Copper Canyon

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Nachdem wir endlich Baja hinter uns lassen konnten (hat sich am Ende angefühlt wie eine halbe Ewigkeit, was es mit über 30 Tagen auch fast schon war, allerdings muss man auch beachten, dass Baja allein schon fast 2/5 der Fläche von Deutschland einnimmt) sind wir nun endlich auf dem mexikanischen Festland. Nach der sehr entspannten Fährüberfahrt mit bester Aussicht gehen wir also in Topolobampo an Land und fahren direkt weiter nach Los Mochis (eine Stadt, die erst letzten Freitag unfreiwillig ins Blicklicht der Weltpresse geriet, als hier Mexikos berühmtester Drogenboss “El Chapo” wieder festgenommen wurde – wie witzig es ist, wenn man erst vor Kurzem hier durchgefahren ist und seine eigene “Gängstergeschichte” erlebt hat – hierzu wird es hoffentlich bald noch einen kleinen Gastbeitrag geben).

Von Los Mochis ging es dann (fast) ohne Umwege weiter nach El Fuerte, wo wir die Nacht mit lärmender Mariachimusik verbringen “durften” (wer spielt eigentlich diese Art von mexikanischer Volksmusik bis in die frühen Morgenstunden – ohrenbetäubend – obwohl es nicht EINEN Zuhörer, ausser uns eben, gibt????).

 

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Von El Fuerte startet dann eine zweitägige off-road Strecke, mitten durch den dichtesten mexikanischen Wald. Streckenweise waren die Waldstrassen alles andere als fahrfreudig und Morrie konnte mehrere male beweisen, weshalb wir uns für seine Allradkünste entschieden haben.

Als wir endlich in Divisadero ankommen werden wir aber definitiv für alle Schlaglöcher der letzten 48 Stunden entschädigt. Der Copper Canyon ist eigentlich ein Canyon-Geflecht bestehend aus 7 eigenständigen Canyons und übersteigt in seiner Gesamtgröße und -Tiefe sogar den berühmtesten Canyon der Welt (den “Grand Canyon” in Arizona, USA). Witzig also, das gefühlt JEDER den Grand Canyon kennt, NIEMAND aber den Copper Canyon, nicht einmal viele der Mexikaner mit denen wir vorher gesprochen hatten. Mexico scheint sich jedoch der klaffenden Lücke im Marketing so langsam bewusst zu werden und plant hier eine Art “Super-Nationalpark” entstehen zu lassen. Die von der Natur gegebenen Vorraussetzungen haben sie allemal, hoffentlich setzen sie diese auch weise ein und versteifen sich nicht zu sehr auf das Prefix “Super” im Namen, worauf leider Gondel und Zipline-Touren hinweisen könnten ;(

 
copper canyon 6 copper canyon 7 copper canyon 8 copper canyon 9 copper canyon 10 copper canyon 11 copper canyon 12“El Chepe” nennt sich das Bahnsystem, was in zwei Klassen angeboten wird (starke preisliche Unterschiede mit minder starken Abweichungen in Reisezeit und Service. Die erste Klasse ist locker 2-3 mal so teuer, hat ein eigenes Boardrestaurant – ganz toll – und kommt auf einer Strecke von über 600 Kilometern ganze 2 Stunden vor der zweiten Klasse ins Ziel. Wer braucht allerdings ein Restaurant wenn es auf halber Strecke und am besten Ausblick der Fahrt dutzende Anbieter von leckeren und günstigen Tacos und Gorditas gibt?!?)
 

Nach den grandiosen Ausblicken in Divisadero gelangen wir nach “Creel“, dem eigentlichen Dreh- und Angelpunkt des Copper Canyons. Von diesem 6000 Seelenstädtchen aus kann man dutzende Touren in die diversen Canyons buchen. Wir bevorzugen jedoch alles selbst zu bereisen und nutzen in Creel nur die paar spärlichen Balken Internetempfang, um mit den Familien wenigstens ein bisschen abgehackte Weihnachten feiern zu können.

