Drei Zinnen 4/4 – Abstieg

Der Aufstieg ist geschafft!!! Man ist oben, das Ziel ist erreicht. Die Faeuste in den Himmel gestreckt! Das Glueck auf Erden.
Wie soll man aber jetzt bloss fuer den vierten Artikel noch die Spannung halten??
 
Ganz simpel eigentlich, indem es einfach spannend weiter geht. Denn nachdem wir uns quasi quaelend langsam hinauf geklettert haben laeuft uns ploetzlich ein wenig die Zeit davon. Leider sind Wintertage nicht gerade dafuer bekannt lange und viele Sonnenstunden zu haben ;(
 
Noch dazu kommt ein kleines aber mehr als feines Missgeschick unsererseits:
 
Um boese Ueberraschungen zu vermeiden haben wir uns ein zeitliches Limit gesetzt. Sollte dieses erreicht werden kehren wir um – egal ob wir bis dahin den Gipfel erreicht haben sollten oder nicht. Das Limit lag zuerst bei 13 Uhr, dann bei 14 Uhr (welchen Sinn macht eigentlich ein Limit, wenn es dann doch wieder verschoben wird??). Nein, 14 Uhr war definitiv. Den Gipfel haben wir ja dann auch weit vorher erreicht. Jetzt sollte gefeiert, gegessen und genossen werden. Den Ausblick geniessen. Die Freude.
 
Dann kam alles doch ein wenig anders.
Zeitgeber war die Digicam. Eigentlich auch recht zuverlaessig. Gegen halb 2 kommen wir also am Gipfel an und haetten laut unserem Limit noch knapp 30 Minuten zum Chillen zur Verfuegung. Ein Blick aufs Handy sollte dies bestaetigen. 14:30 Uhr!!! Waaaaaas, wie wo was? Ploetzlich sind wir ueber der Zeit. Hinter dem Zeitplan. Wie auch immer. Zu spaet! Wie kann das…shit – Winterzeit. Eine Stunde hin, eine Stunde her, auf der Digicam war noch die falsche Zeit eingestellt. Und wir somit eine Stunde in der Zukunft…
 
Statt ruhigem Geniessen gab es also hektisches Gemampfe (keine Zeit zum Kauen ;) weil wir uns jetzt schnellstens wieder auf den Weg machen mussten. Also fix noch die letzten Panoraman geschossen und abwaerts gehts.
 
 
Fixes Abseilen.
 
 
Dort muessen wir noch hin, bestenfalls im Tageslicht.

 

Den ersten Kamin bereits hinter uns gelassen.
 
 
Runterwaerts sieht ploetzlich alles ganz anders aus!
 
 
Hochwaerts haben wir sie sehnsuechtigst herbei gewuenscht, jetzt gibt es sie ploetzlich in Huelle und Fuelle – Abseilhaken. Was jedoch als “dann lass uns mal fix abseilen” gedacht war erlag schnell der Ernuechterung. Abseilhaken in Huelle und Fuelle heisst ja nicht auch gleichzeitig, dass sie mit riesigen Reklametafeln markiert sind. Also beginnt die lustige Suche nach ihnen. Immer wieder aufs Neue. Auch kommt hinzu, dass an jedem Haken die erste Abseilperson eingebunden werden muss, sich dann abseilt, ausbindet, das Seil freigibt, die zweite Person eingebunden werden muss,  abseilt, ausbindet, das Seil freigibt und dann das Seil wieder aufnehmen (tausendmal enttrullern), alles verstauen und den naechsten Haken suchen. Dort beginnt dann das gleiche Spiel wieder von vorne. Da es jedoch unglaublich viel Spass macht kommt es einem trotzdem vor, als wuerde man riesen Fortschritte in minimaler Zeitaufwendung machen…weit gefehlt.
 
 
“Fuer ein bisschen Rumposen wird ja wohl noch Zeit sein…”
 
 
Beim naechsten Blick auf die Uhr der erste Schock, es ist doch schon ganz schoen spaet geworden. Aber egal, die Sonne haengt noch immer am Himmel, es ist noch taghell. Noch.
Die boese Befuerchtung von wegen einbrechender Nacht, besonders schnell leider in den Bergen, bewahrheitet sich von nun an aber immer mehr. Kaum kratzt die Sonne an den ersten Gipfeln auf ihrer Abschiedstour schon ist sie auch schon hinter ihnen verschwunden. Und mit ihr mehr und mehr das Tageslicht. Absolut phantastisch und gruselig zugleich, zumal wir noch immer einige Hoehenmeter UND den miesen fiesen feuchtglitschigen Kamin vor uns haben. Und eben diesen ohne Licht – nope, will ich mir gar nicht erst vorstellen. Noch dazu, dass unsere Kraefte nach der schweisstreibenden Auf- und Abstiegsorgie auch nicht mehr die besten sind. Hulk war einmal.
 
 
Da geht sie…
 
 
Kaum im Kamin angekommen tritt natuerlich genau dass ein, wovon wir uns mehr und mehr gefuerchtet hatten. Die Sonne ist weg, das Tageslicht auch, es daemmert mehr und mehr, wir sollten uns schleunigst nach unten machen. Wobei schleunigst im eisigen Kamin natuerlich mit Vorsicht zu geniessen ist.
Zum Glueck gibt es hier ja die 3 oder 4 sehr gut gesetzten und jetzt sogar halbwegs gut auffindbaren Haken, die wir beim Aufstieg noch muesehlig suchen mussten, mit dessen Hilfe wir ordentlich Hoehenmeter lassen koennen. Runterklettern waere nicht moeglich. Dieselben Probleme wie beim Aufstieg (eiskaltnass) + Dunkelheit + Abklettern (was eh immer wesentlich schwieriger ist als das hoch-Pendant) schliessen dies aus. Die Haken aber helfen uns, dass wir rasch Abseilen koennen. Sogar bis fast ans unterste Ende der Rampe. Dort wollen wir noch fix das Seil nachziehen – KLAEMP, es haengt fest. Zieh, nein, zieh, nein – es bewegt sich nicht. Natuerlich nicht. Also doch noch einmal die Rampe hoch und das Seil befreien (es war ungefaehr gar nicht eingeklemmt, aber von unten mit Druck und falschem Winkel hat es sich keinen Millimeter bewegt).
 
Das Klettern haben wir hinter uns!!! YEEAAAHHH – das Schlimmste ist ueberstanden. Jetzt kann es auch Nacht werden, denn den Weg durch den Zick Zack Weg finden wir zur Not auch im Dunkeln. Ok, muessen wir dann auch. Denn nach weiteren 30 Minuten erreichen wir unser Lager mit dem allerallerletzten lichtaehnlichen Strahlen des Tages – die Nacht hat uns ueberholt – ohne einzuholen.
 
 
Keine 10 Minuten spaeter sieht unsere Kletterstrecke so aus.
 
 
Beim Ankommen am Lager sehen wir menschenaehnliche Schatten an unserem Zelt. Haeh, was, wie – war doch so toll versteckt unser Standpunkt. Aber nein, ein Ruhrpotter und zwei weltreisende Radler (ein Schweizer und eine Quebecanerin aus Kanada ;) haben es uns gleich getan – bzw. tun es uns gerade gleich und sind dabei ihre komplette Ausruestung hoch zu schleppen. Gerne wuerden wir helfen – aber es geht einfach nicht mehr. Eine der krassesten Klettertouren wurde auf die Sekunde genau getimet beendet. Die Kraefte reichen nur noch fuer ein paar Belohnungsbiere. Die Konversation mit den beiden Weltreisenden (unglaublich interessant) war trotzdem mehr Qual als Wohltat, weil der Schlaf dann doch schon arg um Einlass draengte. Ach ja, die Kaelte natuerlich auch. Kaum ist das letzte Licht des Tages verloschen geht es mit den Temperaturen so richtig in den Keller. Aber egal – heute kann uns nichts mehr aergern. Einmal Koenig sein – heute ist es so weit – die Koenige der Zinnen.
 
 
Drei Zinnen Nacht
 
  
Ohne groessere Probleme (ausser des obligatorischen Frierens zur sehr fruehen Morgenstunde, wenn es einfach immer hundekalt wird) geht die Nacht um und der naechste perfekte Morgen steht bevor.
 
 
Ein neuer Tag – ein neues (Sonnen)Glueck.

 

Genau so schnell wie sie selbst verdraengt wurde draengt die Sonne nun ihrerseits wieder in die Berge hinein.

 

Bei solchen Aussichten konnte einfach keiner faul im Schlafsack liegen bleiben.

 

Drei Zinnen golden 

Drei Zelte am Fuss der Drei Zinnen.

 

Die Gedanken sind frei…

 

Drei Zinnen Aufgang

 

Noch sind wir alleine, aber nicht viel spaeter erreichen wieder die ersten Touribusse den Parkplatz.
 
