Drei Zinnen 1/4 – Anreise

Wenn es eine Definition fuer spontan geben sollte, dann kann es eigentlich nur diese (wenn auch nicht sehr kurze) sein.
 
Mittwoch (beilaeufig): 
Im Telefonat nach Soerens Tennisstunde erwaehnt (scheinbar war der Gute noch nicht ausgelastet genug ;) dass man doch ruhig noch einmal eine kurze Berg-Kletter-Tour machen koennte. Als Abschied quasi fuer eine durchaus sehr gelungene Saison. Ein Abkletter-Event. Noch dazu wo perfektes Wetter aus der Sahara fuers Wochenende vorher gesagt ist.
 
Donnerstag (Planung):
Wettervorhersage steht und sind weiterhin perfekt. Plan bleibt. Drei Zinnen Besteigung. Die Nebelschwaden um die Zinnen (sehr gut durch die Webcams der Zinnen zu beobachten gewesen – HALT, Webcams an den Zinnen? Auweia, das laesst touristentechnisch nichts gutes ahnen) haben sich verzogen. Die Schneemassen an der Nordwand nehmen auch ganz stark ab, aber die sollen uns eh nicht stoeren, da es fuer die Erstbesteigung der Zinnen auch gerne die “Suedhang-Luschiroute” sein darf. Wetter passt also, eine Route ist auch gefunden, sogar eine recht genaue Routenbeschreibung, der Schnee passt auch, die Motivation sowieso, die neuen Schlafsaecke sind zwar noch nicht durch, aber es kann ja auch nicht alles passen. Also heisst es jetzt – PACKEN. Und ja nichts vergessen!
 
Freitag (Abreise):
Also geht es bestens gelaunt und hoch motiviert Freitag nach der Arbeit Richtung Muenchen, wo ich auf halber Strecke Soeren treffe und wir uns gegenseitig motivationstechnisch nur weiter hochschaukeln. Die Nacht verbringen wir noch mit einem Aufputsch-Cocktail bei seinem Bruder in der bayrischen Hauptstadt, ehe es dann gegen 5 Uhr in aller Herrgottsfruehe nach Südtirol geht.
 
Dienstag kurz erwaehnt, Donnerstag grob geplant (oder eher sehr viel ausgedruckt um waehrend der Fahrt oder vor Ort genauer planen zu koennen) und Freitag die Abreise. Nicht schlecht!!!
 
Kaum abgebogen in die suedtiroler Dolomiten ergibt sich ein Wow Effekt nach dem Anderen.

 

Krasse Bergformationen, winterliche Landschaft und rotgruenfarbene Mischwaelder zwingen mein armes Ausloesefingerchen immer wieder zum Abdruecken… 

 

Mr. Sonnenschein ,)

 

Soooo schoene Aussichten immer und immer wieder. Ich liebe diese Waelder!
 
 
Puenktlich zum Mittagessen rollen wir am Fusse der Drei Zinnen an. Eine Schranke. Halt! Stimmt, ich hatte was davon gelesen. Geht sie also los, die Abzocke. Fuer die naechsten 2 Kilometer (!!!) zahlen wir jetzt 20 Euro um die Passstrasse nutzen zu duerfen. Faehrraeder sind kostenlos. “Ham dies gut…” koennte man denken. Wenn ich mir das Hoehenprofil aber genauer ansehe wuerde ich diese Aussage ganz klar verneinen. Es geht ordentlich nach oben. Und kurvenreich. Am Ende landet man dann bei der Auronzohuette, mit massig Parkplaetzen, die allerdings nahezu leer sind. Nachsaison >>>> wir Gluecksschweine. Scheinbar haben die Schneemassen der vergangenen Wochen viele Kletterer abgeschreckt und keiner hatte dieses Gebiet mehr auf dem Schirm fuer das diesjaehrige Kletterjahr.
 
