Mallorca – Teil 2 – “von I bis M”

Mehr als die Hälfte des eigentlich viel zu kurzen Urlaubs war schon wieder vorbei. Egal – eine ganze Liste an tollen Orten lag noch vor uns. “A bis H” war wunderbar und wunderschoen, abwechslungsreich, touristisch, einsam, uns. 
“I bis M” kann der ganzen Sache eigentlich nur noch das I-Tuepfelchen aufsetzen…
 
 
Die zweite Hälfte ist eingelaeutet.
 
 
Die Halbinsel “Cap de Formentor” lag vor uns. Mit seinen unglaublich steilen Kuesten einfach nur atemberaubend.

 

Windige Strassen mit tollen Aussichten. Auch wenn erstmals seit unserer Ankunft Wolken aufgezogen sind – macht die Aussichten nur dramatischer ,)

 

Strassen.

 

Der Leuchtturm am “Ende der Welt”.

 

Absolut krass steil.

 

Und ganz vorne…ganz ganz vorne und oben drauf gesetzt der Leuchtturm. Einsam irgendwie…

 

Fast so einsam wie diese Palme…erwachsen aus purem Stein.

 

Unglaublich dynamisch ;)

 

Aussichten.

 

Wasserspender.

 

Steintreppen…wohin?

 

Tief unten im Dunkeln haust der Mummelratz ;)

 

Auf dem Weg zurueck noch ein Geheimtip fuer einen einsamen Strand…ganz so unbewohnt war er dann aber doch nicht…

 

Wer aber dachte diese ungelenkigen Schmarotzer wuerden sich mit einer Essensverweigerung unsererseits zufrieden geben sah sich arg getaeuscht. Not macht ja bekanntlich erfinderisch und so erblickten wir wenige Minuten nach dem Besuch bei uns die Ziege hochgeklettert (!!!) in einer saftig gruenen Baumkrone sitzen und es sich gut gehen ;)

 

Leider macht der Kaviar-Tourismus fuer prall gefuellte Porte­mon­naies auch nicht vor noch so gut versteckten und entlegenen Buchten halt ;( 

 

Wieder zurueck am “Festland” kamen wir an “Kloster Lluc” vorbei. Kann ich mir perfekt vorstellen: Moenche nach getaner harter Arbeit mit einem selbst gebrauten Bier und ner selbst gedrehten Pfluffe sitzend auf diesem Stein, philosophieren miteinander ueber die Religionen dieser Erde und einfach nur den Blick ins Tal schweifen lassen. Auch wir sassen viele viele Minuten genau dort – leider ohne Bier ;)
 
 
Kurz hinter dem Kloster ging es der mit Abstand bekanntesten Kuestenstrasse hinunter zum “Torrent de Pareis” (= zweitgrößte Schlucht des Mittelmeer-Raumes). Ueber knapp 13 Kilometer ging es gefuehlte 554478963214 Kurven hinunter bis auf Meeresebene. Gut fuer den Fahrer – immer schlecht fuer den Beifahrer ;) Aber alles ging gut…
 
 
Immer wieder perfekte Aussichten.

 

Aus dem Gebirge hinunter zum Meer…

 

Und los geht die Fahrt…

 

Kurve um Kurve kaempft man sich nach unten.
 
 
Dort angekommen erwarten einem normalerweise unglaubliche Mengen an blechlawineren Autos – schoen saeuberlich geparkt auf den viel zu ueberteuerten Abzockerparkplaetzen. Das Uebel eines jeden Standardtouristen. Aaaaaber – sind wir ja nicht. Baaaaaeeeeee! Verarscht, hihi. Als wir ankommen steht kein einziges Fahrzeug auf den Parkplaetzen. Selbst die wenigen kostenlosen Plaetze sind frei. Jippy. Also die Packesel bepackt und ab durch die Roehre zum Strand…
 
 
Die Sonne verschwindet…wir kommen.

