Mexiko – Baja California – Tijuana nach San Felipe

Nach dem letzten Abschnitt bis San Diego kommt nun die mexikanische Grenze immer näher. Die Spannung steigt mit jedem Meter. Komisch eigentlich, sollte es doch nichts zu befürchten geben. Und nach all den Einreiseerfahrungen in die USA (gerade Caro) kann es auch gar nicht schlimmer kommen. Jedoch hat man gerade in den letzten Wochen immer mehr (stereotypische) Geschichten und Erzählungen zum Thema Einreise in Mexiko gehört, die eigentlich nie etwas mit Zuckerschlecken und Entspannung zu tun hatten. Gerade Tijuana ist da ja auch ein ganz bestimmtes Thema bei vielen.

So sind es also nur noch wenige Kilometer bis zur Grenze. Die nötigen Papiere werden zum x-ten Male organisiert und zurecht gelegt. Noch 5 Kilometer. Der Highway ist viele Spuren breit, den vielberüchtigten Stau können wir bisher noch nicht erkennen (ist wohl auch eher in die andere Richtung).

Der letzte Kilometer, der Highway macht eine doppelte 90° Kurve, gefahren wird nur noch mit Schrittgeschwindigkeit. Da ist sie, direkt vor uns weisen dutzende Schilder auf Einordnung, jedoch wissen wir nicht so recht wie wo was. Wir werden angehalten. “Bitte folgen” (schon hier, eigentlich noch auf amerikanischen Boden, kommen wir an unsere spanischen Wortschatzgrenzen). Inspektion im super-duper hightech Scanner ist angesagt. Caro muss das Auto verlassen und wird einen anderen Weg “abgeführt” (“tschüss, auf dass wir uns wiedersehen!”). Ich folge einer recht unfreundlichen Grenzdame und stelle das Auto ab. Kurz raus, ein überdimensionaler Scanner fährt über 3 Autos hin und her. Ich warte neben einem Grenzsoldaten mit Maschinengewehr in aktiver Haltung. Auch treffe ich Caro wieder ;)

Das wars, auf zum Papierkram. Auch dieses geht schneller als gedacht. Zuerst Interesse an der Tourist-Card gezeigt, die nötigen Dollar bei der Bank um die Ecke hinterlassen, 180 Tage Aufenthaltserlaubnis bekommen, das Auto temporär importiert und wieder bezahlt (plus Deposit, dass man es auch ja wieder mit aus Mexiko raus nimmt) und tata – alle nötigen Papiere nach nicht einmal einer Stunde erhalten. Wieder auf den Highway und zwei Minuten später winken uns bereits die zahlreichen Autoscheibenvertöner zu ihren Shops herüber (witzig wenn man bedenkt, dass das nachträgliche Tönen von Scheiben gerade in Tijuana seit 2008 komplett verboten ist).

rechts der Autoscannerhoffentlich folgen da noch viele von solchen Märkten (Spoiler, vorerst leider nicht)persönlich von Jesus in Mexiko begrüsst

Nach der ganzen “Anstrengung” des Grenzüberganges hiess es die ersten paar Tage erst einmal Ausruhen ;)

Der Plan war es das Strand-Apartment meines Arbeitskollegen einzunehmen, die Beine entweder vom Bett oder Surfbrett baumeln zu lassen und die grandiosen Sonnenauf- und untergänge zu geniessen. Dass am Ende mehr das Bett als die Surfsession gewonnen hat lag neben unserer Faulheit leider in erster Linie an den fehlenden (Beginner)Wellen. Aber auch mit nur einer einzigen Wasseraktion gingen 7 Tage rum wie im Flug.

 

wer schon nicht selber surft kann wenigstens bei den Profis “zuschauen”da kommt was Böses auf uns zu

 

Ensenada war die nächste grössere Stadt, knapp eine Stunde entfernt. Neben dem äusserst umständlichen Einrichten unserer mexikanischen Handynummer (die gefühlt nie Empfang hat) über die Privattelefone zweier Mitarbeiter gab es eigentlich nur zwei weitere Sehenswürdigkeiten:

  • die wohl grösste mexikanische Flagge überhaupt.

  • La Bufadora, ein natürlicher “Geysir”, der ankommende Wellen durch einen schmalen Felsspalt quetsch und somit in luftigen Höhen befördert.

 

Lobster FangstellenLobster Fangstellen bei NachtLa Bufadora

 

Plötzlich gab es sogar noch eine sehr unverhoffte dritte Sehenswürdigkeit, die für viele Motorsport-Fans sogar DAS Highlight von Baja überhaupt ist, die Baja1000. Eine Cross-Rallen, die irgendwo um die 1960er Jahre von drei Herren “erfunden” wurde, die wahrscheinlich aus lauter Langweile mal der Frage nachkommen wollten, wie lange es denn überhaupt dauert von Ensenada nach La Paz zu rasen – quer Feld ein versteht sich. Das Rennen findet einmal pro Jahr statt, witzigerweise genau an diesem Wochenende (und dabei hatten wir uns schon gewundert, weshalb hier so viele hochgezüchtete Off-Roader rumfahren).

 

Von Tijuana nach San Felipe (und noch weit darüber hinaus) “begleiten” wir die diesjährige Baja1000
 

Als wir uns dem Ziel nähern werden auch gerade verschiedene Sieger und Fastsieger auf der Bühne den Fans vorgeführt. Das Rennen, so erfahren wir ganz nebenbei, findet dauert sogar noch an, da bisher nur die Erstplatzierten Profiteams ins Ziel gekommen sind. Das gemeine Folk (ohne fettem Sponsoring) ist noch irgendwo auf den sandigen Wegen von Baja unterwegs. Ach so, die eigentliche Strecke von Ensenada nach La Paz fahren sie nur alle paar Jahre, da ein Rundkurs um Ensenade doch um einiges zuschauerfreundlicher ist. Nach kurzen Ahs und Ohs ziehen wir in unserem Ralleywagen weiter, immer entlang der eigentlichen Strecke. Ca. 1 Stunde ausserhalb der Stadt gibt es dann auch den ersten Knotenpunkt, wo sich Highway und eigentliche Rennstrecke kreuzen. Hier verpassen wir leider gerade so zwei Teilnehmer. Aber laut dem “grandiosen” Tipp von ein paar betrunkenen Kanadiern (wann sind sie mal nicht betrunken im Urlaub) erfahren wir von einem weiteren Punkt auf unserer Route, wo noch mindestens 120 Fahrzeuge durch kommen müssen.

2 Stunden später bekommen wir gerade noch die Nachhut an diesem Punkt zu sehen, statt 120 waren es genau noch 5. So viel zum Thema ;)

 

 

Schon witzige diese hochgezüchteten Rennwagen, gerade bei eintretender Nacht. Durch ihre (sicherlich illegalen) chinesischen LED Bars auf dem Dach wirken sie beim Herandüsen eher wie ein unglaublich blendender Meteor (auch ihre Motorengeräusche erinnern stark an solche) bis sie dann fast schon schüchtern abbremsen, um gerade noch sie ihre nächste Kurve zu bekommen. Ein super interessantes Erlebnis, dass wir so ganz nebenbei und super glücklich entdeckt haben.

Weiter geht es auf der “Trans-Baja” nach San Felipe, um dort zum ersten Mal den “Golf von Cortez” zu Gesicht zu bekommen (hoffentlich ist dieser endlich wärmer als der bitterkalte Pazifik).

 


 

Stefan

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Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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