 
Refugio Auronzo – eine von 3 (!!!!!) Schutzhuetten rund um die Zinnen. Diese Masse an Schutzmassnahmen sagt schon alles ueber die Beliebtheit dieses Klettergebietes zu Drangzeiten.

 

Erst einmal alles raus aus der Kiste und rauf auf unsere Ruecken. Wo sind eigentlich die Sherpas wenn man sie braucht?!?

 

Drei Zinnen Parkplatz

Als erstes heisst es einschmieren. Sonnencreme kann man scheinbar nicht genug verwenden so krass wie die Lotti heute herunter brennt. Der gut gemeinte Trick mit dem “Wir ziehen alle Jacken an, dann traegt es sich besser” funktioniert auch bereits nach wenigen Metern nicht mehr, da der mensch-eigene Abkuehlmechanismus in Form von Schwitzen quasi sofort einsetzt.
Hinter der Huette geht es direkt auf den “Zubringer”-Weg zum Einstieg in unsere Route, wo wir irgendwo auf einem passenden (und moeglichst ebenen) Plaetzchen unser Basislager aufschlagen wollen. Auf diesem Rundweg sind leider schon ein paar mehr Menschen unterwegs. Leider kam auch kurz nach uns eine Reisebus (!!!) an, der eine ganze Ladung, wie haette es auch anders sein koennne, von Asiaten rausschmeisst. Vom hochhackigen Spiessermaedchen, ueber Outdoorkleidungstechnisch am besten ausgestattete Nachwuchs Reinhold Messner, ueber Hausmuetterchen hin zu angehenden OP-Aerzten (oder wieso sollten sie sonst einen Mundschutz in dieser reinsten Umgebung tragen?!??!) ist alles dabei. Uns und unsere Kletter-Ausstattung begutachten sie teilweise mit riesen grossen Augen (von den ueblichen Epikanthus medialis (um korrekt zu bleiben) ist weit und breit ploetzlich nichts mehr erkennbar ;) 
 
“Du yu leimb?”
“Aeh, what?”
“Duyugo leimbing leit nau?”
“Aeh…yes…yes…not now but tomorrow!!”
 
Und schon freuen sie sich nen Ast und wuerden am liebsten direkt Autogramme und Beweisfotos von uns haben. Naja, nicht ganz, aber man merkt ihnen an, dass der Respekt sofort gestiegen ist, da sie sowas scheinbar gar nicht gewohnt sind. Sie setzen sich sehr frueh am Morgen in Tokyo in den Flieger, sind zum Fruehstueck am Matterhorn und blicken auf Zermatt herab, Mittags an der Aiguille du Midi um den Mnt. Blanc zu bestaunen, dann kommen sie zum Kaffee auf einen Abstecher zu den Drei Zinnen vorbei um dann am Abend gemuetlich am Schloss Neuschwanstein zu Abend zu Essen. Da bleibt halt nicht mehr all zu viel Spielraum fuer ausfuehrliche Felskletterei… ;)
 
 
Der Zubringer – hinten rechts ist irgendwo die Kapelle, wo wir laut Beschreibung links abbiegen muessten um zum Einstieg zu gelangen.

 

Drei Zinnen Anreise

 

T-Shirt Wetter im Oktober in den Alpen.

 

Irgendwann war die Kapelle dann gefunden (was macht eigentlich eine Kapelle mitten in den Bergen???) – 20 Minuten Packesel spielen reicht ja auch und wir halten Ausschau nach einem passenden Fleckchen fuer unsere Zelte. JA, ZELTE. Hab ich zwar noch nicht erwaehnt, aber alle Huetten liegen bereits im Winterschlaf (was auch sehr sehr gut so ist) und somit bleibt quasi nur noch diese eine, wunderbare Moeglichkeit der Uebernachtung. Wir, die Zelte und die Berge. Kann es was besseres geben? > ausser vielleicht warme Betten? > aber dazu spaeter ,)
Ich hatte meinen perfekten Platz bereits nach wenigen Hoehenmetern hinter der Kapelle gefunden, nicht ganz hundertprozentig gerade, aber ausreichend zum Schlafen. Also alles Absetzen und erst einmal PAUSE. Soeren war noch nicht gaenzlich ueberzeugt und steigt noch etwas weiter auf – nur um dann sogar den perfektesten Platz zu finden. So anstrengend wie es auch ist so vollgepackt gegen die Erdanziehung zu arbeiten – es hat sich sowas von gelohnt > spaeter mehr (hihi).
 
