Bildmaterial muss ja auch erst mal geschossen werden – jetzt gibt es allerdings so viel, dass selbst mein ganzer Urlaub, und das sind immerhin ganze 20 Tage, wahrscheinlich nicht ausreichen wuerde um dies zu sortieren – ganz zu Schweigen von den Videos…)
 
Wikipedia sagt:
A backcountry area in general terms is a geographical region that is:
  • isolated
  • remote
  • undeveloped
  • difficult to access
The term may apply to various regions that are reasonably close to urban areas but are:
  • not immediately accessible by car
  • at relatively high altitude
  • not generally frequented by human visitors
  • limited to human-powered vehicles
 
Isoliert, abgelegen, unerschlossen, schwierig zu erreichen – 4 Beschreibungen, die eigentlich genau das ausdruecken, was man in der Natur vorfinden, erwarten und dem man auch nachgehen sollte. Die Realitaet sieht leider meistens anders aus. Gerade gut erreichbare und naturtechnisch wunderschoene Nationalparks im Umkreis von 4 Autostunden um San Francisco werden besonders zur Ferienzeit und gerade auch im Sommer zum Massenmagnet und man koennte direkt los exkorpieren. Aber man ist ja auch selbst Schuld. Wieso laesst man sich denn darauf ein und folgt dem Strom. Wieso nicht “Halt” und “Stop” und “Weg” – schoene Flecken gibt es schliesslich ueberall.
 
Viel zu spaet in dieser Saison haben wir das Thema backcountry fuer uns entdeckt. Besser sogar noch: backcountry skiing oder backcountry snowboarding. Denn was bringt ein noch so schoen abgelegener Berg, wenn man ihn erst muehesam in stundenlanger Kraxelei ersteigen muss und dann die ganzen Meter auch wieder zurueck laufen muss? Zurueck kaempfen muss! 
Und genau hier setzt das skiing oder snowboarding an. Nicht zurueck laufen und bei den Anstrengungen den erst kurz zuvor erlebten Freudesausbruch leichtsinnig wieder vergessen – zurueck Boarden ist das Thema. Oder Skiin. Einfach den Ausblick am Gipfel geniessen, gerne auch eine Minute laenger als geplant, die langen Latten anlegen und ab geht es. Und man spart nicht nur Zeit und Kraft sondern findet noch die besten und unberuehrtesten Pisten des Landes. So ganz nebenbei.
 
Der Castle Peak am Lake Tahoe sollte unser erster Test werden, bevor es zu Hoeheren geht. Hunderprozentig trifft die Beschreibung “Isoliert, abgelegen, unerschlossen, schwierig zu erreichen” hier leider nicht zu, da er autotechnisch relativ leicht zu erreichen ist, dadurch nicht wirklich isoliert und abgelegen wirkt und somit auch nicht mehr ganz so unerschlossen ist, wie man es sich eventuell wuenschen wuerde. Aber man muss ja irgendwo anfangen. Noch dazu – wo gibt es heutzutage schon noch die totale Abgeschiedenheit???
 
Zwei Moeglichkeiten des Bergabfahrens sind der allgemeinen Bevoelkerung ja recht bekannt: Skifahren und Snowboarden. Waehrend sich Ski perfekt zum Abfahren und auch zum geradem Fortbewegen eignen sieht das beim Snowboard schnell ganz anders aus (Thema Ziehweg). Sobald die Abschuessigkeit des Hanges gegen Null Grad geht ist Schluss mit Spass. Entweder Abschnallen und Laufen oder daemliches Rumhuepfen sind die Folge. Zum Wandern also eher weniger geeignet. Wenn man nun trotzdem im Backcountry nicht auf sein Snowboard verzichten moechte gibt es nun wieder zwei Moeglichkeiten: entweder, ganz getreu dem Motto “nicht lang gefrägt, Snowboard geträgt” ODER – und hier wird es jetzt spannend – man splitboarded es. Aber genau hier wird es auch gleich wieder teuer, weil “neues” und “trendiges” von der Industrie natuerlich wieder masslos ausgenutzt und zu ueberteuerten Preisen im Verleih und Kauf angeboten wird.
 
