Ecuador

ecuador map

 

Ein SO diverses interessantes Land. Und dabei ist Ecuador so klein im Vergleich zu Kolumbien oder den noch kommenden südamerikanischen Ländern. Und dennoch wussten wir, dass wir wahrscheinlich wieder das Visum aufs Maximale ausreizen würden. Mit einem Viertel an Indigenen, die sich teils tief in den Anden oder teils im Amazonas befinden, macht es Ecuador so so interessant und divers. Und man bewegt sich permanent zwischen zwei Welten.

Man fährt mit dem Auto durch die Landschaft, oder sagen wir auch absolute Pampa und fühlt sich zurück in die Zeit versetzt! Wo Landwirtschaft noch auf urstigste Weise und härteste köperlicher Arbeit von Hand und Sichel betrieben werden. An den steilsten Hängen oder den tiefsten Abgründen finden sich Mais und Kartoffelfelder, Getreidefelder und sämtliche Kräuter. Und mittendrin erblickt man kleine in ihren schönen bunten Trachten arbeitende Leute, die meist ein respektvolles Alter von mindestens 60 Jahren aufweisen. Absoluter Wahnsinn.

 

Cayambe

Kaum über die Grenze kommend (unser bisher einfachster Grenzübergang) erblickten wir ihn…den ersten grossen Schneeberg seit Langem mal wieder. Der Vulkan Cayambe (5.790 m) sollte unser nächstes Projekt werden, getreu dem Motto “letsplayontop” eben….und das eeeendlich nach so langer Zeit, zumindest was das Schneelevel auf Bergen anbelangt. Endlich wieder Bergsteigen mit Steigeisen, Eisaxt und arschkalten Händen :)

Da wir ja den Luxus Zeit mit uns herumtragen, chillen wir einige Tage am Refugio und beobachten das Wetter, unterhalten uns mit anderen Kletterern und warten auf das perfekte Zeitfenster:). Dann heisst es GO….Sachen packen, wie immer das gleiche Prozedere….die Nacht zuvor Essen und Tee kochen, sich mental auf die Kälte vorbereiten (als ob man dann weniger frieren würde) und das ganze Equipment nochmals checken.

Und schon ging es los! 

Nach immer steiler werdendem Anstiegs am Berg, die Finger kaum noch spürend, sehen wir Seilschaften vor uns umdrehen. Kleine helle Lampen kommen auf einmal auf uns zubegwegt. Eine Situation, die man sonst kaum sieht, da sich doch normalerweise die kleinen weissen Lichter vor einem weiter wegbewegen. 

Das Wetter wurde mit einmal zunehmend schlechter. Es begann zu regnen, der Schnee wurde immer softer und matschiger, sodass wir ständig im Schnee einsinkten und wie Kriechschnecken voran kamen. Und aus Regen wurde Hagel. Doch in unseren Köpfen dachten wir wohl beide so..naja, komm schon, 2 Stunden geht noch. Das kriegen wir hin……aber nein. 5 Stunden hiess es dann plötzlich von einem der Guides, der uns entgegenkam und umkehrte mit seiner Gruppe! 5 Stunden????? Bitte was???? Aber ich lauf doch schon seit über 4 Stunden aufwärts!!! WOOOOO soll denn der Gipfel bitte schön noch versteckt sein?!

Da nun wirklich alle Kletterer am Berg umkehrten, wir natürlich solo unterwegs waren, gab es viele Fragezeichen im Kopf. Für einen kurzen Moment hielten wir inne und standen völlig still da. Inmitten des Schneeregens. Nachts. In der Kälte. Doch ein paar Sätze hier und da zur Situationen liess uns schnell zu den Entschluss kommen den anderen ebenfalls zurück ins Refugio zu folgen.