 
Drei Zelte. Drei Schatten. Drei Zinnen.
 
 
So langsam heisst es Abschied nehmen. Viel zu schnell sind uns die Weltreisenden und vor allem ihre Geschichten aus den abgefahrensten Teilen dieser Welt ans Herz gewachsen. Schon trennen sich wieder unsere Wege. Nicht aber, bevor uns allen noch ein richtig daemliches und zugleich ungemein witziges Missgeschick passiert. Oder besser – auffaellt. Denn passiert war es bis dahin schon lange.
 
Erinnert ihr euch (flash back, ca. in der Haelfte des Berichts):
“Ich hatte meinen perfekten Platz bereits nach wenigen Hoehenmetern hinter der Kapelle gefunden, nicht ganz hundertprozentig gerade, aber ausreichend zum Schlafen. Also alles Absetzen und erst einmal PAUSE. Soeren war noch nicht gaenzlich ueberzeugt und steigt noch etwas weiter auf – nur um dann sogar den perfektesten Platz zu finden. So anstrengend wie es auch ist so vollgepackt gegen die Erdanziehung zu arbeiten – es hat sich sowas von gelohnt > spaeter mehr (hihi).”
 
Jetzt sind wir an genau diesem Punkt angekommen – bei dem “hihi“!
Wir haben uns echt gewundert – ok, haben wir eigentlich nicht, eher unglaublich gefreut – ok, auch hierfuer war eigentlich zu wenig Kraft, wir haben es freudig und nicht hinterfragend hingenommen, dass unser Basislager auf einem solch geraden, steinlosen, ja wirklich perfektem Boden in dieser doch arg steinigen und unebenen Geroellhalde aufgeschlagen werden konnte. Ein grosser ebener Platz ohne Gefaelle, perfekt fuer 3 Zelte. Damals (scheint mittlerweile eine halbe Ewigkeit her zu sein) lag der komplette Aufstieg zu den Zinnen noch unter Schnee. Mittlerweile hat die Sonne selbigen ordentlich zum Schmelzen gebracht. Und dadurch den ein oder anderen Gegenstand zu Tage gebracht, den man dann doch lieber nicht gesehen haette. Zum Beispiel einen fast senkrecht stehenden unnatuerlich geformten und oben spitz zulaufenden Stein, der unmoeglich aus den Haenden der Natur gemeiselt gewesen sein kann. Bei naeherer Betrachtung macht auch alles ploetzlich Sinn:
  • die Kapelle
  • die gerade ebene Flaeche
  • selbst der Steinring, der sich um unser Lager zieht (war am Vortag auch noch nicht zu sehen, hoechstens ansatzweise)

Alles kann nur auf eines hindeuten:

Unsere Ruhestaette, ist auch gleichzeitig die Ruhestaette von anderen
– und zwar deren Letzte ;)))))

 

Besagter Stein ;)

 

Eigentlich total schlau: am Morgen Schnee in die Flaschen gefuellt um am Abend dann das erfrischende Werk der Sonne zu geniessen.

 

Voll gepackt mit tollen Sachen die das (Kletter)Leben schoener machen…
 
 
Auf der Herfahrt noch ignorant vorbei gezischt…

 

…bekommt diese Ansicht auf der Rueckreise mehr als ihre verdienten 5 Minuten Ruhm.

 

Tschuess Berge…

 

…und tolle wunderschoene bunte Waelder.
 
 
Mit reichlicher Verspaetung endet hier fuer die zwei gluecklichsten Menschen das Abenteuer Drei Zinnen. Besser noch, es endet erfolgreich. Der Berg wurde erfolgreich bestiegen. Und das trotz diverser Bedenken im Vorfeld. Ein absolut abgefahrenes, wunderschoenes, panoramistisches, schweisstreibendes aber voellig belohnendes Wochenende geht zu Ende. Danke an den Wettergott – endlich waren wir mal einer Meinung. Danke an den Erschaffer solch krasser Gesteinserhebungen – du laesst das Herz jedes Bergsteigers schneller rasen. Danke an die guenstigen Umstaende, dass es ueberhaupt meoglich war diesen Trip zu starten. Danke an Mauro und Emilie fuer eure grandiosen Erlebnisse – unbedingt weiter machen. Und last but not least (sowas von not least) ein riesen trommelwirbelndes Danke an Soeren. Wir verstehn uns halt ,)
 
Ahoi und hoffentlich bald zeitnaeher,
Euer Zinnen-Kiwi
 
 


 
 
Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

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