Mittenwalder Höhenweg

Wieder einmal hätte sich ein “der frühe Vogel fängt den Wurm” absolut bestätigt. Aber wer kann denn ahnen, dass, wenn die erste Karwendelbahn 8:30 Uhr seinen Dienst aufnimmt und man selbst bereits 15 Minuten vorher ankommt, nur noch die dritt oder viertnaechste Bahn nehmen kann. Mit in der Gondel ein Rudel “Abenteuermaedels” aus Muenchen, die heute das ganz grosse Ding vorhaben. Ausruestung vom Besten. Wahrscheinlich einmal mit Papis Kreditkarte dem Sportscheck hoch und runter gekauft. Vom Helm, ueber Guertel mit Brustbefestigungsdingsda, Klettersteigset, nasa-welt-raum-forschungs-hyper-dry-gore-hoch-10 Materialien zum besten Trinksystem, was aber alle paar Wochen neugekauft werden muss, da es anfaengt zu mueffeln. Hallo??? Das ist Schimmel! Putzen! Ich hasse diese Trinkblasen sowieso. Teuer und unpraktisch. Weil, schwer zu reinigen.
 
Wieso hat nicht jeder mein 13.99 EUR System, was mit passenden Adaptern einfach auf JEDE Flasche aufgeschraubt werden kann, 100% dicht haelt und man nach VErbrauch die Flasche einfach entsorgt, ohne Reinigen? Ist das praktisch?? Naja, wahrscheinlich nicht so hip…und gibts auch nicht beim Sportscheck…
 
Das Beste: Perfekt ausgeruestet – aber Hoehenangst ;) Gabs wohl auch nichts bei Sportscheck dagegen ;)
 
 
Fruehe Anreise…

 

Aus der Gondel raus ging es erst einmal links herum zur Westlichen Karwendelspitze (2385m), der zugleich schwierigste Teil der Route. Knapp 15 Minuten muss man hier an ein paar Seilen entlang nach oben turnen. Wenn man Pech hat und sich am Morgen beim Aufstehen ein bisschen Feiern laesst bekommt hier oben keinen Platz mehr. Wenig Stehflaeche bei gleichzeitiger menschlicher Ueberfuellung – das ist der Nachteil wenn man mit der Seilbahn fast bis auf die Gipfel fahren kann.

 

Die Bergstation gleicht einem Teleskop. Mit selbigem haette mir eine ambitionierte Mutti  am liebsten eine ueber den Nueschel  gezogen, weil ich ihre “Sicherheit-geht-vor” Erziehung ihrer kleinen 10-jaehrigen komplett ausgeruesteten Tochter voellig zerstoert habe (die hat da oben aber eh nichts zu verlieren – sind dann auch gleich wieder umgekehrt ;) 

 

Glueck gehabt, nur ich, das Kreuz und der Fotograf ;)

 

Jetzt geht es los – ein Panorama nach dem Anderen. Eines gleicht dem Anderen und ist doch komplett anders. Vor Allem sagt man sich staendig: jetzt reicht es, jetzt habe ich zum hundersten Mal dieses Foto gemacht und diesen Berg aufgenommen. Dann laeuft man keine 2 Meter weiter und alles sieht wieder komplett anders aus. Natuerlich viel besser als vorher und ueberhaupt…

 

Von der Westlichen Karwendelspitze geht es zurueck und auf den eigentlichen Mittenwalder Hoehenweg.

 

Da gings eben noch hoch.

 

Das Kreuz von der anderen Seite.

 

Noch sieht es halbwegs leer aus – kann ja doch noch werden.

 

Aber kaum kommen Hindernisse allà Bruecken und Leitern faengt es an zu stauen.

 

Und Gruppen. Wie ich sie hasse. Gruppen mit Gruppendynamik. Bzw.: “Als Gruppe muss ich auch alles zusammen machen und immer hintereinander weglaufen. Ja keiner darf zwischen uns!!!”
 