Der wohl schwerste Moment am Berg….sich zu entscheiden dem Gipfel den Rücken zu kehren. Waise Entscheidung und definitiv die Richtige, stellte sich am Ende heraus! Aber dennoch super schwer gefallen. Vor allem Kiwi, der mit trauriger Miene einen Fuss vor den Nächsten setzte. Schön mit herunter hängenden Mundwinkeln…mhmh :(

Und so trotteten wir im Schneeregen zurück und mussten bei 5.500 Metern adios zum Gipfel sagen. Schweren Herzens.

Schade schade…denn die Nacht zuvor war top Wetter…wir aber noch nicht ready :( Aber so ist es eben mit Mutter Natur und den Bergen. Manchmal gewinnt man, manchmal gewinnen halt die anderen.

 

ecuador 6Das Refugio (weit links) hat eine unglaublich geile Location direkt am Fuss des Gletschers.ecuador 7Beginn des Gletschers rechts, kleine Lagune links.ecuador 8Kurze Akklimatisierungswanderung hinauf auf fast (ganz knapp) 5.000 Meter.ecuador 9Am Fusse des Gletschers.

 

Otavalo

Da wir uns wussten es werden noch viele schöne Berge folgen, packten wir nach schönen, relaxten und spannenden Tagen am Refugio unsere sieben Sachen und zogen weiter hinein ins Land.

Gleich nebenan vom Cayambe liegt das kleine Örtchen Otavalo. DER Ort für Artesania Dinge. MEIN Ort! 

ALLES was das Schmuck und Textilien Herz begehrt. Von traditionellen Alpaca-Textilien wie Pullies und Decken, über zu Ponchos, Tischläufern, Taschen – einfach alles. In den buntesten traditionellen Farben und nur von Indigenen von Hand verarbeitet und verkauft. Mein Herz schlug Purzelbäume. Kiwis absolut NICHT:))) Eher Horrorvorstellungen einen Mercado-Tag einlegen zu müssen für den Herren. Und so zog ich von Stand zu Stand um auch wirklich am Ende des Tages mit jeder einzelnen Dame einmal gesprochen zu haben :) 

 

ecuador 1Soooooo fluffy.ecuador 2Stundenlanges Debattieren ob blau oder rot, lang oder kurz, grosse oder kleine Kapuze, aber am Ende steht ihr eh alles ;)

 

Direkt neben Otavalo liegt die wunderschöne “Laguna Cuicocha”. Hier ein kurzer Abstecher mit obligatorischer Übernachtung. Wir fahren ziemlich hoch hinauf um auch ja den besten Blick auf die Lagune zu haben. Bei der Runterfahrt stellt sich heraus, dass das böse Gesicht des Park-Rangers nicht wirklich damit einverstanden war. Aber jetzt kann er auch nichts mehr machen und wir ziehen davon ;)

 

ecuador 3ecuador 4ecuador 5laguna mojanda 1Laguna Mojanda, südlich von Otavalo, kaum besucht und auch wunderschön.

 

Äquator

Weiter geht es gen Süden. Wie ja quasi seit Beginn unserer Reise. Von Kalifornien immer südlich, bis es nicht mehr weiter geht. Da wir auf der Nordhalbkugel gestartet sind ist es beim konsequenten gen Süden fahren irgendwann unvermeidlich auf die Südhalbkugel zu stossen. Was passiert aber zuvor, der Äquator! And here we go. Die Äquatoriallinie am nullten Breitengrad. 0° und wir mitten drauf. Mit einem Fuss auf der Nord- und einem auf der Südhalbkugel. Am Ende ist es alles nur Geografie, Linien und Grade. Dennoch ein besonderer Moment den wir ausführlichst befeiert haben.

 

ecuador 10Raum-Zeit-Kontinuum auf 0°. Alles an einem Punkt und überall. Zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Und irgendwie nicht. 
Im Hintergrund schiesst die Linie ganz knapp am Cayambe Gipfel vorbei und macht diesen somit zum höchsten Punkt auf dem Äquator.ecuador 11“Reloj Solar Quitsato” in Mitad del Mundo – dem Mittelpunkt der Welt. Natürlich gibt es auch hier verschiedene Orte, die den Titel für sich beanspruchen. Macht ja auch Sinn, schliesslich zieht sich der Äquator einmal um die Welt ;) Der exakte Mittelpunkt mit 0°, 0° liegt jedoch weit entfernt im atlantischen Ozean, dem Golf von Guinea.ecuador 12

 

Quito

Es folgte Quito. Eigentlich versuchen wir die Haupstädte mancher Länder getrost zu meiden (wie meist in Zentralamerika) weil diese meist super hässlich und nur voll Verkehr sind. Doch Quito sollte eine ganz süsse Altstadt haben. Und das hat es auch tatsächlich. Und wenn die Stadt noch was zu bieten hat, dann Unmengen an Kirchen, die sich durch das Alltstadtviertel zieren. Superschön.

Kulturinteressiert wie wir sind, haben wir sogar eine Stadtführung oder eher eine urbane Wanderung von 5 Stunden innerhalb der Altstadt mitgenommen…war kostenfrei (natürlich ;) und mega interessant. 

Leider hat sich Quito in den letzten Jahrzehnten entsprechend der urbanen Entwicklung auch krass ausgedehnt und modernisiert und so gibt es das neue moderne Viertel in Quito, was unter den Lokalen in “Gringo-Town” umgenannt wurde. Man ahnt Schlimmes. Und ja, genauso ist es auch. Nichts aber auch wirklich nichts was an Ecuador erinnern könnte. Keine traditionelle Küche, nur internationale Restaurants, fancy teure Bars, Karaoke-Schuppen und überall nur Weissgesichter…klar, wenn sich die Locals dort kaum etwas leisten können. Nicht zu vergessen, die Ansammlung an Fastfood Ketten, die sowas von unpassend in diese Stadt ohne Plan gehauen wurden und man anstelle des Mittagstisch bei der Abuela (Oma am Strassenrand) eben lecker fritiertes Huhn der Chickenmafia aka KFC kaufen kann. Krasser krasser Kontrast zur Altstadt.

Apropos traditionelle Küche in Ecuador. Hier gibt es DIE Spezialität! Gegrilltes, aufgespiesstes Meerschweinchen….mhmhmh. Lecker! Bäaaah. Nicht mal in die Nähe konnte ich gehen, da mir bei jedem Blick unser kleiner “Gysmo” aus Kindertagen vor die Augen kam.….er Ruhe weiterhin in Frieden und nicht am Grillspiess!

 

morrie ausbau 6quito 12Tolle Aussichten über Quito vom “Secret Garden” Hostel. Tolle Dusche noch dazu ;) quito 13 quito 10 Basílica del Voto Nacional.quito 11 quito 9Die Basilika ist von fast überall zu sehen, so lange man etwas erhöht ist. ;)quito 6Wahrscheinlich freut sich Caro so sehr auf den anstehenden Schokoladen-Fabrik-Besuch.quito 7La Virgen de Quito.quito 5Hat mich irgendwie an “Kevin allein in New York” erinnert.quito 1 quito 3 quito 2

 

Vulkan Pichincha (4,784 m / 15,696 ft)

Von Quito aus war es nur ein Katzensprung zu dessen Hausberg, auch wenn die Wegfindung durch Slum-artige Gegenden manchmal nicht gerade leicht war. Vom Parkplatz an der Gondel geht es einem gut ansteigenden Wiesenpfad hinauf Richtung Berg. Nach ca. 2 Stunden steht man am Fusse des Geröllfeldes, welches man sich nun nach oben kämpfen darf.

Letztendlich dauert es keine 3 Stunden und wir stehen auf dem 14. höchsten Berg von Ecuador. Ausgekommen sind wir komplett ohne technisches Zubehör, da es hier einfach immer noch keinen Gletscher gibt. Echt witzig. So laufe ich mit kurzen Hosen auf Mont Blanc Höhe dem Gipfel entgegen.

Viel Sicht haben wir allerdings nicht, der hereinziehende Nebel lässt es uns auch schnell recht kalt werden, so dass wir nach nur kurzer Gipfelzeit wieder Richtung Quito umkehren. Nahe der Gondel haben wir durch kurze Nebelfenster wieder Bombensichten auf die Hauptstadt. Alles in Allem ein sehr einfacher 4.800er und perfekt um an seiner Akklimatisierung zu arbeiten.

 

pichinca aufstieg 1ecuador 13 ecuador 14

 

Morrie

Nachdem wir Quito hinter uns liessen ging es straight durch die Anden! In Ecudaor gibt es genau 3 Möglichkeiten sich durch das Land zu bewegen. Direkt an der Küste (welche wir nicht einmal ansatweise angefahren sind), dann durch die Anden ( jajajaja!!!!!) oder eben mehr oder weniger dem Amazonas-Gebiet entlang.

Zu unseren Amazonia-Erlebnissen (hier und hier) haben wir uns ja schon absolut ausführlich ausgelassen.

Und um diese gebürtig sacken lassen zu können, wollten wir uns im Anschluss von Amazonia irgendwo in der Pampa niederlassen. Das was wir am besten können. Chillen. Reflektieren. Sacken lassen. Sein. Doch es sollte anders kommen.

Kaum zurück aus Amazonia und endlich wieder bei Morrie, machen wir die Rücktür auf und bekommen den Schlag unseres Lebens (ok, vielleicht nicht ganz soooo dramatisch, aber dennoch krass genug). Das GAAAAANZE Auto war voller Schimmel und stand unter Wasser. 

Wie??? Unser hinteres Klappfenster ist anscheinend während der drei Wochen durch die Hitze aufgesprungen und hat die Strömen an Monsun-Regen (man nennt die Gegend nicht umsonst “REGENwald”) in sich aufgenommen. Im Bett. Unterm Bett. Überall!!!

Alles Essen, alle Gewürze, alle Klamotten, die offen herumlagen, Bettlaken und Co…alles wurde aufgefressen vom leckeren Schimmelpilz….mhmhmh yummie…..Und dazu stand unser gesamter Kofferraum unter Wasser…Mit einer geplatzen Sardinenbüchse und dem Pool an Wasser war es eine gelungene Kombo an Gerüchen, wie man sich vorstellen kann…mhmhm war das ein Genuss! Und ein Geruch :)))) 

Und somit wurden aus den gechillten Tagen eine Woche des Schrubbens, Putzens, Desinfizierens und neu Ausbauens von Morrie. Wenigstens mal wieder Zeit für Entrümpeln und Minimalisieren! Und somit hatten wir sogar die einmalige Möglichkeit die Bettkonstruktion auf kältere Tage umzufunktionieren, so dass wir nun auch im Auto kochen können:) Es kommt eben doch am Ende alles zusammen. Im Guten!

 

morrie ausbau 2Schimmel Schimmel Schimmel.morrie ausbau 130 Liter Regenwasser gemixt mit Sardinenöl und Tomatensosse haben wir rausgeschöpft.morrie ausbau 3Danach musste ALLES raus…morrie ausbau 4…ehe mit Hilfe von unserem Tischler-Kumpel alles wieder neu rein kam.
morrie ausbau 5Schimmel-Schmutz-Schutz.
morrie ausbau 8Caro mit dem letzten Anstrich.morrie ausbau 7Starkes Team. 2 Tage und Morrie neuer als neu.morrie ausbau 9Letzte Trockenaktion.

 

Das ganze Thema Morrie-Umbau fand übrigens in Baños statt, DER Adventure-Stadt von Ecuador. Mitgenommen von den ganzen “Highlights” alla Zipline haben wir kein einziges. Halt, falsch, einen Höhepunkt konnten wir einfach nicht auslassen.

