Ein Osterspaziergang – Teil 2

Alles nass. Und kalt. Und unangenehm. So richtig erholsam war die Nacht nicht gerade. Viel zu frueh wird man wieder wach. Und das Gefuehl uebermuedet in seine kalten klammen Klamotten steigen zu muessen erhoeht auch nicht gerade die Motivation.

Aaaaber, dafuer liegt ein unglaublich spannender und schoener Tag vor uns. Es geht los.

Zuerst heisst es aber noch einmal bereits bekanntes Terrain zu besteigen, da wir gestern auf dem Weg zum Half Dome ja bereits die ersten 5 Kilometer gesehen haben. Nach der Kreuzung (dieses mal rechts herum und nicht zum Dome hinauf) geht es stetig hinauf und nachdem wir die Baeume hinter uns gelassen hatten konnten wir auch endlich wieder die fantastische Fernsicht geniessen. Bevor die “Kletterei” zum Clouds Rest beginnt nutzen wir noch fix die sonnige Gunst der Stunde und trocknen unsere Zelte.

 

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Besonders zu Caros Schrecken koennen wir die Gipfelsicht leider nicht ausfuehrlich genug geniessen, da wir bereits dicke graue Wolken im Anmarsch sehen und auch noch einen gewaltigen Marsch vor uns hatten. Nach kurzem Photoshoot ging es auch schon wieder weiter – hinein in den Schnee. Die sonnenabgewandte Seite hatte doch noch einige weisse Ueberraschungen fuer uns parat. Die naechsten Stunden verbrachten wir mit ordentlichem Training unserer Navigationsfaehigkeiten (wie orientiert man sich an Wegweisern, die unter Schnee begraben sind), kuehnen Spruengen ueber eisige Wasserlaeufe, tausenden (nervigen) Einbruechen durch die Schneedecke und einem zerbrochenen Wanderstock (dass der auch nicht einmal mein komplettes Koerpergewicht aushalten kann). Als sich die Sonne schon fast hinter dem Horizont verabschiedet finden wir noch rechtzeitig ein unglaublich schoenes Laeger fuer unsere Zelte. Noch ganz fix das Feuer entzuendet (ohne Sonne wurde es in Sekundenschnelle eiskalt) und die kalten Fuesse und nassen Schuhe am Feuer wieder aufgewaermt (bzw. verbrannt).

 
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Mit den ersten Sonnenstrahlen und Hahnengeschrei (oder auch Osterhasengeschrei) geht es auch schon wieder weiter, nicht aber bevor die naehere Umgebung noch fix sorgfaeltigst nach Hinterlassenschaften des lieben Hasen abgesucht wurde. Und ja, wir waren scheinbar sehr artig gewesen ;)

 

Am wunderschoenen Tenaya Lake (noch viel wunderschoener im Winter wenn er halb zugefroren und vor allem frei von Touristen ist) gab es dann das Hindernis des Tages in Form eines ausserordentlich breiten und dazu noch eiskaltem Flusses zu ueberqueren. Die digital “eingezeichnete” Bruecke (“ja ja, die existiert auf alle Faelle, muss ja!”) gab es im wirklichen Leben natuerlich nicht, so dass wir uns schon fast auf eine nackte Ueberquerung mit anschliessender Herumtollerei eingestellt hatten, um schnellstens wieder warm zu werden. Zum Glueck fanden wir nach einigem Suchen noch zwei wunderbar fuer unsere Zwecke ueber den Fluss gefallene Baeume, die uns eine sichere Ueberquerung gewaehrleisteten. Fast schon zu einfach (langweilig).

 

Da dies kein besonders langer Tag werden sollten konnten wir bereits am fruehen Nachmittag die warmen Sonnenstrahlen mit perfekter Sicht auf den Half Dome geniessen (gestern eiskalt, heute Sonnenbrand). Der Zeltplatz war wie aus einer anderen Welt. Das obligatorische Lagerfeuer liess natuerlich auch nicht lange auf sich warten.

 
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Auch am letzten Tag haben wir dann keine Baeume mehr ausgerissen (obwohl wir es im wahrsten Sinne des Wortes tatsaechlich noch versucht hatten, was leider erbaermlich und peinlich fuer uns Jungs scheiterte). So ging es nach dem Aufstehen nur noch steil bergab um dann an den “Mirror Lakes” wieder in die Zivilisation einzutreten. Ab dort ist uns erst einmal aufgefallen, dass wir seit 4 Tagen keine Dusche hatten, im Gesicht und an den Haenden mit Kohle einschmiert waren (Thema abgebrannter Skelettbaum), unsere Klamotten den typischen “Backpackergeruch” abgaben und – dass uns das alles gleichzeitig auch voellig scheissegal war. All die ganzen frischgeduschten und deodorantisierten “Carcamper” hatten nicht einmal den leisesten Schimmer, welch unglaublich schoene (aber auch anstrengenden) vier Tage wir soeben beendet hatten.

 

Danke Team!

 

PS: um den Kreis rund um den Osterspaziergang und die Stroeme und Baeche zu schliessen, welche eigentlich vom Eise befreit sein sollten, hier die kompletten Zeilen:

 

 Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt’s im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen, finsteren Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häusern dumpfern Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes-Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straße quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle an’s Licht gebracht.Sie nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit’ und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein;Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

 
 

 
 
Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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