 
Am Besten sind Leitern. Vor allem dann, wenn mehrere Leute einer Gruppe diese hintereinander besteigen und mehrere hintereinander angereiht weit nach oben reichen. Sehr weit. Dann erreicht die KlickKlack-Gesellschaft mit ihren Steigsets den Hoehepunkt. Und das geht so:
 
Ein Haken des Sets wird in die Sprosse geKlickKlackt. Die Unterste. Natuerlich. Weil die ist natuerlich schon unglaublich hoch. Der andere Haken kommt an den Lauf an der Seite. Ein Schritt nach oben. Das andere Bein nachholen. Schoen langsam. Dann den Haken von der untersten Sprosse loesen und wieder einhaken. Ganze 2 Sprossen weiter oben. Wir wollen es ja nicht gleich uebertreiben. Den Haken am Lauf koennte man jetzt zumindestens ueber der Hand mit nach oben fuehren. Oder auch nicht – waere ja auch zu einfach. Also schleift man ihn schoen hinterher (“Abnutzung? Mir doch egal – kauf ich halt nen Neuen!”) wodurch dieser das ein oder andere Mal haengen bleibt. Wieder einen Schritt hoch. Und noch einen. Und den Haken wieder loesen. Und oben wieder einhaken. Schritt hoch. Rechter auesserer Haken klemmt. Man hat ja Zeit. Also umstaendlich wieder loesen – oder von mir geloest bekommen, denn ich muss hier echt aufpassen, dass ich mit meinem Kopf nicht staendig im Allerwertesten des Vorgaengers herumstoecher – ich kann definitiv nicht so langsam Leitern besteigen. Das geht nicht. Also helfe ich lieber fix, weil geht ja schneller und frage nur kurz ob sie sich belaestigt fuehlen wegen meines Auflaufens. “Nein nein, alles gut.” Man hat ja Zeit. Jetzt kommt der Aussenhaken und muss KlickKlack umgesetzt werden. Schritt hoch. Und wieder der Sprossenhaken…Schoen Sprosse fuer Sprosse. Von der Ersten…bis zur Letzten. 
 
Wie kann man das denn so konsequent durchhalten??? Das waere mir sowas von zu langweilig. Und langsam. Naja, kein Stress, sind hier ja im Urlaub.
 
Mein Anremmeln von Unten hat ihnen wenigstens gezeigt das ich da bin, evtl. ein Mueh schneller als sie unterwegs und sie lassen mich ganz bestimmt vorbei sobald das Ende der Leiter erreicht ist…
 
Naja, mit diesem Gedanken habe ich mich mal wieder schoen selbst verarscht. Denn dank ihres Irren-Leiter-Tempos sind sie nun oben angekommen, wunderbar ausgeruht und machen Null Anzeichen zur Seite zu ruecken und mich passieren zu lassen. “Du bleibst schoen hinter mir Freundchen – wir sind hier naemlich eine Gruppe!”
 
 
Und so musste ich ganz schnell meinen ansteigenden Puls wieder herunter fahren und mich schoen der Gruppendynamik anpassen. Solche Stahlbolzen als Tritthilfen an ausgewaschenen Stellen sind natuerlich auch hervorragend fuer die Hoehenaengstlinge ;) 

 

Nur gut, dass die Outdoorhersteller ihre Trendklamotten immer in natuerlichen Tarnfarben anbieten – sonst wuerde man die Menschenmassen ja noch abgehoben vom Rest der Umwelt leicht ausmachen koennen…

 

Tolle Bilder wohin das Auge blickt.

 

Noch dazu geniales Wetter mit bester Weitsicht.

 

Von irgendwo ganz hinten links entlang des Grates und weiter nach rechts.

 

In der Huette ist Fahrradfahren uebrigens verboten ;)

 

Hier sieht man es noch besser: Angefangen an dem Bubbel, ca. am Anfang des letzten rechten Drittels (na, wisst ihr wo??) ganz oben entlang bis ganz nach links…dann “Abstieg” bis hierher.

