Labor Day Wochenende – das Training am Mount Langley

Caro in Kanada.
Manu in Asien.
Da hoert die kleine Liste mit Outdoorkompanen auch schon auf.
 
“Leider” kommt nun auch noch das Labour Day Wochenende hinzu. Heisst, verlaengertes Wochenende. Verlaengertes Wochenende zu Hause? No way. Also doch alleine raus und richtige Arbeit verrichten, was sollte man auch sonst am Tag der Arbeit machen. Und was bietet sich da nicht besser an als endlich den hoechsten Berg (14,505 f) der USA (ausserhalb Alaskas) anzugehen. Wird ja auch Zeit. Mount Whitney also! Das Wetter sieht auch perfekt aus. Gibt es nur noch ein klitzekleines Problem.
 
PERMIT!!!
 
Wie immer in diesem beschissenen, von Zugangskontrollen kontrolliertem Land. Wie koennte es auch anders sein, benoetigt man natuerlich auch am Whitney eine Erlaubnis. Wie auch schon beim Half Dome gibt es wieder die zwei bekannten Moeglichkeiten:
 
  • man bewirbt sich schoen brav Anfang des Jahres um ein Lotterieticket, mit welchem man dann mit sehr viel Glueck an einem genauestens vor festgelegten und definierten Tag (denn dieses Datum kennt ja jeder Anfang des Jahres, besonders wenn er plant im August zur Hauptsaison loszulegen) den Dome in Touristenmanier inklusive Schlangestehen an den Kabeln bekrabbeln darf
  • man scheisst auf den ganzen Ticketmist und macht es einfach vor der Saison
 
Leider kommt fuer mich die Loesung “vor der Saison” nicht wirklich in Frage, da ich mich gerade mitten in der Saison befinde. Seitdem Whitney fuer das Wochenende feststeht klingel ich beim zustaendigen Rangeramt durch und bin schon fast per Du (was in der amerikanischen Sprache aber auch nicht wirklich schwer faellt ;) und checke zusaetzlich noch die Onlinetickets (vielleicht gibt es ja doch noch einen einzigen “Spender”, der zufaellig krank, schwanger, beurlaubt oder sonst wie verhindert wird). Und siehe da – endlich mal Glueck.
 
2 Tage vor der geplanten Anreise (ich waere aber auch so oder so gestartet) finde ich online ploetzlich 1 verfuegbares Ticket. Genau Eines. Zack, gehoert es auch schon mir. Falscher Tag zwar – eigentlich wollte ich Samstag anreisen, Sonntag in Ruhe hoch und Montag wieder gemuetlich nach Hause fahren – das Ticket war jetzt aber leider erst fuer Montag. Heisst, und jetzt kommts, es wird alles wieder ein wenig stressiger:
  • Freitag Nacht – trotzdem Anreise (will ja keine Zeit unnoetig verplaempern)
  • Samstag – Vorbereitung und Akklimatisierung
  • Sonntag – Permit abholen und vorbereiten
  • Montag – Whitneybesteigung und Abreise (!!! dieser Fakt wird noch interessanter wenn man weiss, dass die Whitneyarea 8 Autostunden von San Jose entfernt ist ;)
Auf der (sehr) langen Autofahrt hatte ich nun (genuegend) Zeit ueber einen genaueren Plan nachzudenken:
  • wie schaffe ich so viele Cones wie moeglich, ohne dass mir schlecht wird (Burger King hatte gerade Aktionswochen wo es die Zuckerwundertuete fuer nur $0.50 gibt)
  • was genau plane ich fuer den Samstag als Vorbereitung (ich meine, an Alternativen sollte es gerade hier nicht mangeln, aber was genau?)
Die Entscheidung war dann doch relativ schnell und relativ einfach:
  • einfach so viele essen bis es einem schlecht wird
  • Mount Langley (mit 14,026 f auch irgendwo in der Liste der hoechsten Berge Kaliforniens zu finden) liegt direkt ums Eck, ist relativ einfach zu besteigen und soll noch dazu einen ueberragenden Blick auf Mount Whitney bieten
 
Auch eine Moeglichkeit sich unterwegs zu beschaeftigen – Windraederzaehlen (Matze haets noch mehr gefreut!)
 