Ein Splitboard ist quasi nichts anderes als ein in der Mitte laengs geteiltes Snowboard mit verschiebbaren Bindungen und ein paar extra Haken zum Befestigen. Ist es geteilt kann man (mit Anti-Rutsch-Fellen) wunderbar als Ski den Berg hinauf klettern, oben dann wieder zusammen gebaut und ab geht der Spass als Board…
 
 
Thema “unberuehrt”. Abseits der Wege kann man nun klar fuer sich entscheiden:

– der einfache plattgedrueckte Weg zum Kraeftesparen, den vor mir aber schon tausend andere genommen haben
– weg vom Weg, selber die Spur legen und Freiheit geniessen

 

Backcountry kommt immer in einem Atemzug mit ungeschuetzten Routen und somit auch Lawinen. Um gut vorbereitet zu sein mussten wir zuerst ein kleines “Lawinentrainingslager” durchlaufen:

 
 
1. Mit dem Piepser vorsichtig dem Verschuetteten naehern
2. die letzten Schritte tief kriechend
3. Abtasten mit der Sonde
4. Freischaufeln

 

Vorsicht – Loch.

 

Erste Bergwertung des Tages.

 

Da geht`s noch rauf.

 

Sonne knallt erbarmungslos auf den Ruecken.

 

Auch wenn es nicht so aussieht – stundenlanges bergauf Schnaufen geht ganz schoen an die Puste.

 

Nach unserer recht remoten Route bisher kommen wir jetzt auf die Gipfelautobahn ;(

 

Phantastische Weitsicht.

 

Zum Greifen nah, und doch noch mindestens 90 Minuten entfernt.

 

Die Masse an Schneespuren laesst Boeses erwarten, ganz so schlimm wurde es dann Gott sei Dank aber nicht.

 

Wunderschoene Winterlandschaft.

 

Jetzt wird es steil. Sehr steil. So steil, dass sogar die Anti-Rutsch-Felle der Ski immer mehr ihre Haftung verlieren. Crampons waeren jetzt der reinste Segen.

 

Gestoeber.

 

Und immer weiter bergauf.

 

Und weiter…

 

Und da es noch nicht steil genug ist kommt jetzt auch noch eine ordentliche Vereisung dazu.

 

Die Baeume werden rar…

 

…das Ziel vor Augen. Links ein netter Ueberhang ;)

 

BAEMMMMMM!!

 

In die Runde…
 
 
Jetzt wuerde der muehsame und auch recht unmotivierte Rueckmarsch folgen, der mehr oder weniger einfach nur noch Pflichtprogramm ist. Man kennt die Strapatzen des Aufstiegs und weiss genau, was beim Abstieg noch alles vor einem liegt. Die Arm und Beinakkus laufen bereits auf Sparkurs, man will eigentlich nur noch heim.
 
AAAAAABER – nicht heute. Denn Splitboard sei Dank geht der eigentliche Spass jetzt erst richtig los.
Vom Gipfel aus sucht man sich nun nur noch den passenden Einstieg in die Abfahrt und los kann es gehen…
 
 
Jetzt wird es richtig abgelegen…wir allein am Gipfelkamm…

 

Manu und der Baum.

 

Noch kurz gestaerkt…

 

…Helm, Schuetzer und Co wieder anlegen…

 

…die letzten Meter zum Einstieg…

 

…kurz geflucht, weil dieser doch weiter entfernt ist als wir uns das von unten ausgemalt hatten…

 

…kurz noch ein Schneeloch mitgenommen…
 
 
…und los geht es. Board an, Brille auf, 1…2…3…im Berg. UNSERE Spur. UNSERE Line. Flupp. Da war sie auch schon zu Ende. Nach 8 Metern. Steine versperren den Weg. Board also wieder ab, Steine umwandert und hier liegt sie nun wirklich vor uns. UNSERE Rinne. Durchgaengig bis mindestens zu den Baeumen sehr sehr weit unten. Also Board wieder dran, 1…2…3…HUUUUUUUUUUUUUUUUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII

Video folgt…

Eine sau geile Erfahrung. Ein sau geiler Tag. Was vorher gut 4 Stunden beim Aufstieg gedauert hat ging jetzt in nicht einmal einer zu Ende. Die reine Abfahrt am Berg haette gerne etwas laenger als die gefuehlten 20 Sekunden dauern koennen, aber das ist leider nun mal so. Glueck hatten wir im Wald, als wir durch diesen (zwar wesentlich langsamer) fast bis zum Auto zurueck fahren konnten (nur wenige, dann aber auch schweisstreibende Anstiege haben eine Komplettdurchfahrt vermasselt).

Locker vor dem Sonnenuntergang waren wir wieder zurueck und konnten diesen mit einem frischen PBR am See geniessen.

Es sollte nicht die letzte backcountry-Tour gewesen sein.

Bis dahin,
Euer remote-Kiwi

 


 

 

 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

Latest posts by Stefan (see all)

Related Post



Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *