Und es hat BOOM gemacht

Wer hätte das einmal erahnen können…ich habe die grosse Ehre, nach Anfrage vom Blogautor persönlich nun meinen ersten Gastbeitrag verfassen zu dürfen. Also bitte alle Erwartungen was den messing´schen Wortwitz angeht hier ablegen und sich ganz offen auf das Kommende einlassen.

Nach unserer sehr witzigen und wirklich überraschenderweise leisen und ruhigen Nacht auf der Fähre (lag wohl evtl. daran, dass wir ungewollt erster auf der gesamten Fähre waren und somit gleich Präsi-Platz an der Reling hatten) sind wir nun endlich auf dem Festland angekommen, in der Hoffnung nun völliges mexikanisches Leben einhauchen zu können (ja noch mehr als in Baja, da es bis dahin leider immer noch viel zu viele Amis hingeschafft haben und es gefühlt zu ihrem adaptiert haben). 

Nächster grosser Stop sollte nun der mehr oder wenige bekannte wunderschöne Copper Canyon sein (siehe hier). Um fur einige Zeit im Nirgendwo  wieder länger überleben zu können sind wir in Los Mochis kurz eingekehrt und haben Proviant besorgt. Denn nichts nervt mehr als unentdeckte Plätze verlassen zu müssen weil der Magen knurrt;)

 

BOOM

Alles besorgt. Klappe zu. Los gehts….raus aus der City….Noch völlig überdreht bequatscht was wir alles im Canyon machen wollen, fahren wir strickt in eine Kreuzung rein. Auf einmal seh ich nur noch im rechten Augenwinkel ein weisses Auto auf uns zuhalten ohne dabei ansatzweise langsamer zu werden…..Shit! 

Wir haben eines dieser super dummen und oft völlig versteckten Stoppschilder übersehen! Die Situation, die man selbst am meisten fürchtet, wenn man in eine Kreuzung fährt, dass ein anderer Dödel das Stoppschild übersehen haben könnte….Top….Heute waren wir die Dödel. Leider. LEIDER!!! So gar nicht gesehen hinterm Baum.

Das Auto kommt immer schneller auf unsere rechte Seite zu. Stefan reagiert so schnell und so gut, zieht das Lenkrad nach links um so weit wie möglichg ausweichen zu können. Ich seh das Auto immer näher kommend. Bin mir fast sicher, dass wir es schaffen könnten…jajajajaaaaa…..….NEIN! Fetter Knall! Im letzten Moment. Und das so stark, dass es Morrie auf beide linken Räder anhebt und wir in Taumelschwang kommen.

….die Welt scheint kurz still zu stehen. Wir mitten in der Luft! Auf 2 Rädern. ….was mir in all der Zeit (wahrscheinlich grad ma 3 Sekunden) in den Sinn kam war nur….”oooooo neeeeeeein….unser Casaaaaaa!!!”….anstelle über den Schaden am Auto zu denken kommen mir in dieser super kurzen und dennoch gefühlten Ewigkeit einfach nur unser “Heim”…”unser Reisefreund” in den Sinn”. Was, wenn wir uns überschlagen……das ganze Auto….samt Bett, Küche..das Roofrack mit Pack und Sack…alles im Arsch sein wird? NEEEEEEIN! (In Slowmotion Sound kreist es in meinem Kopf)

Und kaum, dass all diese tausend Gedanken herumspinnen, landen wir mit einem heftigen Knall wieder auf allen Vieren wieder. BUFF!…krass…wir sind wieder unten…krass…?KRAAAASS!!!! 

Atmen auf, gucken uns an…und fahren zur Seite rüber…. Fragen uns gegenseitig völlig baff, ob alles ok sei! Ja, alles ist gut!!! Nix gemerkt, gespürt. Nix tut weh, alles mehr als gut. Checken Morrie von draussen, und zu unserer Überraschung…kaum was zu sehn. Schauen auf die Strasse zum andern PKW….völlig im Arsch was die Front angeht. So ein Sh..Mist!

Völlig neben uns stehend laufen wir hinüber zur betroffenen Familie. Der Papa (Fahrer) völlig im Schock kommt aus dem Auto raus, läuft Stefan mit soviel Wut entgegen….als würde er seine Faust schon auf Kiwis doch nicht so kleiner Nase sehn wollen….Zugleich kommt sein Sohn hinterher und was ein Glück fur uns…er spricht englisch! 

Nach einigen Minuten kommt jeder ein wenig zur Ruhe. Niemanden ist nur ansatzweise etwas passiert. Allen geht es gut. Nur dummer, dummer grosser Blechschaden. Leider nur am Mitbetroffenen und kaum Etwas bei uns.  Der Papa nimmt mich in den Arm ohne Worte. Wir verstehen uns, ohne nur ein Wort miteinander sprechen zu müssen. Sprachbarriere ja. Verständnisbarriere null. 

 

Policia

Nach nicht mal 10 Minuten kommt wie aus dem Nix ein Verischeurngsmann aus dem Busch gesprungen (wörtlich so gemeint), nimmt unsere Daten auf, und auch erreicht die Polizei uns endlich. Ein wenig schwierig bürokratische Dinge zu händeln, wenn man nicht ein Wort versteht und auch englisch sehr zäh nur klappt mit der Polizei (was wir auch nie erwartet haben…aber eben gehofft hatten gänzlich vermeiden zu können). Nach gut 1.5 Stunden ist dann alles an Daten  aufgenommen und ausgetauscht wurden. Das beschädigte Auto musste leider abgeschleppt werden, bei uns wie gesagt, alles so weit ok….

Nur noch wir und 3 Polizisten (zwischendurch waren es mal locker 8) sind letztlich vor Ort. Alles geregelt. Der Polizist informiert uns noch über das Ticket was wir fur die “Straftat” zu zahlen haben. 2 Straftaten um genauer zu sein: Übersehen des Stoppschildes und Verursachen von Sachschaden. Shit. Stimmt, macht Sinn, kenn ich zwar nicht von daheim (da der Unfall selbst bereits Strafe genug ist, könnte man denken, aber gut, seh ich ein).  

$4000 Pesos ($250US Dollar). Ordentlich! Wir können entweder vor Ort oder gern am nächsten Tag im Polizeirevier zahlen. Unsere freie Wahl,) Da wir gerade eh nicht gegügend Geld bei uns haben nehmen wir Tor 2 und wollen alles in Ruhe am nächsten Tag regeln. Dem Polizisten scheint die Antwort nicht so zu passen und meint, ob wir gar nicht das Geld irgendwie zusammen bekämen…Wir könnten auch gern mit US Dollar zahlen! Zudem könnte es sein, dass sich der Betrag im Revier auf einmal “ändert” und sich nach oben bewegt…wegen mehr Aufwand quasi…Achso!!! 

Der Polizist schaut uns an und meint, da es kurz vor Weihnachten ist bekommen wir ein “Weihnachts-Special vom Staat Sinaloa” und müssten doch nur noch $2000 Pesos zahlen…dann aber Cash und hier und jetzt! Mhmhmhmh…..ok,). Ohne ein weiteres Wort müssen alle in der Runde lachen. Stefan. Ich. Die 3 Jungs….Allen ist alles klar. Ohne Worte. “Aber eine offizielle Rechnung könnt ihr uns doch austellen, oder?” Wieder ein geselliges Lachen in der Runde.

Willkommen in Mexico. Geld regiert die Welt. Hier zumindest …Schmiergeld….ulalaaa… dabei der Sprache nicht mächtig zu sein, macht es nicht grade besser. Oder vielleicht doch….dumm stellen klappt immerhin manchmal hier! Nun ja, nicht aber wenns um so etwas geht.

Stefan am Telefon mit Roberto (Arbeitskollege aus Guadalajara) um nach Rat zu fragen, da wir uns völlig unsicher sind. Was, wenn wir jetzt NICHT zahlen sondern morgen aufs Revier gehen, die Jungs gepisst sein könnten und dann vor Ort doppelt oder wirklich dreifach verlangen könnten und wir rein gar nichts ändern könnten. Wir sind völlig machtlos …das wissen die Jungs genauso gut wie wir;) 

Ich am Telefon mit einem glaubhaften “Kumpel” von Polizist Nummer 1, der uns die “Spezialaktion zum Weihnachtsfest” ein weiteres Mal versichern soll. Man merkt sofort, er weiss, was hier gerade gespielt wird und …spielt ohne Frage mit!

Roberto bestätigt nur, dass es normalerweise Tickets gäbe für Überfahren von Stoppschildern. Von welcher Höhe wir hier sprechen hängt allerdings ganz allein von der jeweiligen Tagesform der netten Policia ab. Keine Überraschung:)

Der zu Anfangs noch fast perfekt englisch redende Polizist Nummer 2 (war bisher unser Dolmetscher) entschuldigt sich plötzlich ständig und bröckchenhaft für sein doch so schlechtes Englisch und bekommt hierbei kaum mehr als ein “sorry, no hablo ingles” zusammen. Schon erstaunlich wie schnell das Sprachzentrum im Gehirn eine jahrelang erlernte Zweitsprache wieder “vergessen” kann.

 

Das erste Mal

Alles was uns jetzt noch übrig bleibt is dummtun und vorgeben wir hätten nicht mehr als $700Pesos in der Tasche…”entschuldigen uns noch um ihnen den Anschein zu geben sie wären im Recht und verdampfen uns…Und es klappt! Die Jungs wissen, wir können nix ändern und müssen zahlen…die Jungs wissen aber auch, dass sie kein offizielles Ticket ausstellen können fur ansatzweise $700 Pesos. Also dreht sich alles um “Friss oder stirb”!

Oh man, was für eine Situation. Eine gefühlte ‘Never-ending Story’ nachdem die Jungs uns wirklich 3 Stunden nicht haben verlassen wollen um noch ein wenig Weihnachtsgeld aus der Situation zu locken….keine Ahnung was alles in der Zeit in Los Mochis nicht geregelt werden konnte da die gesamte Polizei anscheinend super busy war;)

 

Das Zweite Mal

Wir wollen einfach nur noch weg. Raus aus der Stadt. Kaum im Auto aber sind wir beide am Abfeiern. Können es nicht glauben, bereits nach Ankunft am Festland schon in unsere erste Situation mit Schmiergeld (bribe) gekommen zu sein. Völlig am Lachen sehen wir auf der Autofahrt dann ein Meeresfrüchtebuffet und denken uns zur Feier des Tages gönnen wir uns nun ausnahmsweise mal was;))) Machen völlig aufgeregt eine Rechtsabbiegung und da blinkt es schon wieder hinter uns blau!!!!

WAAAAAAAS?????? Ja richtig, wir waren NICHT auf der Abbiegespur! Und wer hat’s gesehen? Die Polizei ;) 

Und wieder wird der “offizielle Block” gezückt um ein ordnungsgemäßes “Ticket” zu vergeben. Fast schon überzeugend diesmal. Doch als er merkt, dass wir wiederum nicht von hier sind, kein Wort verstehen…folgt auch schon die direkte Nachfrage nach US Dollar. “Thirty Dollar, por favor! US Dollar.” Und aus dem bis dato noch glaubhaften “ehrlichen Polizisten”, geraten wir in unsere 2. schmierige Aktion getreu dem Motto “hey amigos, ich bin großzügig mit euch und schreibe euch KEIN Ticket, wenn ihr mir ein paar Dollar gebt als kleines Dankeschön;) Statt 30 Dollar geben wir ihm 20 USD und noch weitere 100 Pesos und ein wenig Kleinkram, welches wir allerdings auch sofort zurück bekommen. So sind es also knapp 25 USD. Was soll ich sagen…es war leider eben auch ein dummes Timing 2 Tage vor Weihnachten. Denn über einen kleiner Puffer fur ein paar extra Tacos freut sich jeder hier…

Erster Tag Festland: 2 Schmiergeld Aktionen binnen 4 Stunden. Tagesziel erreicht:) Und hoffentlich damit auch Reiseziel;)

unser_panzer
deren_auto
                                                                                                   <<<wir mit Kratzern<<<>>>sie mit etwas mehr als Kratzern>>>

 

Kleiner Nachtrag: Dass wir ein kalifornisches Kennzeichen haben macht es uns als entarnte “Gringos” (ungemochte Amis in den Augen der Mexikaner) auch nicht gerade einfacher! Ein kleines Fähnchen wäre wohl manchmal doch ratsam, denn die Alemanier sind sehr gemocht bei den Mexikanern;)

 


 

Carolin

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Der Träumer und Bastler der Truppe.
Sie macht sich die Welt, widdewidde wie sie ihr gefällt.
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One response to “Und es hat BOOM gemacht”

  1. P-Mann says:

    Ich fand gut und witzig. Weiter so.

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