Erste Kulturschocks…

Erste kleinere kulturelle Anbandelungen gibt es quasi sofort. Laesst sich auch gar nicht vermeiden. Logisch. Ist nun einmal eine andere Kultur. Ganz klar. Vieles ist logischerweise aehnlich. Oder gar gleich. Westliche…moderne Kultur eben. Aaaaber, viele Vorurteile die man schon immer gegenueber dem Land der unbeschraenkten (unbegrenzten heisst es eigentlich, oder?) Moeglichkeiten hatte (bewusst oder auch nicht) erweisen sich schnell als wahr. Sie werden bestaetigt. Und mehr noch – uebertroffen.
 
1) “Oberflaechliche Grussformeln”
 
Definitiv. Am Anfang koennte man noch denken, toll, alle Welt will tatsaechlich wissen wies mir geht, ob alles in Ordnung ist, ob ich einen tollen Tag habe. Eigentlich nicht schlecht. Sehr schoen sogar. Wenns denn ernst gemeint waere…
 
Auf der Bank:
USA: “Hey, how’s it going?”
Me: “I’m ok. Thank’s. What about yourself?”
USA: “Good…good. How are you today?”
 
Waaaas? Will der mich jetzt verarschen. Ich mein, wir koennen das Spiel auch ewig so weiter spielen. Aber  waehrend ich mir noch halbwegs Muehe gebe wahrheitsgetreu zu antworten wurschtelt er irgendwo in seinen Unterlagen und schaut nicht einmal auf beim Fragen. Kann ich es mir auch sparen, oder? Oder auch nicht…vielleicht wollen sie es ja wirklich wissen. Man stelle sich vor…
 
USA: “How are you today?”
Me: “Good. Thanks for asking. You know what – per your asking, I had quite a day. First we had to pick up the visa really early in the morning, drove to Frankfurt, had lots of luggage, started sweating, had to hurry up to get through customs in time, had such a long flight, watched Timothy Green, People like us and Madagascar…man, I just love those animated movies. Than arrived in SF, got our luggage back and guess what – two of my special click pedals were missing. Not on my bike anymore. And even I attached them with cable binders really tough they just went off. Or got stolen. Who knows? And nobody seems to be responsible for lost and stolen things. Then we were picked up, got my new car, and cellphone…bye the way…its a really nice one. I just love the maps on there…and the easiness…where was I…ya, how are you today?”
 
Man muesste es echt mal durchziehen und einfach nur deren Gesicht beobachten. Das beste, sie wollen ja mein Geld, also muessten sie doch auch zuhoeren, oder?
 
 
2) “Ohne Kreditkarte und Fuehrerschein geht nichts!”
 
Stimmt. Ein definitives Ja. Dabei ist witzig: Fuehrerschein gibts eigentlich nur mit Social Security Nummer. Diese wiederum nur mit einem eigenen Apartment. Das wiederum nur mit gueltiger Social Security Nummer – merkt ihr was? Geht noch weiter. Des Weiteren braucht man fuer die Apartmentmiete dringendst eine Kreditkarte. Einfache Bankueberweisungen kennt man hier nicht wirklich. Fuer die Kreditkarte ist eigentlich eine feste Adresse von Noeten – ein Apartment. Und eine Social Security Nummer. Witzig…wie oft dreht man sich hier eigentlich im Kreis um dann doch alles mit der deutschen Karte umstaendlich zu zahlen?
 
Naja, jetzt haben wir erst einmal einen Bankaccount – vieles ist ab sofort leichter, auch wenn es noch keine richtige Kreditkarte ist. Wenn diese dann erstmal da ist -> Goodbye Bargeld, denn auf diesem Sektor sind sie dann doch viel weiter als in Deutschland.
 
3) “US Supermaerkte haben 24/7 geoffnet und man bekommt in ihnen ALLES!”
 
Stimmt auch! Ok, nicht immer. Nicht ganz. Manche Maerkte goennen sich eine kleine Verschnaufpause Sonntagnacht zwischen 3 und 6 Uhr. Immerhin. Aber ist schon krass zu sehen: Nachts ist einfach niemand im Markt. Wieso sollte man auch. Aber man koennte ja…
 
Zum Thema alles bekommen…nun ja, ein Bild sagt mehr als tausend Worte…
 
 
Angefangen bei Slingshots, zu kleinen Pistolen, Revolvern, kleine Gewehre, grosse, welche mit  Sniper-Aufsatz, welche mit ganz miesen Geschossen – all das kann man hier im Supermarkt kaufen. Echt Super, der Markt. Auslaender muessen uebrigens Tonnen an Unterlagen mitbringen, die Hinweise fuer Einheimische waren um Laengen kuerzer.

 

4) “Bei Amis laeuft IMMER ein TV im Hintergrund!”

Falsch!!! Es laeuft mindestens ein TV. Eher mehr. Viel mehr. Ganz auf die Spitze treiben es dann die Sportsbars. Ich meine, ja, toll, sie denken an jeden einzelnen Kunden, JEDEN und an jede seiner Vorlieben im TV. 4758694930 Sender laufen gleichzeitig. Toll. Wer kann das verarbeiten? Besser noch: 4758694929 laufen stumm, bei einem ist der Ton zugeschalten. Wie sinnlos. Und irritierend. Nunja, vielleicht sind hier ja alle super-multi-tasking…who knows…
 
 
Dieser Anblick hat mich schon krass erschrocken. Nichts aber im Vergleich zu dem Moment…

 

…als ich mich wirklich mal im Kreis drehte.

