Chiapas

chiapas

 

Mit Chiapas haben wir (leider) relativ sehr kurzen Prozess gemacht. In einem der ärmsten Staaten von Mexiko kann man sicherlich mehr Zeit verbringen, sollte man sicherlich auch, muss man eigentlich auch, kann man aber auch nicht. Gerade wenn man hotelfrei unterwegs ist und jeden Abend darauf angewiesen ist einen geeigneten Standplatz zu finden. Viel haben wir im Vornherein über Chiapas gehört. So soll es, wie auch Oaxaca, neben einem der ärmsten eben auch zu einem der schönsten Staaten gehören, die es eigentlich verdient hätten länger besucht zu werden. Und die Schönheit wurde uns tatsächlich immer wieder vor Augen geführt. Wald und Busch wo das Auge hinreicht. Saftiges Grün überall. Einen wirklichen Plan hatten wir nicht wirklich, wie immer eigentlich. Was wir leider hatten war ein wenig Zeitdruck bedingt durch Nanas Ankunft am 30. März, der uns eine definitive Deadline setzte, an welcher wir wieder in Cancun sein müssen. Da neben Chiapas auch noch nahezu die komplette Yucatan Halbinsel vor uns lag haben wir es daher ein wenig rascher angehen lassen. 

 

Canon de Sumidero

Erstes absolutes Highlight in Chiapas. Nach all den Flachland-Stränden der letzten Tage im Süden von Oaxaca war man solch eindrucksvollen Gesteinsschluchten schon gar nicht mehr gewöhnt. Noch imposanter sogar wenn man bedenkt, dass die tiefsten Stellen des Canyons tiefer reichen als jene im weltberühmten Grand Canyon. Da wir grandios getimt kurz vor Schliessung des Parks ankamen hatten wir diesen für die nächsten Stunden und durch die Nacht komplett für uns. Man muss sagen – wir haben auch schon schlechter übernachtet ;)

 

chiapas 1 chiapas 2chiapas 5 chiapas 4 chiapas 3chiapas 2Im Hintergrund das hell erleuchtete “Tuxtla”, oder besser “Chiapa de Corzo”, von wo aus massenhaft Touristen jeden Tag in den Canyon geschippert werden. Wir haben das Schippern den Schippern überlassen und geniessen lieber die luftigen Ausblicke.chiapas 4Mein kleiner zischender Freund wäre fast von meinem unachtsamen Fuss dem Erdboden gleich gemacht wurden.

 

San Christóbal

Eine der wohl schönsten Städte von Chiapas, San Christóbal de Las Casas, haben wir ebenfalls im Rekordtempo durchlaufen. Da erstens der Platzregen ein gechilltes Umherschlendern vermieste vermass vermasste vermasselte und auch die Aneinanderreihung von zwar wunderschönen aber dennoch völlig überteuerten Restaurants und Boutiquen den eigentlichen Charme nahm hatten wir keinen wirklichen Grund länger zu bleiben. Es ist leider unverkennbar wer in dieser Stadt das Sagen hat – das Geld. Oder eben der gut betuchte Tourist, nichts für uns also. Nur eine kleine süsse second hand Bücherei einer ‘Abuela’ (Grossmutter auf spanisch) hat uns für eine Weile aufgenommen (kann aber auch sein, dass der eigentliche Grund des Besuches ihr kostenloses Wifi war ;)

 

Tonina

Oder auch “Haus der Steine” in der alten Tzeltal Sprache genannt. Aber Steine haben am Ende ja auch alle Ruinen gemeinsam. Nichts Besonderes also. Oder doch? Die Anlage setzt sich dennoch durch ihre 7 Plattformen stark vom restlichen Einheitsbrei ab. Auf diesen 7 Plattformen zentrieren sich alle wichtigen Tempel und Gebäude der Anlage. Je höher das Gebäude liegt, sprich je höher die Plattformsnummer, desto angesehener und wichtiger war auch das Ansehen der Bewohner. Tummelten sich auf der Grundplattform noch Hinz und Kunz waren es auf der obersten nur noch eine handvoll erlesener Priester und “Gottessöhne”. Und wir, mitten drin. Allein. GANZ allein. Die komplette Anlage für uns, schon ein sehr besonderes Gefühl. Wir können ausführlichst und ohne photobombs den Weg von der untersten zur höchsten Platform auf uns nehmen. Interessanterweise ist hier auch nichts abgesperrt. Selbst die steilsten Stufen, welche aus unerfindlichen Gründen zum Ende hin auch immer höher wurden (und dabei dachte ich waren früher alle Beine/Menschen kürzer?!), sind begehbar. Nach ordentlichem Gepumpe (traveln in Morrie macht halt faul…und unfit) erreichen wir irgendwann die Spitze mit garantierter Bestaussicht.