 
Direkt unter dem Einstieg finden wir unser neues Zuhause.

 

Drei Zinnen Basislager 

Drei Zinnen  Portrait
 
Platt.
 
 
Also alles abwerfen und erst einmal Erfrischung im kuehlen Schnee suchen. Absolutes Sommerwetter zu diesem Zeitpunkt. Voellig unklar fuer diese Jahreszeit. Noch dazu ist dieser Zeltplatz ein echtes Schmuckstueck: gerade, abgeschottet, kaum einsehbar, perfekte Sicht, wir ALLEINE.
Da es noch sehr frueher Nachmittag ist (fast wie geplant) machen wir uns fix noch zu einem Klettersteig auf. 
 
Toblinger Knoten – eine sehr schöne, kurze Tour mit aussergewöhnlich nahem militärhistorischen Aspekten. Der Blick vom Gipfel auf den Paternkofel und die 3-Zinnen gehört zu den schönsten der ganzen Dolomiten.”
DAS hoert sich doch gut an. Also Helm und Klettersteigset eingepackt, Kamera sowieso und los geht’s!
 

Drei Zinnen SchattenDas Schattengebilde laesst vermuten, dass wir nun auf der richtigen, namengebenden Seite der Drei Zinnen angekommen sind.

 

Hier noch deutlicher.

 

Und hier endlich in ihrer wahren Pracht! Ich weiss nicht wie viele Fotos ich von ihnen geschossen habe. Und alle zeigen auch das typisch gleiche Dreigestirn der Zinnen. Aber alle sehen auch irgendwie anders aus. Jede Ansicht fuer sich einzigartig.

 

Auf der Nordseite liegt wieder deutlich mehr Schnee. 

 

Und noch einmal dasselbe Foto.

 

Und noch einmal.

 

Und noch einmal.

 

Und noch einmal.

 

Und noch einmal.

 

Drei Zinnen Panorama
Und zum Abschluss noch was gaaaanz anderes. Na, koennt ihrs raten? Richtig, die Drei Zinnen!!!!!!! 
(Grossansicht, neues Feature – in Farbe und INTERAKTIV!!! Probiert es aus, klickt rum und seit (fast) live mit dabei ;))) 
 
Kapitel 1 von 4 schliesst somit am Fusse des Toblinger, bereit fuer den Einstieg. Die Dreizinnenhuette haben wir schnell hinter uns gelassen, mittlerweile sind wir auch ganz alleine unterwegs. Hinter der Huette ging es direkt an den Berg, der Suedseite einmal komplett entlang, drumherum und zur Nordseite. Doch dort wartet erst einmal eine grosse Ernuechterung auf uns…
 
 

 

Stefan

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Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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3 responses to “Drei Zinnen 1/4 – Anreise”

  1. Carolin Dreßler says:

    … jetzt sogar mit eingebauten Spannungspegel der aufbauenden Kapitel;) das Herz rast….

  2. Stefan Messing says:

    und es wird weiter rasen!

  3. Carolin Dreßler says:

    “Vom hochhackigen Spiessermaedchen, ueber Outdoorkleidungstechnisch am besten ausgestattete Nachwuchs Reinhold Messner..:”

    dazu ganz witzig: http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/achim-achilles-sportbekleidung-macht-sportler-a-879297.html

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