 

5) “Zwischenmenschliche Kommunikation im Restaurant wird im Web 2.0 ausgetragen!”

Wer denkt, dass wir Deutschen viel mit unseren Schwippe-Dischwapp Handys spielen wuerden…ganz FALSCH. Hier drueben wird in Reinkultur zelebriert was es heisst sich nicht normal unterhalten zu muessen. Wenn selbst 8 Jaehrige mit Apfeltelefonen um die Wette eifern ist das sicher noch irgendwie “suess”. Wenn man dann im Restaurant bei 25 Gaesten 23 blau angestrahlte Gesichter erkennt…ok, grenzwertig. Wer aber in folgendem Restaurant am Flughafen in Minneapolis kurz einkehren moechte bekommt entweder das ganz grosse Entzuecken (NERD!!!) oder den absoluten Ekel und Angst vor dem Untergang des menschlichen Zusammenseins. Sind wir nicht Rudeltiere? Ein Rudel ist per Definition definitiv nicht Besitzer und sein Telefon…aber seht selbst…
 
 
Ja, richtig. JEDER Platz hat sein eigenes Ipad. Zum Bestellen. Flug und Mail checken. Spielen. Hauptsache keine Konversation.

 

Und wenn ich sage jeder Platz, dann meine ich auch jeder Platz. Natuerlich hat auch jeder seine eigene Steckdose. Man will ja nicht, dass, wenn man sein Ipad schon verlasen muss dann auch noch das eigene Iphone seinen Saft verloren hat. Geht nicht.

 

6) “Amis sind alle fett und fressen den ganzen Tag.”

Jain! Ja, sie fressen den ganzen Tag. Nein, nicht alle Amis sind fett. Gibt auch genuegend amerikanische Asiaten die genetisch wohl nicht fett werden koennen. Aber witzig – gestern beim mongolischen BBQ. Man bezahlt quasi pro eine Schuessel. Diese kann man sich dann mit Meeresfruechten, Gemuese, Fleisch und Sossen fuellen, je nachdem was man will. Man kann natuerlich auch vorher Studieren, sich eine Zeichnung machen, die gefrorenen Fleischsachen nutzen um die Schuessel physisch nach oben und zur Seite zu erweitern und somit viel mehr…sehr viel mehr Platz fuer die anderen leckeren Sachen zu schaffen. Und am Ende, wenn alles bereits propper gefuellt ist, dann kommt das Nudeltopping…bis der Turm umfaellt. Wer es am besten schafft den schiefen Trum von Pisa nachzueifern ist Tagessieger und kann sich imaginaer in die Liste der groessten Deppen eintragen…
 
 
Schneller, hoeher, weiter…duemmer.
 
 
Was vergessen? Keine Ahnung. Aktuell fliegen einem die Eindruecke nur so zu. Vielleicht fallen euch ja noch Vorurteile ein, deren Richtigkeit ich gerne pruefen kann.
 
Aber nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht. Das Land ist toll. Mega. Die ein oder anderen Ecken sind aber auch hier zu finden. Was auch gut ist. Macht es interessant ,))
 
Bis die Tage wieder,
euer antischubladendenkender Kiwi
 
 
PS: einer geht noch
 
7) “In Kalifornien scheint immer die Sonne!”
 
Falsch. Definitiv nicht richtig. Wir hatten auch schon 2 Regentage! ,) Aber ist schon witzig den Schnee in Deutschland zu beobachten und dabei noch immer im T-Shirt rumlaufen zu koennen…
 
Und noch einer:
 
8) “Chucks kosten in den USA nichts!”
 
Falsch! Auch hier kann man sie nicht einfach fuer Umme mitnehmen. Aber 45$ fuer 2 Paar ist schon ein verdammt guter Preis ,)
 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

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3 responses to “Erste Kulturschocks…”

  1. Mathias Graunke says:

    Haha grandios.
    Zu den Begrüßungsformeln: Is mir auch immer überall so passiert. Vor allem bei Emails an Offizielle fand ich das komisch. In Deutschland ist man halt gewohnt direkt auf den Punkt zu kommen. Dieses “erstmal n paar Minuten quatschen um dann dahin zu gelangen wo man seine Frage stellt” muss man ehrlich erstmal lernen. Schöne Ausführungen. Hoffe ihr findet euch zurrecht. Und ja, kauf doch erstmal n Revolver. Just because you can!

  2. Stefan Messing says:

    ich mein, ich hab ja nichts gegen small talk oder Fragen nach dem eigenen Befinden. Aber wenn er mich danach fragt, ich ihm schon antworte, er dananch aber dieselbe Frage nochmal stellt als sei nichts gewesen…mhhhhh….komisch ,)

  3. Daniel Messing says:

    LOL,
    Is ja klasse wenns so viel zu berichten gibt…
    Dann passt bloß auf, dass ihr euch nur die “guten” sachen annehmt, essenspisatürme, waffennarr werden und oberflächlich rumquatschen gehört definitiv nicht dazu

    Grüße

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