 

chiapas 8Farbspiel im Museum.chiapas 9Seine unglaubliche Lage im dichtesten Dschungel von Chiapas macht Tonina (noch) zu einem echten Geheimtip.chiapas 10 chiapas 12 chiapas 13 chiapas 14Höher? Ging nicht!chiapas 15
 

Agua Azul

Eine knappe Stunde nördlich von Tonina liegt das unglaubliche Agua Azul. Eine Aneinanderreihung von unzähligen Kaskaden und Wasserfällen, die an sich schon spektakulär genug wären. Als absolutes Bonbon (fast schon eine Frechheit so schön) kommt hier allerdings noch die Photoshop-geschaffene Türkiesfarbe hinzu. Sie kann einfach nicht natürlich sein. Irgendwo müssen doch die Mayas stehen und tief chemische Substanzen hinzu schütten um das Wasser in dieses Blau zu verwandeln.

Bei unserer Ankunft war der Himmel noch regenverhangen und sonnenlos. Wunderschön. Doch nach einer knappen Stunde öffnet sich dieser und plötzlich explodiert die Gegend mit Farben. Absolut unmöglich zu beschreiben. Bilder sagen übrigens mehr als tausend gestammelte Worte… 

 
chiapas 16 chiapas 17 chiapas 18 chiapas 19 chiapas 20 chiapas 21 chiapas 22 chiapas 23 chiapas 24
 

Misól-Ha

In unmittelbarer Nähe zu Agua Azul “finden” wir den Misòl-Ha Wasserfall. Bei unserer mittäglichen Ankunft sogar noch relativ menschenleer (da alle hungrig) ehe die nächste Busankunft mit ihren 30 Studenten jedes folgende Bild zunichte machte (und natürlich auch die Ruhe).

Spannend auch die Möglichkeit hinter den Wasserfall gelangen zu können und die Macht des Wassers hautnah spüren zu können. Dass allerdings Wasserfälle ordentlich mit Feuchtigkeit um sich schmeissen und somit Treppenstufen in unmittelbarer Nähe aalglatt werden lassen muss Caro scheinbar noch lernen. Ihr zirkusreifer Ausrutscher und ihre noch zirkusreifere Abfangaktion in Matrix slow motion haben auf jeden Fall grossen Applaus verdient. Für die nächsten Tage hatte sie auf alle Fälle noch einige übergrosse blau bis dunkelschwarze Flecken als Erinnerung an ihren Stunt. 

 
chiapas 25 chiapas 26 chiapas 27 chiapas 28 chiapas 29 chiapas 30Papageien Fütterstation.
 

Palenque

Jeder kennt es. JEDER. Wahrscheinlich eines der drei am meisten bekanntesten und leider auch besuchten Sehenswürdigkeiten von ganz Mexiko (neben Chichen Itza und den Pyramiden von Teotihuacan). Besucherströme lassen sich nicht vermeiden. Lonely Planets “ultra geheimer” Tipp einfach so früh wie möglich herzukommen, am besten direkt vor der Eröffnung, um den Ansturm der Hoteltouristen aus dem Weg zu gehen, hat sich als schönes Seifenblasendenken erwiesen. Natürlich. Denn JEDER kommt wie gesagt irgendwann während seiner Mexikoreise nach Palenque. Jeder will es sehen und da ist es fast schon egal zu welcher Uhrzeit man her kommt, es ist immer was los. Wir waren tatsächlich kurz nach der Eröffnung da und konnten dank messing´schen Stechschritt (gerechnet in Caro Schritten: SPRINT!) die meisten vorher eingetroffenen Gruppen überholen und konnten so wenigstens noch ein paar menschenfreie Fotos der grandiosen Anlage schiessen.

Wie Tonina so liegt auch Palenque mitten im dichtesten Dschungel. Vielleicht sogar noch dramatischer. Auch gibt es hier die wahrscheinlich meisten und am besten erhaltensten Ruinen und Tempel. Gigantisch und unglaublich schön. Mit all der Zeit, die wir dank unseres Reisestils haben, können wir es uns auch leisten einfach mal sitzen zu bleiben und die unglaublichen Aussichten zu geniessen, während die geführten Regenponchotruppen (es regnet mal wieder und aus dem Sonnenschirmverkäufern wurden kurzerhand die Regenschirm und -poncho Verkäufer) an uns vorbei eilten um ihr restliches Tagesprogramm noch abspulen zu können.

Ein weiteres Plus von Palenque sind der behutsame Wiederaufbau und ihre in meinen Augen unauffällige Restaurationen. Diese können sich nämlich auch ganz leicht als grosser Reinfall erweisen, wenn es die guten Restaurateure viel zu gut meinen und die Pyramide am Ende neuer aussieht als am Tag ihrer eigentlichen Fertigstellung (wie bereits in Cholula gesehen, shame on you!).

Leider haben wir die berühmten Brüllaffen nicht entdecken können. Doch sie waren da, ganz nah. Ihre frühmorgendlichen Paarungsrufe haben einige der Affen in unmittelbaren Nähe vermuten lassen.