 

baños 1 baños 2

 

Pailon del Diablo, ein unglaublich kräftiger und schäumender Wasserfall ganz in der Nähe von Baños. Über gewagte Treppenkonstruktionen kann man sich komplett annähern und beduscht werden. Regenbögen jederzeit und überall.

 

ecuador 15ecuador 16

 

Nachdem wir uns Morrie also wieder “bewohnbar und keimfrei” eingerichtet hatten, hiess es nun eeeendlich wieder “der Berg ruft”. Die Anden rufen! Endlich wieder Berge! Nach sooo langer Zeit sind wir endlich im Mecca von Bergen angekommen. In den Anden. Ein Traum von Mutter Natur! Wir besteigen den Illiniza Norte (5.126 m), umkreisen in voller Länge die schöne Lagune Quilotoa und mussten nebenbei noch einen Doppel-Partner-Parasiten bekämpfen, den wir so ganz nebenbei aus dem Amazonas mitbrachten. Was für eine starke Kombination und wir zwei Häufchen Elend mittendrin. 

Interessant aber, wie lange man braucht, sich selbst zu hinterfragen, dass man kaum noch Hunger hat und sich abwechselt mit brechen und kack….:) Wie lange es dauert, bis man sich endlich entschliesst doch mal einen Arzt aufzusuchen.

Und dabei fanden wir sogar heraus, dass das Gesundheitssystem in Ecuador komplett kostenfrei ist. Für Locals aber auch für Ausländer! Unglaublich. Die hohen Steuern der Bevölkerung ermöglichen ein kostenloses Gesundheitssystem und haben sogar uns den Arztbesuch bezahlt, wie auch die gesamte Medizin und beide Antibiotika! Ein Dank an die hohen Steuern – die verarmte Bevölkerung tut mir echt Leid. Für sie selbst sollte es nach den hohen Steuern natürlich kostenfrei sein. Für uns Ausländer mit Krankenversicherung eher nicht. Beschwert haben wir uns aber auch logischerweise nicht.

Kein Wunder, so erfahren wir später von den Locals, dass sich so viele Kanadier und Amerikaner in Quito und Cuenca niederlassen!

 

Illiniza Norte (5.126 m / 16818 ft)

Fast schon nebenbei und auch wieder ohne technische Ausrüstung klettert man hier über 5.000 Meter. Die beiden Gipfel Norte und Sur unterscheiden sich durch knapp 150 Meter, allerdings ist der Sur begletschert und somit technisch. Wir haben es einfach angehen lassen, den kleineren Bruder bevorzugt und uns astrein akklimatisiert für Kommendes. Die Aussichten waren prächtig und nach knapp 8 Stunden waren wir wieder am Auto.

 

ecuador 17Trail Head.ecuador 18Cotopaxi lunzt durch die Regenwolken. Warte nur mein Freund, bald…ecuador 19Rechts der Norte, links der Sur, in der Mitte gleich das Refugio.ecuador 20Blick auf die Gletscher des Illiniza Sur.ecuador 21 ecuador 22 ecuador 23

ecuador 24Daaaaaa war es endlich.Unser erstes Llama. Oder Vicuña? Oder Alpaca?
Damn, ist aber auch kompliziert mit den Flauschi-Schwestern.ecuador 25

 

Quilotoa

Der westlichste Vulkan Ecuadors, mit 3,914 m auch nicht ganz ohne. Gefüllt ist der Vulkan mit dem wohl unglaublichsten Kratersee, den ich je gesehen habe. Wir erreichen den Kraterrand und sind absolut baff. Solch ein Grünblau. Oder Blaugrün? Türkies? Aus der überflügelten Laune heraus beschliessen wir spontan ohne weitere Vorbereitung den knapp 4 Stunden dauernden Trail einmal drum herum zu folgen.

Nach ca. der Hälfte der Strecken merken wir unsere Kühnheit. Die Körper haben noch immer mit der Höhe zu kämpfen, den aufkommenden Hunger können wir durch die nicht mitgebrachten Powerriegel nicht stillen und den Durst ohne Wasser auch nicht. Zum Glück kommen uns ein paar Amis entgegen, die wie immer bestens überpräpariert sind uns uns mit beidem aushelfen können. Nur Zuendelaufen müssen wir diesen unreal schönen Rundwanderweg noch selber ;) 

 

ecuador 26Señiora mit typisch farblichem Decken-Zwiebelprinzip. Ausser die Beinchen, die sind fast immer nahezu frei.ecuador 27Erster Kontakt mit der Lagune und uns haut es von den Socken.ecuador 28Immer schön dem Krater entlang entgegen des Uhrzeigers.ecuador 29 ecuador 30Kurze Pause nach dem höchsten Punkt der Runde, dem Vulkan Quilotoa.ecuador 31Auch die andere Richtung hielt unglaubliche Aussichten für uns bereit, trotz herannahendem Unwetter (was es niemals zu uns schaffte).ecuador 32Ein letzter Blick auf die wunderschöne Lagune.ecuador 33“Ein Bett im Kornfeld” würde ich mir hier wünschen.ecuador 34Schaftreiberin.ecuador 35Marktgeschehen, am Kopf sollte der Gutste jedenfalls nicht frieren.ecuador 36Caro in harten, aber immer fairen Verhandlungen mit dem verrückten Hutmacher auf der Suche nach Ersatz für ihren am Pailon del Diablo vom Winde verwehten Hut (puh, das war aber nun auch eine Beschreibung).

 

Stefan machte im Anschluss die Kür aller Berge, den “Chimborazo”. Mit einer Höhe von 6.263 m, Arschkälte und unfassbar langem und windigem Gletscheranstieg von vielen Kletteren schon als eine ganze Nummer härter beschrieben. Also genau meins;)

Wahrscheinlich gefiel mir deswegen die Idee so gut, mich währenddessen auf einer Permaculture-Farm im Amazonas für zwei Wochen aufhalten zu wollen. Und so befand ich mich wieder in den Tropen, wohnte in meinem eigenen kleinen Tippi und lies meine Seele baumeln. Mehr kann und will ich zu diesen Tagen/Wochen nicht sagen, einfach nur, dass es ein ganz magischer Platz war, sich selbst mal wieder zu finden und zu hören. 

 

tena 3Frisch geernteter Kakao.
tena 5 tena 2Nach Ernte des Kakaos werden die Samen für Wochen in der Sonne getrocknet um anschliessend den Kakao in sämtlichsten Arten verwenden zu können. Am besten natürlich in rohen Kakao-Bällchen mit Kokusflocken, Mandeln und Goji-Beeren:)tena 6Eines unserer Kreationen, Chancha Suppe mit Chancha-Patties. Superlecker und nur im Regenwald wachsend.  tena 7Eines unserer Schlaftippis.tena 8Statt sich auf der Farm nur um Veggies zu kümmern, darf die künsterlische Seite nicht fehlen. tena 11Farmfamilie. 

 

Cotopaxi (5,897 m / 19,347 ft)

Geschlossen. Zum Kotzen. Wegen Aktivität seit ein paar Jahren ist der Gipfel nicht besteigbar. Erst seit ein paar Monaten ist das Refugio wieder eröffnet, also muss leider leider dieses ausreichen.

Der Cotopaxi ist echt ein Sack. Seit Wochen fahren wir in unmittelbarer Nachbarschaft an ihm vorbei. Gen Norden, gen Süden, gen Norden…Nicht ein mal haben wir ihn bisher komplett gesehen (Caro bis heute noch nicht ;( Nebel und Regenwolken halten ihn immer schön versteckt. Nur das ganz kleine Wolkenfenster vom Illiniza aus gab bisher einen kleinen Vorgeschmack. Einen Vorgeschmack auf einen der schönsten Stratovulkanen der Welt. Ein richtiges Model.