 

Absolut unglaublich wie steil links und rechts die Felsen empor ragen und den kaum 20 Meter breiten Strand einschliessen. Normalerweise voellig ueberfuellt mit Mallorcis und Toruisten. Heute Abend – niemand. Nur wir. Falsch. Aus dem Wasser kommt noch ein einsamer Schwimmer aufgetaucht. Nach kurzem Abendmahl zieht er aber von Dannen (traurig weil wir ihn seinen Abendplatz streitig gemacht hatten???). Wir sind alleine. ALLEINE…

 

5. Schlafzimmer.
 
 
Nach Abendbrot mit Salami, Kaese und Wein ging es dann umhuellt vom einsamen Meeresrauschen in die Schlafsaecke. Schnell wurde es dunkel…und Nacht. Sehr dunkel. Und immer die Wellen im Hintergrund. Tief Schwarz…und hell! Was??? Hell? “Irgendjemand macht hier Fotos?! Es blitzt.” Sauselt es schlaftrunken und voellig unfaehig die neue Situation zu begreifen. Eigentlich ist es stockdunkel. Ist es auch. Mitten in der Nacht. Aber da…ein riesiger greller Blitz. Wo nur??  Schon witzig wie begriffsstutzig man ist, wenn man mitten in der Nacht aus dem tiefsten Tiefschlaf gerissen wird. Es blitzt. Nicht Touristen sind dafuer verantwortlich. Keine Fotoapparate, die mitten in der Nacht rum nerven. Nein. Ganz allein die Natur spielt uns hier ein gewaltiges Schauspiel. Es blitzt und blitzt und blitzt. Unglaublich viel und intensiv. Oft. Sehr oft. Es hoert quasi gar nicht auf. Die tiefschwarze Nacht ist fuer die naechsten 3 Stunden unterbrochen von gewaltigen gezackten Lichtblitzen am Himmel. Es donnert – langsam hoert man es auch donnern. Zuerst nur das grelle Aufblitzen am Himmel gesehen. Dazu das Rauschen der Wellen. Dann dringt immer mehr das Grollen am Himmel durch. Von links. Irgendwie. Wie durch ein Fenster. Links und rechts der Bilderrahmen in Form der steilen Felsen. Dazwischen unser Naturschauspiel. Wir mittendrin. OHNE Dach ueber dem Kopf. Ohne Schutz vor den Elementen. Kein Haus. Oder Auto zum Schutz. Was ist noch einmal ein Faradayscher Käfig??? Wo ist er nun wenn man ihn mal braucht? Eine unglaublich angespannte Situation fuer die naechsten Stunden. 
 
Mensch vs. Natur. 
Man vs. Wild. 
 
Und mit jeder Sekunde die vergeht fuehlt man sich kleiner. Unbedeutender. Wie ein Kriechtier unbedeutend klein. Die Natur ist gross. Hat Macht – und genau diese demonstriert sie bruellend ueber uns. Es regnet nicht. Zum Glueck. Trockengewitter. Noch nie so intensiv erlebt. Es kracht und kracht. Ordentlich. Aber mehr Respekt hat man vor den Blitzen. Unglaubliche Blitze. In einer noch nie zuvor gesehenen Intensitaet und Frequenz. Wir…die kleinen Menschen…dort…Mutter Natur mit ihrer Tobsucht. Was hat sie nur gegen uns? Will sie uns aergern? Vorfuehren? Erniedrigen? Beaengstigen? Oder doch nur unterhalten. Wenn Letzteres der Fall ist geht der Oskar fuer das beste Drama und die besten Spezialeffekten ganz klar an sie. Ohne Dach fuehlt man sich einfach nur klein und schwach und wehrlos.
 
Leichtes Troepfeln setzt ein, wir ziehen um, ganz nah an den linken Bildrand unter eine Felswulst und sind im Trockenen. Das Troepfeln geht auch wieder. Nicht aber die Blitze. Die Muedigkeit kommt aber doch schneller als man denkt. Man versucht zu schlafen. Halbschlaf. Immer wider wach. Immer wieder Helligkeit, die man selbst durch die geschlossenen Augenlider wahrnimmt. Wach. Schlaf. Wach. Schlaf. Endlos lang im Wechsel. Und doch – nachdem der Donner schon lange wieder weg war…und wieder neu kam…und links – dann ploetzlich rechts – und wieder weg – und wieder da – aber IMMER mit Blitzen umgeben – irgendwann dann…ploetzlich…blitzt es aus. Weg. Die dunkle Nacht ist zurueck. Der Schlaf kommt. Endlich wieder tief. Und erholend. 
 