Der Copper Canyon und gerade auch die Gegend um Creel sind auch sehrberühmt als Heimat der “Rarámuri”, ein Völkchen von geschätzten 70.000 Ureinwohnern, die besonders für ihre marathonartige Ausdauer bekannt sind. Völlig Technik entsagend leben sie in kleinen primitiven Hüttchen (oder sogar immer noch in Höhlen), Frauen und Mädchen tragen die buntesten Kleider, als Schuhe werden entweder Sandalen aus Autoreifen (das sind bereits die ersten Adaptionen an die neueste Technik) oder ihre eigene Hornhaut verwendet und aus Freude am Leben laufen sie nicht selten mehr als 20 Kilometer am Tag. Ein Geflecht von Pfaden durchzieht die Landschaft des Copper Canyon und weisst auf ihre Läuferaktivitäten hin. Über Wasser halten sie sich indem selbstgeflochtene Körbe oder Hängematten sowie selbstgeschnitzte Holzutensilien den Touristen aufgeschwatzt werden.

 

copper canyon 13“Valley of Mushrooms” mit vereinzelten Hütten der Rarámuri. Diese leben hier in einen abgeschlossenen Tal, in welches es nur eine Einfahrt mit Zugangsbeschränkung gibt, welche durch ein kleines Entgelt durchschritten werden kann.copper canyon 14 copper canyon 15 copper canyon 16So mancher Besucher erhofft sich im “Valley of Frogs” seinen Traumprinzen zu finden.  Doch bis jetzt sitzt der Frosch(koenig) noch immer im Auto mit.
Links ist eine ältere Raràmuri Dame in typischer Kleidung zu sehen.copper canyon 17Die Kleinen sind scheinbar für das Geldeintreiben zuständig und wichen während unseres kleinen Rundgangs im “Valley of Monks” keinen Zentimeter von unserer Seite.raramuri selfieTrotz eigentlicher Fotoangst hat es letztendlich doch für ein gemeinsames Selfie gereicht.copper canyon 18 copper canyon 19Waschtag.
 

Weiter ging es für einen Tag zum “Basaseachi Nationalpark” mit seinem berühmten “Cascade de Basaseachi“. Mit seinen 246 Metern ist er Mexikos zweithöchster Wasserfall, getoppt nur von “Piedra Volada“, mit 453 Metern zwar klar höher jedoch nicht ganzjährig fliessend, was ihm wiederum die Qualifikation eines “echten” Wasserfalles nimmt und somit Basaseachi wieder zur eigentlichen Nummer eins werden lässt (puuhh).

Noch eine kurze Erwähnung wenn es um das Thema mexikanische Nationalparks geht. Im Prinzip existiert die Qualitätsmarke “Nationalpark” in Mexiko zwar, jedoch haben sie scheinbar keine Ahnung was damit anzufangen (ganz im Gegensatz zu den Amerikanern). Ausgebaut sind nur Wenige. Wenn man Glück hat gibt es Ausschilderungen, Parkplätze und ein Toilettenhäuschen (damit dieses auch Toilettenpapier hat braucht man noch grösseres Glück). Auf der einen Seite bringt dies unglaubliche Vorteile, da man die Parks fast menschenleer geniessen kann. Maximal ein paar Locals verirren sich sonst noch an Wochenenden hier her.

Auf der anderen Seite könnten mit ein wenig mehr Marketing allerdings so viel mehr Menschen die unglaublichen Schönheiten geniessen (viele Mexikaner die wir fragten kannten wie bereits beschrieben nicht einmal den Copper Canyon – bitte zeige mir einen Amerikaner, der noch nie vom Grand Canyon gehört hat). Wir bevorzugen fürs Erste jedenfalls Tor Nummer 1 und geniessen gerne die Parks für uns ganz allein.

 

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Weiter ging es pünktlich zum 24.12 nach Guachochi, dem Tor zum “Sinforosa Canyon“, ein Seitencanyon der auch zum Copper Canyon Geflecht gehört und unser Zuhause für Heiligabend sein sollte. Nach einer 12 Kilometer langen Fahrt auf einer nicht asphaltierten Strasse endet diese plötzlich und unangekündigt auf dem Hof einer alten Dame, die gegen ein geringes Entgeld das Tor zur Kuh öffnet (ja, hinter dem Tor erwartet uns zu aller erst das glückliche Muhn von ihr) und wir den eigentlichen Zugang zum Canyon befahren können. Wieder zeigt Morrie was in ihm steckt und nach weiteren 5 Kilometern endet eine recht holprige Steilabfahrt an einer langen Hängebrücke, mit kleinem Häuschen und Mega-Aussicht. Unsere Weihnachtssuite for two quasi. Und getreu dem 24, so wie es alle Jahre immer wieder ist….diesmal jedoch ein weng anders, haben wir uns passend zum Anlass natürlich ein paar “Weihnachstkekse” in der Familienpackung versteht sich gegönnt. Die, wie hätte man es nicht anders erwartet, alle zuckersüss und null lecker im Vergleich zu Mutti´s und Oma´s Keksen schmecken konnten. Dafür gabs dann als kleine Weihnachtsüberraschung von Caro aber noch den guten alten Vanillepudding frisch aufgekocht:) 

