Wie man eine internationale Grenze definitv NICHT überschreitet

belizeflag no entry

 

 

“Ok, passt auf! Ganz einfach! Es gibt genau EINE Sache, die ihr euch unbedingt merken müsst. Eine Einzige. Wichtig ist nur, dass ihr auf keinen Fall das Datum für die Ausfuhr eures Autos verpasst. Alles andere ist egal. Aber habt das Auslaufdatum eurer PKW-Erlaubnis auf dem Schirm. Ich hab´es euch auch extra nochmal mit dem Markierer fett angemarkert!”

 

….jaja, kein Problem, wir haben´s kapiert. Sollte ja eigentlich kein Problem sein, sich über 6 Monate dieses EINE Datum vor Augen zu halten. Steht ja jetzt sogar extra bunt auf dem Wisch drauf. Sogar wir werden uns schon dieses eine Datum merken können.

 

Einfuhrpermit

Fast Forward und es gehen 6 wunderwunderbare und so krass ereignisreiche Monate voller magischer Momente wie im Flug vorbei. Am Ende hatten wir zwar dennoch irgendwie das Gefühl wegen Morries Ersatzteilen stucked in Cancun zu sein, waren aber so umso mehr gespannt auf ein neues Abenteuer in Belize. 

Und so fuhren wir letztendlich Nachts zur Grenze (macht man nicht, wissen wir auch, aber wir haben eben bis zur aller letzten Minute auf das Ersatzteil gewartet – was letztendlich dennoch umsonst war und erst mit 4 wöchiger Verspätung eintraf), schliefen dort gleich um die Ecke in Bacalar, um so gleich im Morgengrauen die Grenze passieren zu können. Um diese Uhrzeit war diese zwar noch nicht geschlossen, dafür aber die Bank für unseren Deposit. 

Bis dahin lief auch alles top. Kaum an der Grenze am frühen Morgen angekommen, zeigen wir unsere Papiere und die gute Beamtin meint mit recht zierlicher, leiser und emotionsloser Stimme:

“Mhmh, den Deposit für euer Fahrzeug – $300!!!!!! – bekommt ihr ja nun nicht zurück. Ihr seit ja einen Tag zu spät. Wisst ihr aber, gell!”

 

WAAAAAAS???? Wie bitte????

 

Wie kann das sein??? Gestern erst noch die exakten Tage nachgezählt, soger per Internet-Tage-Zählen-Webseite abgeglichen und nachrechnen lassen um auch wirklich ganz sicher zu gehen, dass der 11.5. unser letztmögliches Ausreisedatum ist. Und siehe da, DIESES Datum war leider nicht das Datum auf unserem Permit, auf das wir Dödel schlauerweise seit oben besagtem Grenzübergang nach Mexiko NICHT mehr geschaut hatten. Natürlich waren die Papiere auch so gut versteckt in Morrie, dass wir gar nicht erst auf die Idee kamen, diese vorher noch einmal zu checken. Denn wir waren uns ja 100% sicher. Und hatten eben noch vorher online gegengecheckt. Denkste! Fetter Satz mit X.

Was auf dem Wisch steht, ist fix. Ohne Frage. Ohne Kommentar. Ohne Streiterei. Anschliessend versuchten wir zwar noch verzweifelt die Dame mit all unseren Kulleraugen und all unserer Fassungslosigkeit und Fast-Tränen davon zu überzeugen, dass wir doch im Grunde an der Grenze waren (letzte Nacht), wir jedoch umdrehen mussten weil ihr Office bereizs geschlossen war. “Das könnte ja jetzt jeder behaupten!” Drachenlady.

Half leider alles nicht. Der Drache blieb standhaft. Sie könne jetzt eh nichts mehr machen, weil das Geld bereits automatisch weitertransferiert wurde (schöne und einfache Ausrede um sich selbst aus der Schussbahn zu nehmen).

Der Schock sass tief. Sehr tief. Denn es war einer dieser “dümmer hätten wir echt nicht sein können” Aktionen. Aber dem war nun leider einmal so und wir nahmen es letztendlich auch so hin. Half ja alles nichts. Und sich sinnlos aufzuregen hilft noch weniger. Also gut, weiter geht´s “mit Freude” ins neue Abenteuer – Belize, here we come.