 

chiapas 31 chiapas 32 chiapas 33 chiapas 34 chiapas 35 chiapas 36 chiapas 37 chiapas 38 chiapas 40chiapas 41 chiapas 42 chiapas 43 chiapas 44 chiapas 45 chiapas 46 chiapas 47An diesem Abgrund hätte selbst Alex Honnold seine Mühen gehabt.

 

Erwähnenswerte menschliche Aufeinandertreffen

Nagelbrett-Strassensperre

Da war sie also doch noch. Kurz vor Ocosingo hat sie zugeschlagen, obwohl wir uns fast schon sicher waren doch keine mehr erleben zu müssen. Chiapas berühmt berüchtigte Strassensperren. Den Plänen der Regierung eine neue Cuota durch das Land zu ziehen, also eine breite verzollte Autobahn, stehen die armen Bauern der Bergregionen mit grösster Ablehnung gegenüber. Zum einen würde solch eine Strasse für sie Zwangsenteignung von nutzbarem Farmland bedeuten (wobei sie natürlich kein Mitspracherecht hätten) und zum Anderen würden wichtige Durchreisetouristen durch die kleinsten Bergdörfer entfallen und mit ihnen auch der ein oder andere wichtige Dollar. Also schliesst man sich zusammen und startet eine kleine Rebellion.

Gehört hatte man schon einiges von angeblichen temporären Strassensperren. Dann wiederum gab es aber auch viele Berichte die keine solchige Behinderungen erwähnten. Da die Alternative einen stundenlangen Umweg bedeutet hätte haben wir es einfach ausprobiert. Und bis Ocosingo lief auch alles problemlos. Dann jedoch, kam plötzlich der Verkehr zum Erliegen und es ging nur noch im Schneckentempo voran. Vermummt mit Balaklaven (ihre Frauen mit Kleinkindern im Arm standen übrigens unvermummt als Unterstützung hinter ihnen) und abschreckenden Macheten am Gürtel stand eine Gruppe von Männern vor einer Bushaltestelle und hielt jedes Fahrzeug (auch lokale Mexikaner) an um es nur gegen Zahlung eines kleinen Endgeldes weiterfahren zu lassen. Am Ende jedoch alles harmlos, da selbst bei “no somos 100 Pesos, solo 50” sie einen durchfahren liessen. Was sollen sie auch anderes machen, wenn es im letzten Bergdorf keinen ATM gibt um Geld abzuheben ;)

 

Topesgeschäfte

Kindlein Kindlein gar nicht dumm, spielt gerne mit den leichtgläubigen Touristen rum! Zumindest so lange, bis die profitgeilen Hintergedanken der Kinder entdeckt werden. Aber von vorne. Zum Thema Topes habe ich ja bereits in früheren Blogeinträgen einiges geschrieben. Von absolut unwirtschaftlich (zwingen täglich Millionen von Autos dazu Millionen Male anzuhalten und neu beschleunigen zu müssen), über absolut gefährlich (schwer erkennbar bei Nacht, getreu des Slogans eines bekannten Herstellers von Energiedrinks: “Topes verleihen Flügel”) hin zu absolut nervig! Die schlauen Kinder aus den Höhen von Chiapas setzen jetzt aber sogar noch einen drauf. Ganz nach dem Vorbild ihrer Balaklavenväter spannen sie hinter den Topes kleine Bändchen (man muss ja eh abbremsen) und “zwingen” einen mental so lange nicht weiter zu fahren, bis sie dieses wieder entfernen. In der Zwischenzeit nutzen die Kids jedes auch nur millimeterweit geöffnete Fenster um ins Auto zu klettern. Am Anfang noch recht süss hat man zunächst auch noch keine bösen Hintergedanken und denkt nur an die ungebremste Spielfreude der kleinen Fratzen. Allerdings entpuppt sich dieses “Spiel” recht schnell als extrem auskalkulierte Wirtschaftsfalle. Denn natürlich wollen die Kids nicht spielen, sie wollen verkaufen und den Touristen ans Portmonee, auch im wahrsten Sinne des Wortes. Flinke Kinderhände überall. Leider hatten wir keine Schere bereit – schnipp schnapp, gierige Fingerchen ab. Ihre zuerst genannten 1 Pesos Bananen entpuppen sich all zu schnell als inflationäre Dollarbananen. Aus dem unschuldigen Kindergrinsen wird innerhalb einer Schaltsekunde das blutrünstigste Teufelsgesicht was man sich bei 6-8 Jährigen nur schwer vorstellen kann. Unglaublich schnell und unglaublich enttäuschend. Besonders enttäuschend aber auch für die Kids, die es kaum glauben können, dass wir ihre Waren nicht beziehen wollen. Das Absperrband bleibt gespannt und kann nur mit vorsichtiger Weiterfahrt gelockert werden. Ab jetzt bleiben alle Scheiben geschlossen. Da sterbe ich lieber durch Sauerstoffmangel als durch die zähnefletschenden “Teufelskinder”. Leider können diese nicht wirklich viel dafür, sie eifern einfach nur ihren “vorbildlichen” Eltern nach.

 


 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

Latest posts by Stefan (see all)

Related Post



Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *