Kletteräffchen

Nachdem Martin uns mit seiner Alpenklettertourplanung so richtig heiss gemacht hatte, war es nur noch eine Frage der Zeit bis die vertikale Fortbewegung auch uns in ihren Bann reissen wuerde. Ziemlich schnell war ueber Fronleichnam (ein Hoch auf die christlichen Feiertage) auch ein passenendes Datum gefunden, wo wir uns in einem Kletterkurs der Rhoenbergschule 4 Tage mal so richtig austoben konnten. Anfaengerkurs. Erfahrung = Null.

Ok – ausgenommen Baeume. Die sind ja eh vor keinem Jungen sicher geblieben (zumindestens zu Zeiten meiner bewegungsreichen Jugend ≠ dicke fette playstationspielende McWuerste). Ausgenommen auch Felsen, die einem im Kindesalter riiiiesig vorkamen und am Ende nichts mehr als eine kleine Ansammlung von Kieselsteinchen waren. Aber das Klettern an richtigen Kletterfelsen mit richtiger Ausruestung und Sicherung, ja sogar Technik, das war uns beiden fremd. Ach ja, uns ist uebrigens Soeren, meine zweite Kletterseele, und ich ;)

Los ging es also in aller Herrgootsfrueh nach Poppenhausen zur “Basisstation” der Kletterschule. Ein kurzes und ernuechterndes “haehh” kam uns schon fast ueber die Lippen, da das doch recht niedlich wirkende kleine Haeuschen keinen logichen Platz fuer eine ordentliche Kletterwand liess. Aber wie so oft kommt es eben doch nicht nur auf die Aeusseren Werte drauf an. Im Inneren gab es eine mehrstoeckige, breite Kletterwand mit unterschiedlichsten Schwierigkeiten, die einen perfekten Start in dieses Erlebnis zuliess.

Aber erst die Arbeit (Knotentheorie) dann das Vergnuegen (Klettern). Einiges gab es zu Erlernen und auch MERKEN, da ja doch die ein oder andere Sicherheit von dem Wissen und der Aufmerksamkeit des Partners abhaengig ist. Also lieber aufpasen und die allmorgendliche Muedigkeit bereits im Keim ersticken.

 


Nach dem ganzen Knotengedoehns ging es an die Kletterwand um erste Uebungen zu absolvieren. Danach fuhren wir auch schon zur ca. 5 Minuten entfernten Steinwand, ein Paradies fuer Kletterer/Anfaenger. 

Kaum vorstellbar, dass irgendwo versteckt im Wald solch ein Paradies liegen soll. Aber bereits nach wenigen Schritten oeffnet sich das Gruen und… 

…die ersten Felsen sind erkennbar. 

Wenig spaeter auch das ganze Ausmass. Wow – und dank des ersten guten Kletterwetter (was fuern Wort) des Jahres auch recht gut besucht. Aber keine Angst – jeder fand eine fuer sich perfekt geeignete Strecke. Man trat sich nicht gegenseitig auf die Finger oder Helme. Wie gesagt, perfekter Fels. 

Flach und hoch, mega steil bis weniger steil, Ueberhang, 2 bis 8-, alles da, fuer Jedermann. Da man auf der Rueckseite die Spitze prima und einfach erlaufen kann auch perfekt fuer den anfaengerigsten Anfaenger, der einfach zu Fuss den Berg erklimmt, sein Seil einhaengt und loslegen kann.

Apropos loslegen – es ging direkt los. Erster Tag im TopRope. Heisst, ein Seil wird am Felsgipfel durch einen Sicherungsring gelassen und die beiden Enden jeweils am Kletterer und am Klettterersicherer befestigt. Der Kletterer kann nun voellig sicher lossteigen, waehrend er beim Sicherer gesichert ist (logisch, wa?). Man hat also immer ein Seil von oben – wenn man abstuerzt stuerzt man nicht wirklich ab, da man immer direkt im Seil haengt.

So kann man sich nun voellig auslassen am Felsen… 

…und sich beim erfolgreichen Bestieg ein bisschen wie der Koenig des Himalayas fuehlen. Oder Reinhold Messner…ach ja…apropos Reinhold Messner… 

…hier ist er auch schon. Unser rhoener Reinhold, Horst, der die meisten unserer Strecken einfach Free Solo erkletterte (ohne Seil) und einem, nachdem man endlich die Spitze schweissgebadet erreichte mit einem unverschwitzen aber verschmitzen Laecheln begruesste. 