 

Registrierung

Mexiko liegt also hinter uns, wir durchfahren die 3 Kilometer “Freie Zone” und kommen an die Grenze von Belize. Wir bekommen unsere Reisepässe gestempelt, zeigen nur noch unsere Autopapiere und weiter sollte es gehen. Sollte, eigentlich, nicht aber in unserem Fall. Natürlich nicht, ist ja unser Tag.

Fangfrage: Was ist das EINZIG wichtige im Leben eines Travellers on the road mit eigenem Auto? Richtig, eine gute und ehrliche Registrierung. Ist auch ganz einfach. Jeder kennt seine Registrierdaten, gibt ja sonst nicht viel zu merken. Noch einfacher, wenn das Auto in Kalifornien zugelassen ist und es sogar monatsgenau auf dem Nummernschild ausgewiesen wird. Wenn man also das Ablaufdatum auf dem Schirm hat, kein Problem. Wenn. Wenn doch das Wörtchen wenn nicht wär. Denn wir hatten es nicht. Die Situation kommt einem bekannt vor, was :)

 

plateIch habe mir jetzt nicht extra die Mühe gemacht Pfeile für die aktive Registrierung zu basteln. Aber ich denke man kann es leicht selber rausbekommen. Sind übrigens nicht unsere Nummern, nur ge-google-beispielt.

 

Auch hier haben wir natürlich gleich eine einfache und zugleich praktische Ausrede auf der Hand, um von unserem Versagen abzulenken. Dieses mal lag es nämlich daran, dass wir das Datumsformat falsch gelesen hatten. Und das 6 Monate lang :) “Überraschenderweise” hat die USA nämlich ein anderes Format. Denn statt dem 3.8.2016 war das eigentliche Ablaufdatum der 8.3.2016. Schon witzig, wenn man nach 3 Jahren USA Wohnsitz noch immer unfähig ist Datumsangaben richtig zu lesen. Typisch. So unglaublich typisch. Somit ungültig als Ausrede. Aber fast schon wieder witzig nach der ersten Aktion des Tages (Erinnerung – Auto Deposit). Und das ALLES noch vor 8 Uhr und Kaffee und Frühstück! Puh.

So stehen wir also zwischen Belize und Mexiko und der Beamte gibt uns leicht zu verstehen, dass er uns mit einem nicht registrierten Auto nicht in Belize reinlassen kann. Doppel Puh.

 

DMV

Wir sollen uns in der “Freien Zone” überlegen, wie wir die Situation händeln wollen. Was ein Glück, was für ein unglaubliches  Glück, dass unser Handyguthaben noch für ein wenig Internet ausreichte und wir somit die Möglichkeit hatten, den vielgeliebten kalifornischen DMV anrufen zu können.

Mit diesem brauchen wir allerdings wieder die Mithilfe von unserem Kumpel und Morrie-Spietzenmechaniker (jeder Formel 1 Renstall wäre heilfroh ihn zu haben) – Shizen. Denn um seine Registrierung online erneuern zu können, braucht man natürlich eine US Adresse. Mh mhmh. Ok. Wir nutzten Stefans alte Office Adresse. Dies dauert aber 5 Tage im System zu aktualisieren und zu hinterlegen. Erst dann kann man die eigentliche neue Registrierung beantragen um diese anschliessend dorthin versenden lassen zu können.

Hier nochmal (ich konnte es selber nicht fassen). Also, man muss zuerst

  • die eigene Adresse online erneuern, damit man dann (5 Tage später)

  • die neue Registrierung an diese neue Adresse schicken kann. 

Kann man ja nicht irgendwie in einen Schritt packen. Ok, dauert offensichtlich viel zu lang. Rufen wir doch die Service Hotline an, vielleicht gibt es ja kleine “Welpenprogramme” für Problemkinder wie uns.

Leider bemerken auch die DMV Beamten schnell, dass KEINE Möglichkeit hilfreich ist für unseren Fall. Gab es scheinbar noch nie. Wie auch. Kann ja nicht noch weitere Dummbrote wie uns geben, da würde ich mir ja Sorgen um die Menschheit machen. Und einfach bezahlen per Kreditkarte und die Registrierung per Email zugesendet bekommen, geht halt schon mal gar nicht.