Krasse Nacht!!!
 
 
Fruehmorgendlich bewoelkter Himmel ueber dem Kessel hinter der Schlucht.

 

Der alte Zugang zum Strand.

 

Von vorne…

 

Plan heute – falsch herum, quasi von unten nach oben, die Schlucht erkunden.

 

Steile steile Felsen…

 

…wohin das Auge sieht. Und wieder ist der Mensch unglaublich klein.

 

Selbst hier mitten im Nichts in der Schlucht kommen die verwilderten Hausziegen angebettelt.

 

Haerter als vermutet, verschwitzt und recht erledigt kommen wir nach knapp 5 Stunden wieder zurueck von der Tour zum Strand, der nun, mitten am Tag und bei Sonnenschein, nicht mehr ganz so einsam war wie noch die Nacht zuvor. Abartig ueberfuellt. Kein Spass!

 

Frei wie man ist kann man kurzerhand auch einfach weiterziehen und das Meer den Massen ueberlassen.

 

Wieder geht es die 554478963214 Kurven nach oben…huiiiiii.
 
 
Fornalutx – knapp 700 Einwohner haben sich schon 2x ueber den Titel “schoenstes Dorf Spaniens” gefreut.

 

Typisch, perfekt im alten Stil erhalten ist der Preis mehr als gerechtfertigt.

 

In Port de Sòller wurde dann der letzte Abend…

 

…bei Bier und unzaehligen Tapasvarianten ausgeklungen.

 

Strandpromenade von Port de Sòller.
 
 
Witziges noch zum Abschluss. Es war Fussball EM. Deutschland spielt. Heute Abend. Passenderweise ausnahmsweise nicht in der Pamba sondern zurueck in der Zivilisation. Das passt doch. Muessen wir nur noch eine Bar finden, die den Fernseher laufen hat und auch das Spiel uebertraegt. Spanier sind ja auch recht Fussballversessen. Sollte doch kein allzu grosses Problem darstellen. Oder? Doch, kaum ein Laden hat einen der flachen TVs eingeschaltet. Niemanden scheint es zu interessieren, wer sich gerade die Krone Europas aufsetzt. Kein Fernseher laeuft. Unglaublich. Und wenn er doch laeuft kommen gerade Nachrichten. Oder Reiseberichte. Oder Werbung. Kein Fussball. Schon gar nicht das Spiel der Deutschen. Sind wir hier unten so verhasst, dass sogar komplett auf Fussball verzichtet wird?
 
Ok, muessen wir also aggressiver suchen. Also rein in den Laden und direkt zur naechsten Bedienung: 
 
“Wir wuerden gerne Fussball gucken.”
“Wer spielt denn?”
“Deutschland.”
“Morgen!”
“Heute?”
“Nope, heute ist Ruhetag. Morgen.”
 
Aaaahhhhh – wie peinlich. Die Zeitung bestaetigt auch noch ihre Aussage. Also ganz fix und mit geducktem Kopf das Lokal verlassen… 
 
6. Schlafzimmer – im Lichtkegel…

 

…vom Leuchtturm.

 

Sonnenaufgang am Hafen.
 
 
Da unser Flug bereits am Morgen von Palma aus zurueck nach Deutschland ging, mussten wir dementsprechend frueh aufbrechen. Die 32 Kilometer ging es auf der schnurgeraden Strasse gen Sueden zurueck. Noch fix das Auto zurueck gegeben und schon sassen wir wieder im Flieger. Schade, viel zu schnell – viel schneller als sonst – wie immer – verging diese perfekte Woche. Das Zelt voellig umsonst mitgeschleppt. ABER – 6 wahnsinnig tolle, interessante und hoechst abwechslungsreiche Naechte ausserhalb jeglicher festen Behausungen verbracht. Wir und die Sterne – und ein paar Muecken ;)
 
Mallorca – absolut empfehlenswert. Und besonders und auch gerade abseits von Ballermann und Co!
 
¡Adiós!
¡Hasta pronto!
Euer Kiwi
 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

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One response to “Mallorca – Teil 2 – “von I bis M””

  1. Hätte man von Mallorca gar nicht so gedacht…Wiedermal Daumen hoch für die Bilder. Ganz Groß: Wasserspender und Mummelratz!

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