Eine der Spannendsten Momente – das Umkippen ueber die Kante zum Abseilen. 

Vertrauen zu Technik und Partner sind unabdingbar.

Dann geht es wieder bergab – 5 Minuten pure Anstrengung nach oben, 10 Sekunden voellig laessig im Seil haengend nach unten. Thats Life! 

Huuuiiiiii… 

Gleich isses geschafft, der Boden hat mich wieder. 

So ungefaehr sah es dann aus, nur nich ganz so fix. 

Am Abend das wohlverdiente Radler am Kopf der Rhoen, der Milseburg. 

Bin ich nicht hier, bin ich aufn Sonnendeck…bin ich bin ich… 

Gleich wirds dunkel in der Rhoen. 

Nicht aber, bevor uns der vierjaehrige Inhaber dieses T-Shirts seine beste und gruseligste und abgefahrenste Gutenachtgeschichte zum Besten gab. Prima, Jeron. 

Ausklingen eines perfekten Tages in geselliger Runde am Lagerfeuer. 

Und so ging es die naechsten Tage: bergauf, bergab; hoch, runter… 

…ganz hoch und wieder ganz runter. 

Im Laufe der Zeit wird man auch mutiger und vertraut seinem Partner und vorallem sich selbst mehr, die Strecken werden schwieriger. 

Ein kurzes Verschnaufspaeuschen, gut wissend… 

…dass die selbst angelegte Sicherung auch sichert. 

Selbst gestellte Fotos mit absoluter TopRope-Sicherung koennen sehr anstrengend werden ;) 

Natuerlich voellig real und ungestellt… 

…wie auch dieses Nachwuchsklettertalent, das sich hiermit fuer den neuen Silvester Stallone Nachfolger in “Cliffhanger 2.0 – jetzt erst recht” empfiehlt. 

Ein gesaettigter Magen, vertreibt Kummer und Plagen. Gegessen wird, wo angerichtet ist. Bitte Platz nehmen… 

Teamwork ist alles. Da dieser junge Lehrer neben seinem Erziehungsauftrag auch einen Bildungsauftrag zu leisten hat… 

…bitte ich euch kein Vorbild an dieser Helm-Aufsetz-Technik zu nehmen. Klappt so nicht!!!! Auch die zustaendigen -muskeln klappen nach dieser Lachattacke ueberhaupt nicht mehr. 

Die Steinwand im Profil. 

Nummer 485850933 und 485850934 am Gipfel der Steinwand. Doch wen juckts – geil wars. Belohnung von Muskelkater & Co ist diese Aussicht, von der man am Boden des Felsens nicht den blassesten Schimmer haben konnte.
 
 

Ein riesen Dank an unsere tollen Kletterlehrer Uschi und Horst. Ihr habt uns das noetige Grundwissen des Kletterns beigebracht. Den Drang geweckt, hoeher hinaus zu wollen. Der “Killi” kann kommen ;)

Ebenso danke an eine geniale Teilnehmergruppe. Es hat riesen Spass mit euch gemacht.

Ein weiteres Danke an Mutter Natur, die solch Wahnsinns-Wunder schaffen kann und einem erst das Klettern ermoeglicht.

Auch danke an dich, Soeren, ich habe mich immer sicher gefuehlt in deinen Haenden ;)))

Bis demnaechst,
Euer Kletter-Stefan

 


 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

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2 responses to “Kletteräffchen”

  1. David Lama says:

    Wiedermal sehr geil geschrieben!
    Mir juckt es übrigens wie wild in den Finger, wenn ich an die letzte Schwierigskeitsstufe 5 denke.
    Da müssen wir wohl nochmal ran!

    Übrigens finde ich es sehr schade, dass du dir den Namen des vierjaehrige Inhaber dieses T-Shirts nicht merken konntest.

  2. Jenny :-) says:

    Deine Klettertechnik auf und ab sieht ja mal gar nicht schlecht aus!!! :) musst du mir auch mal beibringen *grins*

    Das eine Bild, wo m
    an dich von unten / hinten sieht, sieht echt nett aus… :O)
    Wie gehts dir denn sonst so??

    Liebe Grüße Jenny

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