 
Die Vorfreude steigt. Allerdings ist der Himmel doch nicht ganz so klar wie erhofft. Mal schaun.
 
Nach der Ankunft zu spaeter Stunde am Trailhead zum Langley noch fix die Isomatte im Auto aufgeblasen, den Wecker auf 3:30 Uhr gestellt und da gingen die kleinen mueden Aeuglein auch schon in freudiger Erwartung schlafen. Hoffen wir mal, dass das Wetter haelt…
 
 
An einem Samstag, noch dazu am verlaengerten Wochenende ist es natuerlich bitter boese bei kompletter Dunkelheit aufstehen zu muessen. Aber ich bin ja nicht zum Spass hier ;)
Wie immer in der Sierra mit am Start – mein Kumpel John Miur, der alte Haudegen.
 
 
Mit Stirnlampe ging es die ersten 2 Stunden einem (sehr) gut ausgebauten Weg entlang, immer schoen im Zick Zack. Links, rechts, hoch. Links, rechts, hoeher – bis der Wald endlich wich und ich mit den ersten Lichtstrahlen ein Plateau betrat. Hier gab es die ersten Blicke auf Langley und auch ein bisschen mehr Verstaendinis, was ueberhaupt noch vor mir lag.
 
 
Rechts von der Mitte – die lange Rampe hinauf zum Langley.

 

Bergsee. Eigentlich wollte ich nur kurz ein Foto schie…PLATSCH, da waren dei Fuesse auch schon im Gras versunken. Bloed.

 

Gleich…gleich…ganz gleich…

 

…ist es soweit. Der Himmel wird rot…

 

…und die Berge fangen an zu gluehen. Guten Morgen Welt!

 

Ja, davon hatte ich gelesen. Zwei Moeglichkeiten gibt es auf meiner Route hier hinauf. Eine (langweilige) dem laaaaangen Zick Zack folgend (natuerlich mit weitem Umweg) oder die (abenteuerliche) Direktroute unmittelbar durch die – wie heisst das Ding eigentlich? Links Felsen, rechts Felsen, dazwischen geht es steil nach oben…Notsch? Das ist der englische Begriff, dumm wenn man (im Flieger gerade) kein Leo.org zur Verfuegung hat ;)
Eurem gesunden Menschenverstand ueberlass ich es zu raten, fuer welche Variante ich mich entschieden habe ;)

 

Puh, steinig. Aber noch siehts machbar aus.

 

Sehr mueselig geht es nach oben. Die Steine sind doch alle etwas loser als gehofft. Erinnerungen an den boesen Tongariro-Vulkan (kann ihn auch heute noch immer nicht aussprechen) kommen hoch. Die seltenen Krackselpausen werden gleich fuer Rundumaufnahmen genutzt.

 

Es ist immer noch weit vor christlicher Samstagmorgenzeit. Jedoch laesst sich bereits jetzt erahnen, dass der fruehe Vogel mal wieder den Wurm fangen wird. Die aufziehenden Wolken werden Spaetaufsteher bestrafen. Reicht es noch fuer mich?

 

Der Weg hinauf zum Gipfel sieht wettertechnisch (noch) gut aus. Das lange Steinekrackseln geht weiter.

 

Oh ohh. Immer weiter ziehen die Wolken rein.
 
 
Am Fusse des letzten, finalen Anstieges angekommen ist vom Gipfel nichts mehr zu sehen. Hae was? Ich wiederhole: ist vom Gipfel nichts mehr zu sehen. MAN. Unglaublich. Aergerlich. Vor 30 Minuten war der Berg noch frei. Haette ich mal lieber einen auf: der ganz fruehe Vogel faengt den Wurm gemacht. Naja, kann man jetzt leider nicht aendern. Da Langley auch kein Berg ist, den man Sonntagnachmittags nach dem fetten Essen so mir nichts dir nichts nebenbei erledigt fuehrt jetzt halt auch nichts an der Tatsache vorbei, dass die Schaendung am Gipfel wohl unbelohnt bleiben wird. Unbelohnt im Sinne von toller Aussicht. Die Trophaee fuer den 14000er wird es ja trotzdem geben (imaginaer).
 
 
BAEMMMMM!!! Da ist das Ding.

 

Klasse 360° Aussicht. Erinnert mich ja fast an den Rarotongaberg Te Manga.
Viel Zeit fuer Kinderkram bleibt hier oben allerdings nicht. Es ist schweinekalt, windig und zu allem Ueberfluss faengt es jetzt auch noch an zu regnen. Also geht es nach dem Fotoshooting direkt wieder nach unten. Gewitter und Blitze am Gipfel – ich moechte nicht den Ableiter spielen.

 

Kaum verlaesst man den Gipfel ist man auch schon wieder unterhalb der dicken Wolkendecke. So langsam kommen mir die ersten Nachfolger entgegen, muessen aber leider einsehen, dass ein Gipfelversuch jetzt keinen Sinn mehr macht.

 

Starke Wolkenspiele haben definitv auch was.

 

Da ging es vorhin noch hoch, jetzt genehmige ich mir doch den Renter-Trail zum Abklettern.

 

Vom Gipfel keine Spur mehr.

 

Krasse Wand.

 

Innerhalb von Sekunden vom Nebel gefressen.
 
 
Zurueck auf dem Plateau musste ich mich gefuehlte einhundert Mal noch erklaeren, von wo ich denn so frueh schon zurueck komme? Fassen wollte es keiner so richtig, Pech werden sie aber alle trotzdem gleich haben. Denn ab hier hat es sich so richtig schoen eingeregnet. Und nicht nur das, es krachte. Richtig fetter Platzregen plus derbes Gewitter in den Bergen. Jetzt will ich definitiv nicht dort oben stehen. Und jetzt hoffe ich auch ganz stark, dass keiner so daemlich war es noch zu versuchen.
 
Das Gewitter hat sich ewig gehalten. Der Regen leider auch. Wie es immer so ist haben sich die letzten 5 Meilen auch noch gefuehlt bis zum Mars gezogen. Es hat und hat kein Ende genommen. Wie ein Zick Zack – Marathon zieht und zieht und zieht….und zieht und zieht und zieht…und zieht und zieht es sich.
 
Aber wie schon die weltberuehmten Philosophen Krause & Ruth zu beschreiben wussten hat dann doch letzt endlich alles mal ein Ende (ausser die Wurst eben) und so war ich puenktlich 13 Uhr wieder am trockenen Auto. “Moment mal, kurz nach Mittag schon wieder zurueck??? Kann ja nicht so lang gewesen sein?!” -> Arsch, war es. Knappe 9 Stunden nur mit kurzer Fotopause sind mehr als ausreichend.
 
Krasser Tag – krasses Training – krasse Vorbereitung. Mehr als Akklimatisiert. Hoffentlich war es nicht zu viel…
 
 
Vorgespielte Schoenheit – denn hinten links, dort muss ich Montag hoch. Dort duerfen uebermorgen keine Wolken sein!

 

Aktuell sieht es nicht gut aus.

 

Dafuer sind die Wolkenspiele im Tal umso sehenswerter.

 

So langsam verabschiedet sich der Tag…

 

…nicht aber bevor er noch diese Wolkenformation loslaesst.

 

Gute Nacht, gute Erholung – ich werde es gebrauchen!
 
 
Statistik (<<< klicken)
Strecke:                      17 Meilen
Zeit:                             8 h 52 min
Geschwindigkeit:     1.9 Meilen/Stunde
Up:                              4251 Fuss
Down:                        4233 Fuss
 
Was mich richtig ankotzt – ich HASSE GPS Tracker die NICHT tracken….Aaarrrggghhh, aergerlich. Wie kann man denn, WIE KANN MAN DENN am Fusse des Gipfels aufhoeren zu tracken. Naja, bin wahrscheinlich selber Schuld die App nicht fein genug eingestellt zu haben. Aber wie soll man sonst mit den laecherlichen Akkus bis nach Hause kommen. Also ist die Akkuindustrie Schuld!!!
Morgen ist Ruhetag…

 

Mount Langley day hike at EveryTrail


Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

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