Also blieb uns nichts anderes übrig, als die Registrierung auf unsere alte Adresse zu senden, zu bezahlen und auf die Bestätigung im System der Führerscheinstelle zu warten, welche dann hoffentlich besagt, die Registrierung ist wieder gültig. Stellte sich allerdings im Nachgang heraus, auch DAS dauert 5-7 Tage.

Und so stellten wir uns langsam aber endgültig auf eine Woche “Free Zone” zwischen Belize und Mexiko ein :) Genügend Essen hatten wir zum Glück erst einmal dabei.

Nach 4 Stunden Endlosschleife mit dem DMV, harter Verzweiflung und absolutem Unverständnis über

1. so viel eigene Blödheit, aber

2. auch der Blödheit und der absoluten Unfähigkeit der DMV Mitarbeiter

konnten wir also letztendlich irgendwie unsere Registrierung online erneuern. Dass so etwas jedoch nicht einfach online ablaufen kann, man seine neuen Daten eingibt, mit Kreditkarte bezahlt und anschliessend die neue Registrierung per Email erhält ist im Jahre 2016 absolut nicht zu begreifen. Ein hoch auf den kalifornischen Staatsapparat.

 

Nimmerland

Somit heisst es jetzt erst einmal – STAATENFREI. Nicht in Mexiko. Nicht in Belize. Wir sind quasi nicht existent. Im “Nimmerland” quasi.

 

neverlandWie man sich das Nimmerland vorstellt.freezoneDas entsprach dann eher der Wahrheit. Sogar Eintritt musste gezahlt werden. Die “Stadt” war vollgepackt mit Einkaufsläden. Und einem ATM, den wir auch dringend brauchten. Noch so ein Ding, wir kommen an eine internationale Grenze und haben Null Bargeld zur Hand. Wie die aller ersten Traveller. Wenn man es nicht besser wüsste. Geschlossen wurde 18 Uhr. Aber glaubt mir, hier will man auch nicht eine Sekunde länger bleiben.freezoneGelebt haben die Menschen in etwa wie hier (auch wenn das Bild nicht aus der Freien Zone stammt, wir haben lieber keine Fotos geschossen).freezoneAls es langsam dunkel wurde wechselte auch die Stimmung (Foto ist auch nicht hier aufgenommen wurden beschreibt aber ganz gut die Atmosphäre, wir haben lieber keine eigenen Fotos geschossen).casinoWas in einer Freien Zone, die JEDER bestenfalls schnellst möglichst hinter sich lassen will (zumindest wir!), natürlich nicht fehlen kann – ein Glückskasino. Welches Land kassiert hier eigentlich Steuern?

 

Weil die Atmosphäre langsam merkwürdig wurde wollten wir gegen Abend aber doch noch einmal unser Glück probieren. Mehr als ein Nein können wir ja eh nicht bekommen. 

Und siehe da, ach Schreck, der neue Beamte war plötzlich sowas von desinteressiert, er wollte nicht einmal die Zahlunsgbestätigung sehen, die wir mit Müh und Not noch als Screenshot hatten. Keine Email. Keine Bestätigung. Nichts. Alles vorher umsonst? Nicht ganz, eine aktive Registrierung brauchen wir ganz sicher später auch noch einmal. Somit wurde “leider” nichts aus unserem Abenteuer “Nimmerland”. Stattdessen hiess es ganz überraschend plötzlich doch “Hello Belize” für uns, nach guten 12 Stunden Ungewissenheit, Schweiss, Fluchen und massig Ärgernissen.

 

Nachtrag

Ich habe gerade eine Pressemitteilung gefunden, in welcher über einen Ausbau der Freien Zone gesprochen wird. Hier die “besten” Auszüge:

“A new VIP area in the Corozal Free Zone” – schon klar, VIP überall, besonders und ganz wichtig natürlich zwischen den Grenzen.

“The facility will feature genuine luxury goods, in contrast to the cheap knock offs currently featured in the old free zone.” – wo VIP sind ist der Luxus auch nicht weit. Ebenfalls eine Sache, auf welche man definitiv bei einem Grenzübergang nicht verzichten möchte.

“Will cost U.S. $50 million, financed by U.S. nationals.” – wer sonst, wenn nicht die US, wird seine Konten hier bereichern.

“Aims to offer quality items to buyers because it is recognized that in recent years the old free zone has declined in quality.” – ach sag bloss, declined in quality – tzzz ;)

 

 


 

Stefan

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Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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