Und sein Versteckspiel sollte der Cotopaxi auch fortführen, als ich mich aggressiv nähere und in den Cotopaxi Nationalpark eindringe. Die ersten 2 Tage sehe ich nichts. NICHTS. Kein Berg. Ich fahre umher, erkundschafte den Park und sehe genau Nichts. Dann, urplötzlich wieder ein Wolkenfenster und ich sehe Berg und blauen Himmel. Und es macht Klick. Ich starte Morrie und fahre einfach immer weiter hinauf Richtung Refugio. Und plötzlich reisst es auf und die Wolken sind verschwunden. Zu meiner Linken. Rechts liegt noch immer das ganze Tal in Trauergrau. Links erblick mich plötzlich dieses Model an Berg. Wie mit dem Messer geschnitten teilt die Wolkenwand den Nationalpark in “ich sehe den wunderschönen Berg” und “ich seh´ nen Scheiss”.

 

ecuador 46Rechts die Wolkenwand, links blauer Himmel.ecuador 47Und wieder zieht es zu.ecuador 48

 

Mit Morrie parke ich auf knapp 4.600 Metern und lege die restlichen 200 Höhenmeter zum Refugio durch bitter bösen Rutschsand zurück. Knapp 40 Minuten dauert es für dieses kurze Stückchen. Aber auch hier wieder, fast Mont Blanc Höhe und man kann ohne jegliches technisches Zubehör auskommen. In kurzer Hose. Nach einem leckeren Kräutertee kehre ich in weniger als 10 Minuten wieder zum Parkplatz und Morrie zurück.

Da ich allerdings zu faul müde zum Zurückfahren war blieb ich einfach an Ort und Stelle und schlief ein. Bis der Parkplatz plötzlich leergefegt war und nur noch ein Auto ausser mir vor Ort war. Und genau dieses hält mit Scheinwerfern genau auf mich zu. Parkranger. 6 an der Zahl. Alle kommen ans Fenster, klopfen und wollen wissen was ich denn noch hier oben mache. Ab 17 Uhr ist es verboten wegen “bla bla bla” und sie hätten mich auf der Überwachungskamera gesehen. Ich könnte nicht hier oben bleiben und wurde anschliessend von ihnen zum niedergelegenen Campingplatz eskortiert. Beide Parteien fanden es glaube ich genauso Käse, aber Regeln sind nun einmal Regeln. Gute Nacht.

ecuador 52Cotopaxi bei Nacht. So richtig sicher bin ich mir immer noch nicht welcher Berg dort unten rechts durchs orangene Fenster lunzt.ecuador 51ecuador 53“Laguna de Limpiopungo”, ein besonders ruhiger Platz zum Vögelbeobachten. Die waren mir ja bumms, ich war hier wegen der unglaublichen Aussicht auf den Cotopaxi. Aber als Nachts um 3 mein Autoalarm anfing zu Röhren und Schellen und nicht mehr aushören wollte, taten sie mir doch merklich Leid. Der Alarm ging übrigens erst durch das Abtrennen der Batterie zu deaktivieren. Und das mitten in der Nacht. Mit absolutem Herzrasen und eiskalten Fingern.ecuador 54 ecuador 55 ecuador 56“La Nariz del Diablo”, oder auch die Nase des Teufels. Ein 300 Meter unglaublich steiler Berg. Zu steil, als dass der Zug einfach herauffahren könnte. So griffen die Ingenieure von 1901 ganz tief in die Trickkiste und kreierten ein vorwärts-rückwärts Fahrsystem, welches es dem Zug ermöglichte diese Steilheit und Höhenmeter zu überkommen. Das letzte Hinderniss der “Trans Andean Railroad”. Leider starben bei diesen Arbeiten auch 2000 Arbeiter.ecuador 57Ganz entspanntes Nachtlager mit wunderbarer Aussicht.

 


 

Carolin

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Der Träumer und Bastler der Truppe.
Sie macht sich die Welt, widdewidde wie sie ihr gefällt.
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