 

Natuerlich trifft man auf den Gegner IMMER an den Stellen wo es eng wird. Nicht auf der Wiese, oder am Feld wo massig PLatz ist und man easypeasy ueberholen koennte. NEIN – immer in der Enge!
 
 
Die beiden warn so witzig. Er merkte recht schnell, dass sie gefuehlt ein klitzefitze kleines bisschen langsamer unterwegs waren und macht recht schnell Gentlemen-like Platz. Sie – sie bemerkt mich erst gar nicht. Wahrscheinlich vor lauter Schnaufen. Und vor lauter KlickKlack. Keine Anstalten macht sie zur Seite zu gehen und mich passieren zu lassen. Auch ein kurzes “Hallo (ich bin hinter dir, NICHT dein Mann)” fuehrt nur zu einem kurzen “Servus” – und weiter gehts. KlickKlack. Auch Husten/Raeuspern/ hilft hier nichts. Wenigstens hat sie scheinbar ihre absolute Ruhe und Tiefenentspannung gefunden. Dank ihres Klettersteigsets. KlickKlack hat scheinbar nur fuer Aussenstehende Aufbrausendes ;)

 

Kurz Angst gehabt ueber das rechte Riesenbaby direkt drueber steigen zu muessen, dann aber doch Entwarnung.

 

Der naechste von insgesamt 7 Gipfeln an diesem Tag. Alle zwischen 2200 und 2400 Meter hoch.

 

360°

 

Staendig hat ich dieses “Diesen Weg auf den Hoehn bin ich oft gegangen” auf den Lippen.

 

…oder es gepfiffen.

 

Ein schmaler Grat.

 

Peter auf der Alm.

 

Und wieder ein Gipfel.

 

Toll Toll Toll.

 

Tiroler Huette auf 2153m.

 

Von dem einen Gipfelkreuz am Anfang bis zum letzten Kreuz am Ende.

 

Gefuehlt ueber alle BErge mindestens 3x gelatscht – so langsam reichts. Die Beine werden Matsch. Aber jetzt geht es erst so richtig los. Naemlich – ABWAERTS. Denn Abwaerts ist das eigentliche Aufwaerts. Das schwierige. Das anstrengende. Und das gemeine fuer die Knie.

 

2h geht es jetzt im ZickZack durch Latschenkiefern und auf Geroell nach unten. “Sorry liebe Knie, heute Abend gibts ne tolle Pferdesalbemassage, versprochen!”

 

Lang ersehnt kommt endlich die Brunnsteinhuette. Zu sehen war sie gefuehlt schon ewig. Jetzt nen Mass und ich kipp um ;)

 

Von oben links nach oben rechts nach unten hier. Weicheier haetten auch den  “Heinrich-Noe-Steig” von oben links nach unten rechts nehmen koennen, ohne die Gipfel…aber wie gesagt, wir sind ja hier nicht im Urlaub ;)

 

Das nenn ich mal ein Hoehenprofil. Wieso kann es nicht immer so sein?? Mh, lieber nicht. Die Knie laufen Amok. Als Kind haet ich mich trotzdem gefreut…

 

Nicht ganz den Rundkreis geschlossen.

 

Daten
Strecke: 11,8 km
Dauer: 8 h
Höhenmeter: 680 m
Hoechster Punkt: 2385 m
Tiefster Punkt: 909 m
Schwierigkeit: mittel schwer (bei Schnee und Eis extrem schwer und gefaehrlich)
Ausruestung: KOMPLETTE Sportscheck Kletterecke!!!!

 
Bis bald,
Euer KlickKlack-Kiwi
 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

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2 responses to “Mittenwalder Höhenweg”

  1. Carolin Dreßler says:

    Wieviele Peter Bilder gibt es eigentlich schon;) Überall auf der Welt findet man “ihn”,)

  2. Stefan says:

    es wern noch mehr…versprochen ;)

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