Gegen Abend gehen wir auf Holzsuche um die eintrudelnde Nacht gemütlich mit einem Feuerchen zu zelebrieren und finden letzte Leckerein in Morrie…(für 2 leckere “Steinofenkartoffeln” hat es dann doch noch gereicht fur ein delikates Weihnachtsdinner). Und so sitzen wir im Nirgendwo an einer der wunderschönsten Plätzchen, die man sich wünschen kann und sagen Feliz Navidad!

 

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Auf der Weiterfahrt nehmen wir noch die restlichen Feiertagsgefühle in Durango in uns auf. Die ehemalige Westernstadt (John Wayne und Steve McQueen haben hier wohl einige Filme gedreht) hat es dabei fast schon ein wenig übertrieben. Fast noch mehr haben es allerdings die zahlreichen Hochzeitler übertrieben – wer bitte sehr heiratet denn am 26. Dezember zum zweiten Weihnachtsfeiertag?!?!?

 

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Nach einer Nacht geht es auch schon weiter Richtung Mazatlán, mehr hat Durango einfach auch nicht zu bieten. Zum ersten mal entscheiden wir uns ein paar Pesos für die “cuota” Autobahn zu nutzen, da uns sonst die rund 250 Kilometer Extremkurvenfahrt dem Kotzkrampf näher gebracht hätte als dem eigentlichen Ziel.

Noch kurz ein Wort zum mexikanischem Autobahnsystem. In den letzten Jahren wurde von der Regierung sehr viel Geld investiert, um besonders die grossen Städte durch gute, schnelle und direkte Autobahnen zu verbinden. Bei diesen Highways handelt es sich zum Zollstrassen, die einem bei langen Fahrten ganz schön ins Geld gehen können. Genannt werden sie “cuota”. Meist handelt es sich um perfekt ausgebaute doppelspurige Strassen, die kleine Nester komplett aussen vor lassen und auch grössere Städte gekonnt umrunden. Auf ihnen ist ein schnelles Vorankommen gesichert, da es weder Ampeln, Stoppschilder noch “Topes” (Bremshügel) gibt. Auch sind sie wahrscheinlich am sichersten, da es eine kontrollierte Auffahrt gibt, an welcher man seinen Geldbeutel öffnen muss und “Banditos” fernhalten soll.

Per Gesetz ist es allerdings auch vorgeschrieben, parallel (mehr oder weniger) eine freie Alternative anzubieten. Die “libre” Highways sind quasi das genaue Gegenteil zu den cuotas. Sie gehen durch jedes noch so kleine x-beliebige Nest, haben hunderte Ampeln, Stoppschilder und Topes (hiervon sind es einfach unzählige), sind meist einspurig (was es extrem spassig mit breitem LKW vor einem macht) und schlängeln sich jedem noch so steilem Berg hinauf (was es noch extrem spassiger mit besagtem breiten LKW macht). Dafür sind sie frei und unser bevorzugtes Strassensystem. Wenn wir etwas en massé haben, dann ist es ja wohl Zeit ;)

 

copper canyon 56 copper canyon 57 copper canyon 58 copper canyon 59 copper canyon 60Turmspringer, die um die Mittagsstunde recht lange und aufwendig das Publikum animieren, dann einen einfachen Köpfer vorführen um dann aber gross ab zu kassieren.copper canyon 61 copper canyon 62 copper canyon 63 copper canyon 64 copper canyon 65 copper canyon 66

 

Von Mazatlán geht es weiter nach Guadalajara (versucht erst gar nicht das Wort richtig auszuprechen!) wo uns mein ehemaliger Arbeitskollege Roberto und seine Frau Azay herzlichst erwarten und uns ihr Haus öffnen. Mit ihnen werden wir auch Silvester verbringen. Mal sehen, ob die Nacht ins neue Jahr in Mexiko irgendwie speziell, oder zumindest anders, verbracht wird.

 


 

Stefan

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Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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