Belize

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Corozal

Nach dem grandios verkackten Grenzübergang mussten wir uns erst einmal 2-3 Tage ausruhen und einfach mal nichts machen. Da kam uns das kleine verschlafene Corozal gerade wie gerufen. Bis auf einen kurzen Abstecher zur ortseigenen Ruine (Marke lohnt sich nicht) und diversen Kaffee-Ganzkörper-Reinigungs-Orgien haben wir hier nicht viel auf die Reihe bekommen unternommen. Wahrscheinlich lag uns noch ein wenig der Schock zu tief in den Knochen. Oder besser – der Schock über unser eigenes Unvermögen. Viel hatte Corozal wirklich nicht zu bieten. Allerdings konnte der Strand mit einem Argument auftrumpfen, dass es wirklich in sich hatte. Unschlagbar quasi. Wind. Hier wehte einfach rund um die Uhr ein stetiges Lüftchen, welches der eigentliche Grund war, dass wir Weisshäuter die abartig hohen Temperaturen überhaupt überleben konnten.

 

belize 1Kaffee 1.belize 2Kaffee 2.belize 3Unser Camp für die nächsten 3 Tage. Keine Ahnung wieso das Wasser so trüb war, zu warm war es alle mal.belize 4

 

 

Lamanai

Bedeutet auf Maya wohl irgendwie “untergetauchtes Krokodil”. Mit fast 3.000 Jahren war Lamani für eine Mayastadt extrem lange bewohnt. Zu Spitzenzeiten lebten hier knapp 20.000 Maya. Normalerweise gelangen Touristen mit einem Boot direkt von Orange Walk hier her, wir haben allerdings die knapp 90 Minuten Autofahrt durch reinstes Armisch (oder Mennoniten, habe leider nie wirklich den Unterschied verstanden) Farmland sehr geniessen können. Unglaublich interessant, wenn man mitten im 21. Jahrhundert diese technikentsagenden Farmer sieht, wie sie gleichbekleidet (achtung, nicht leichtbekleidet!) ihre Pferdekutschen durchs Land jagen um auf den Dörfern ihre Wassermelonen zu verkaufen. Und zwar nur Wassermelonen, etwas anderes scheint auf ihren Feldern nicht zu wachsen. Dafür sollen sie mit Wassermelonen wirkliche Talente sein.

Etwas angestaubt erreichen wir die Ruinenanlage Lamanai, wo Ausgrabungsarbeiten erst spät in den 70er Jahren begonnen hatten. Prinzipiell gibt es hier nur 3 Sehenswürdigkeiten (Masken Tempel, Jaguar Tempel und Hoher Tempel), jedoch sind alle 3 wunderbar mitten im dichtesten Dschungel gelegen. Howler Affen haben wir aber dieses mal leider nur kurz heulen hören können.

 

belize 8Belizianische Nationalsymbole: Flagge, Nationalblume: Schwarze Orchidee, Nationalbaum: Mahagoni, Nationaltier: Mountain Cow – Tapir, Nationalvogel: Keel-billed Toucanbelize 5 belize 6Maskentempel. Alles noch richtig schön im Dschungel gelegen. Als ob man es gerade erst selbst entdeckt.belize 7
 
 

Caye Caulker

Die nur knapp 8×1.5 Kilometer “grosse” Insel direkt vor Belize Stadt stand eigentlich überhaupt nicht auf unserem Plan, da sie auch nur wieder eine dieser typischen “musst-du-gesehen-haben” Inseln ist, welche nur von den “most-laid-back Backpackern” überlagert werden, die allein schon durch ihr übertriebenes und aufgezwungenes “chill dich mal” mein Herz schon schneller schlagen lassen (nicht im positiven Sinne).

Jedoch hat unsere Recherche in einem Tauchladen in Belize Stadt ergeben, dass die Scuba- und Schnorchelpreise auf der Insel wohl noch einmal billiger sein sollen als in der Stadt, weshalb wir letztendlich doch die knapp 40 minütige Überfahrt auf uns genommen haben. Nicht jedoch ohne Morrie vorher ordnungsgemäss verbunkert zu haben. Belize Stadt zählt (besonders Nachts) nicht gerade zu den Zuckerwatteparadiesen dieser Erde, sodass wir für die Sicherheit unseres Kleinen (gerade auch mit all unserem Spielzeug auf dem Dach) gerne die paar Dollar extra investiert haben.

So ging es mit grosser Erwartung also doch auf diese Touristenhochburg, wo uns auch ganz schnell die ersten Touristenpreise entgegen schlugen. Zimmer und Getränke hatten stark überhöhtes Preisniveau und auch die versprochene Einsparung beim Tauchen enthüllte sich schnell als Wunschgedanke (wieso lassen wir uns eigentlich auch von einem lokalen “Spezialisten” beraten). Der einzige Grund der Überfahrt zerplatzt quasi vor unseren Augen und bereits nach 20 Minuten auf der Insel überlegen wir bereits wieder zurück zu fahren.

Uns stehen quasi nur 2 Gründe entgegen um dies nicht zu tun: der eigene Geiz, da wir ja gerade erst angekommen waren und die Tatsache, dass auch keine Fähre mehr zurück fährt. Also doch die Nacht am Strand verbringen, da jetzt natürlich erst recht keine weiteren Ausgaben mehr hinzukommen sollten um auch ja nicht den “Tourismus” weiter zu unterstützen. Leider gibt es auch nicht wirklich viele Strandabschnitte, die sich zum Übernachten eignen würden. Unter einer Palme geschützt von Palmenblättern werden wir dann doch noch fündig und zaubern unser Schlafplatz mit Yogamatte und Backpack (dass Nachts die Deppen-Vollies auf unserem “Palmenhügel” hinauf stapften um in die Weite zu schreien, bis sie uns schliesslich entdeckten muss nicht weiter erwähnt werden).

Eine Schnorcheltour buchen wir dann doch noch. Nicht etwa aus Mitleid oder Trotz, sondern viel mehr aus Eigensinn, da wir das belizianische Korallenriff doch noch aus der Nähe bestaunen wollten. Schliesslich handelt es sich bei diesem nach Australien um das grösste Riff der Welt.

Noch ein kurzer Einschub. Jetzt habe ich euch die ganze Zeit von Inseln vorgelogen erzählt. Augenscheinlich handelt es sich hier bei den Belizern jedoch nicht um Inseln im eigentlichen Sinne, sondern um so genannte Cayes (“Keys”), da sie weder durch vulkanische Aktivitäten entstanden sind noch Teil einer tektonischen Platte sind, sondern lediglich Ablagerungen pflanzlicher und tierischer skelettal Überrreste auf dem Riff darstellen. Vogeldünger sorgt dann für die nötige Fruchtbarkeit im Boden und Schwuppsdiwupps siedeln sich neue Pflanzen an. Auf Grund dieses höchst sensiblen Aufbaus sind Cayes höchst anfällig für Überschwemmungen. Caye Caulker wurde zum Beispiel vor nicht all zu langer Zeit durch Hurricane “Hattie” (war dann doch schon 1961) geteilt und besteht jetzt eigentlich aus zwei getrennten Teilen. Mangrovenbäume sind so ziemlich der einzige Schutzwall vor den heranbrechenden Wellen. 

 
belize 9Eine weitere Caye, welche für das nötige Kleingeld privat erworben werden konnte. Mehr als ein Haus passt hier auch nicht drauf. Wehe es kommt ein weiterer Hurricane. Leonardo DiCaprio hat hier unten wohl auch schon zugeschlagen.belize 10 belize 11Unser Schlafzimmer für die Nacht.dcim103goproFieser Todesfisch, besser nicht zu nahe kommen.dcim103goproCaro und ihre neue Freundin, die Moräne. Wer am Ende mehr erschrocken war weiss ich noch nicht so richtig ;)dcim103goprodcim103goproIm Meer da steht ein Ofenrohr, stellt euch mal die Hitze vor.dcim103goprodcim103goprodcim103goproTauchen mit Haien. “Nurse Sharks” so weit das Auge reicht. Leider künstlich mit leckerem Futter angelockt.dcim103goproRochen im Hoover-Mode.

dcim104goprobelize 23“The Split”.belize 24Mein zweites richtiges Seepferdchen, nach dem Schwimmabzeichen ;)
 

 

Dangriga

Als kulturelle Hauptstadt von Belize angepriesen sollten hier besonders viele Garifuna (Völkchen aus West Afrikanern, Zentral Afrikanern und karibischen Inselbewohnern) anzutreffen sein. Viel hat das kleine Städtchen nicht wirklich zu bieten. Dafür um so mehr Hitze und Mücken, die nur dank der harten Meeresbriese abgewehrt werden konnten. Nach zwei Tagen Kampf und Krampf war Schluss mit Strand und wir zogen weiter in Richtung Belizer Höhenland.

So ging es durch wunderbarsten Dschungel und Bananenplantagen auch vorbei an Belmopan, der offiziellen und strategischen Hauptstadt von Belize. Da die Stadt landeinwärts liegend wesentlich besser vor Hurricans geschützt ist als Belize City, welches schon mehrfach wüste Zerstörungen über sich hat ergehen lassen müssen, hatte die Regierung irgendwann einmal die schlaue Idee aus einem kleinen unbedeutenden Kaff die Hauptstadt zu machen (57.000 Einwohner von Belize Stadt gegenüber 17.000 von Belmopan). Bis auf eine Kreuzung und 2 Tankstellen gab es hier allerdings nichts zu sehen.

 

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Mountain Pine Ridge Forest Reserve

Der Knaller schlechthin von Belize. Noch dazu vorher kaum ein Wort darüber gelesen. Im Lonely Planet mit gerade mal 2 Nebensätzen bedacht, entpuppt sich diese Gegend für uns als absolutes Highlight des Landes.

 

Great Rock Fall

Wie es sein Name schon sagt, ein Fels, oder bessere eine ganze Wand, wo sich das Wasser knapp 30 Meter hinunter knallt. Für jeden Jungen natürlich ein gefundenes Fressen und schon geht es ab in die Fluten und hinauf ins Springvergnügen.

 

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Five-Sisters-Fall

Wir hatten es fast schon aufgegeben weiter nach dieser Perle zu suchen, da der Zugang zu einem Luxushotel gehört (das wiederum einem Kanadier gehört), welches eigentlich keine Nicht-Hotelgäste zulässt. Da aber gerade absolute low-season war haben wir uns irgendwie durch gefragt und schwuppsdiwupps waren wir unten. Nur hineinspringen durften wir nicht. Das war dann doch nur den eigenen Hotelgästen vorbehalten. Macht aber nichts, wir waren ja am Big-Rock mehr als ausgiebig plantschen.

Ach ja, seinen Namen hat der Wasserfall übrigens von den fünf Hauptfällen, die es wohl das ganze Jahr über zu sehen gibt.

 

belize 27 belize 28 belize 29 belize 30Erste Reihe Sitze.

 

 

Rio on Pools

Hier haben wir unser absolutes Traumparadies gefunden. Bereits bei der Einfahrt haben wir den Schrankenmann nach möglichen Problemen eines etwas längeren Aufenthaltes gefragt. Da es solche laut ihm nicht gäbe und wir auch schnell mit dem Militär per-du waren (die übrigens JEDEN Abend nach uns geschaut hatten und es immer witziger fanden, dass wir immer noch da waren), war die Entscheidung schnell gefasst hier wirklich ein paar Tage die Beine baumeln zu lassen und (fast) nichts tun. Schlafen, chillen, baden, essen. Gerne auch in gemixter Reihenfolge, aber immer wieder diese vier Grundpfeiler des Lebens :)

 

 

belize 31 belize 32Ausblick von unserem Balkon.belize 33Jeden Abend hat uns die Sonne ein neues Gemälde bereitet.belize 34Ich hatte vorher noch NIE eine Ananas wachsen sehen. Die meisten Kinder heutzutage denken ja auch, dass die Produkte direkt im Supermarkt entstehen :)belize 37Water-Boy.belize 35 belize 36 belize 38Mit so viel Zeit findet man plötzlich ganz viele neue Freunde.

 

 

Rio Frio Cave

Wie auch Yucatan so hat Belize eines der grössten Höhlensysteme der Welt. Sein Dom und die Höhlenöffnung (knapp 25 Meter) sind die grössten von Belize. Mit knapp 800 Meter Länge sieht man zwar zu jeder Zeit das Tageslicht am Ende des Tunnels (eigentlich ist die Höhle nämlich keine Höhle sondern ein Tunnel), eine Stirnlampe ist dennoch dringend empfohlen und wünschenswert. Krass krass krass diese Abmasse. Unglaublich impressant. Und dann noch diese Farben, die kaum mit dem menschlichen Auge wahrnehmbar sind, durch Langzeitbelichtung dann aber doch entdeckt werden können.

 
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Wieder zurück bei Rio on Pools 

 

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Waschtag

So viel Duschen wie die letzten fünf Tage – da muss ich mein kleines Gehirn schon ganz schön anstrengen um den letzten so sauberen Abschnitt in meinem Leben zu finden (macht man ja nicht einmal zu hause täglich ;)

So wurden ausgiebigst die unterschiedlichsten Wasserfälle ausgenutzt, alle Pools durchschwommen und endlich auch sogar unsere eigene Solardusche ausprobiert (um zusätzlich noch den Luxus von warmen Wasser zu haben). Auch die Bart- und Kopfhaare mussten endlich mal ein wenig dran glauben, auch wenn mir dadurch die böse Sonne wieder mehr ins Gesicht scheinen konnte. Aber, was macht man nicht alles für ein ordentliches Aussehen. Hier draussen, mitten in der Pampa.

 

 

belize 48 belize 49Skeptik?!belize 50Dutzende Wasserfälle und Naturrutschen schrieen gerade danach benutzt zu werden.
belize 51Belizianinische Mittags-Besucher an unserem Pavillion, die uns spontan zu BRATWURST und BIER einluden. Hallo was? Der Glücksmoment war sowas von komplett.belize 52Ich verstehe ja dieses Yoga Ding immer noch nicht so richtig, aber scheinbar macht es an besonders schönen Orten auch besonders viel Spass ;)

 

Nach 5 Tagen Rio on Pools mussten wir dann leider wieder unsere Lager abbrechen. Das Schranken-Männchen wusste zwar doch nichts mehr von unserem verlängerten Aufenthalt und guckte nur ganz verdutzt als wir uns bei ihm bei der Ausfahrt für die tolle Zeit bedankten und verabschiedeten. Die Zettelwirtschaft seines Partners war scheinbar ein wenig durcheinander geraten. Kurze Zeit später war dann auch schon die letzte Station in Belize erreicht.

 

 

San Ignacio

Viel gibt es zu San Ignacio eigentlich nicht zu erzählen. Wir laden unsere Vorräte an Bananen auf (2 Dollar für 20 Stück), kopieren noch ein paar wichtige Zettel für die Grenzüberfahrt (dieses mal wollen wir perfekt vorbereitet sein, nicht wie bei der berühmt berüchtigten Einfahrt nach Belize), was allerdings bei all den geschlossenen Geschäften (weil Feiertag) allerdings gar nicht so einfach war. In einem herunter gekommen, ziemlich creapy Super-Nerd-Bungalow werden wir dann doch noch fündig.

Ein paar leckere Eis werden noch geschleckt und schon machen wir uns an den Fluss, wo scheinbar gerade die KOMPLETTE Stadt ein Bad nimmt. Es ist aber auch unglaublich heiss. Und mückig. Abartig. Nachdem sich aber alle Familien wieder nach Hause gemacht hatten wurde es endlich ruhig.

Denkste. Gegen 2:30 Uhr mitten in der Nacht scheinen mir plötzlich 4 Meglight Scheinwerfer ins Gesicht. Zuerst kann ich diese brennenden Lichtpunkte überhaupt nicht mit der Realität in Verbindung bringen. Ganz langsam macht es aber klick und siehe da, unsere Freunde von der Polizei sind wieder da. Und sie haben sogar gleich ihre Freunde vom Militär mitgebracht. Wir müssen aber auch angsteinflössend in unserem Schlummerschlaf ausgesehen haben. Nach ein paar hingerotzten Nettigkeiten sind sie auch wieder weg und wir können unseren Schönheitsschlaf fortsetzen. Am frühen Morgen ist der böse Albtraum fast schon wieder vergessen und wir machen uns hochmotiviert, aber auch mit heftigem Herzklopfen auf zur nächsten Grenzerfahrung.

Dieses mal geht es nach Guatemala

 

 


 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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One response to “Belize”

  1. Herrliche Fotos und ausführliche Beschreibung. Danke und Grüße zu euch.

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