Eisklettern Cascade Falls

Lange genug habe ich mich um das Thema Eisklettern gedrueckt. Richtige Gruende gab es dafuer nicht einmal. Klar, von Zeit zu Zeit sieht man “witzige” Videos online die einen Eiskletterer an einem Eiszapfen haengend irgendwo im nirgendwo zeigen welcher sich dann ploetzlich und voellig “ueberraschend” komplett loest und gemeinsam mit dem Kletterer zu Boden stuerzt. Aber dies soll natuerlich keine Ausrede sein. Ist ja auch eher die Ausnahme, da das Eisklettern gerade im Toprope mindestens genau so sicher ist wie das Topropen am Felsen. Ausreden gab es also keine.

Vielleicht lag es aber auch einfach an den fehlenden Moeglichkeiten (Wasserfaelle, aufgestapeltes Eis -> Thueringen ist nicht gerade fuer seine vielen vielen Eiswasserfaelle bekannt, obwohl, die Drachenschlucht vielleicht…) oder der Tatsach, dass man im Winter eigentlich genug mit Skifahren und Snowboarden beschaeftigt ist. Normalerweise…rrrrhhh…normalerweise liegt ja auch Schnee. Dieses Jahr jedoch setzt dem ganzen hier die Krone auf. Waehrend Boston und Co. im Schnee untergehen, mein Arbeitskollege sein Auto nach der Arbeit nicht mehr finden konnte und sogar ein Yeti durch die Stadt tanzend gesichtet wurde gibt es hier an der Westkueste einfach nur Sonne. Nicht, dass ich mich ueber Sonne beschwere – nein, natuerlich nicht, wer waer ich denn – allerdings duerfte es auch gerne, speziell in den Bergen, ein wenig mehr regnen oder schneien besser gesagt.

Viele der Skigebiete hatten ueberhaupt nicht geoeffnet oder sind bereits wieder geschlossen. Es sieht echt traurig aus auf den Pisten. Wirtschaftlich ein Totalschaden fuer die Betreiber (obwohl ich mit denen aktuell noch kein Mitleid habe nachdem sie seit den 70er Jahren gefuehlt keinen Cent der horrenden Ticketeinahmen zurueck investiert haben!). Nur die groessten Gebiete sind noch geoeffnet, meist mit nicht einmal der Haelfte der Lifte am Laufen.

 

boston yeti

 

Naja, ich schweife ab. Der Schnee fehlt also und an Ski- und Snowboardfahren ist absolut nicht zu denken. Also muessen Alternativen her – und schwupps die wupps sind wir beim Thema Eislettern. Und wer haette gedacht, dass bei fehlendem Schnee und somit auch fehlenden eisigen Temperaturen ueberhaupt noch irgendwo ein Stueckchen Eis gefunden werden kann. Aber siehe da, ein wenig Glueck mit der Nord-Ausrichtung und schon hat man eine funktionierende Eiswand, die fuer uns Anfaenger mehr als ausreichend ist. Nach der Anreise am Freitag spaet Abend hatte es nur noch zu einem ersten Check der Verhaeltnisse gereicht. Ein toller Sonnenuntergang war sogar noch die Belohnung.

Nach der Rueckkehr zum Auto und einem kurzen Snack als Abendbrot hiess es 19 Uhr auch schon wieder Zeit um ins Bett zu gehen, nachdem die fiesse Kaelte Einzug gehalten hat und es auf dem Parkplatz auch einfach nicht all zu viel zu erleben gab.

 

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ice climbing cascade eagle falls 07Emeral Bay – immer wieder wunderschoen. Und wie unterschiedlich die Wahrnehmungen doch sind. Mein letzter Besuch hier war unmittelbar nach unserer USA Ankunft im Dezember 2012 als hier damals allerdings die komplette Strasse gesperrt – weil zugeschneit – war. Null durchkommen. Heute fehlt vom Schnee fast jede Spur ;/
ice climbing cascade eagle falls 08Der erste Blick auf die oberen Faelle.

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Hoch motiviert ging es dann Samstag Morgens zurueck zu den Faellen (“Cascade Falls”). Nach dem Einhaengen des Seils und einer kurzen Einfuehrung in die Kunst des Eiskletterns (fuer mich war es das erste mal, Alex hatte vorher schon ganze 1x am Eis geklettert, wir beide hatten als Vorbereitung genau ein Youtubevideo studiert) ging es kurze Zeit spaeter bereits ans Eis und fuer die naechsten Stunden ging es fast unermuedlich nur noch hoch und runter. Stupide koennte man meinen, aber weit gefehlt. Eisklettern stellt sich fuer mich als absolute Alternative zum Felsklettern heraus. Erstaunlicherweise habe ich mich von Anfang an sehr sicher gefuehlt und auch das Erlernen der richtigen Technik ging schneller als gedacht (naja, eigentlich nicht, mit irgendwelchen Schwierigkeiten hatte ich nicht wirklich gerechnet ;)

Anfangs noch etwas zurueckhaltend was das Setzen der Eistools (speziell gekruemmte Eisaexte) und Crampons (hier haben wir ja durch das Winterbergsteigen bereits genuegend Erfahrung) angeht, so wurden wir sehr schnell immer sicherer und der Automatismus setzt ein und man kann sich noch mehr auf die unglaubliche Schoenheit dieses halb zugefrorenen Wasserfalls konzentrieren.

Auch den Umgang mit Eisschrauben haben wir geuebt, da das Eis aber doch zu duenn war haben wir auf Vorstiegsklettern komplett verzichtet. Beim naechsten Mal – muss ja noch Platz fuer Steigerungen geben.

 

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ice climbing cascade eagle falls 19Alex war vor 2 Wochen schon einmal kurz hier um die Eisqualitaet zu testen und hat gemeint, dass damals noch der komplette Wasserfall vereist war, kaum vorstellbar.

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Mit der untergehenden Sonne waren wir dann auch fix und foxi. Vorallem die Beine waren sehr muede. Etwas erstaunlich zuerst wenn man an die staendigen Arm-Schlagbewegungen mit den Aexten denkt, am Ende aber voellig logisch da man die komplette Besteigung quasi auf den Zehenspitzen steht.

Noch kurz das Abendbrot genossen (Panda Express Reste vom Vortag, dank Glutamat sehr lecker und vor allem praktisch, da kein Kochen mehr noetig war) und schon lagen wir 19 Uhr wieder in unseren Autos da in der klirrenden Kaelte nicht einmal das Bier geschmeckt hat (und das muss schon was heissen…).

Neuer Morgen neues Glueck. Alex ist wie immer schon eine Stunde wach und zelebriert bereits seine Oatmeal, Kaffee und Tee Zeremonie als sich bei mir gerade zum ersten mal auch nur der kleine Finger bewegt. Keine 5 Minuten und einen Schokoriegel spaeter bin aber auch ich Abmarsch bereit.

Nach den Cascade Falls gestern geht es heute zu den Eagle Falls. Ein knapp halbstuendiger Marsch bringt uns zum Eagle Lake, wo sich die Falls irgendwo verstecken sollten. Da das mit dem Vorstieg auch heute noch nicht auf dem Programm steht muessen wir recht umstaendlich und schweisstreibend dem Berg hinauf kriechen ehe wir dann von oben wieder das Seil einhaengen konnten.

 

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ice climbing cascade eagle falls 22Links und rechts im Bild sind die beiden Eisfaelle zu erkennen.

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Ein absolutes Traumklettern hier. Steiler und etwas anspruchsvoller kommt man hier schnell in den hochpulsierenden Bereich. Tolles Training. Und wenn es nicht mehr geht lehnt man sich einfach zurueck und geniesst die Aussicht auf den zugefrorenen See voellig entspannt am Seil haengend ;)

Der Hunger auf mehr ist da. Die Temperaturverhaeltnisse hierfuer leider nicht. Wir werden sehen…

 

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Stefan

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Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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