Mont Blanc – Erste (wackelige) Schritte

Dienstag – die ganze Nacht regnet es. MAAAAAAANNNN…kann es denn nur einma…und zack…es hört auf. Wir stehen mit dem perfekten Wetter auf. Es ist warm…die Sonne scheint…von Regen und bösartig grauen Wolekn keine Spur. Also fix zur Gondel, ab auf 3800m und plötzlich erscheint es, dass der gestrige Tag Jahrhunderte her ist. Keine 24h vorher standen wir auf der Aiguille di Midi und haben einfach mal NICHTS gesehen…jetzt steigen wir aus der Gondel und sehen plötzlich…

 
 
Berge…und Schnee…und Menschen…Panorama!
 
 

Noch ganz schnell aufs Höhentöpfchen und dann heisst es die Seilschaften zurecht zu bauen. Oberhäuptling Sören nimmt sich sein Seil auf (schön bis 10 zählen), dann kommen zwei lange Arme und das lustige Spiel beginnt: 

Ein Teich, der Frosch hüpft um den Teich um dann von hinten in den Teich zu hüpfen. Klingt komisch, hilft aber immens um sich die richtigen Knoten zu merken ;)

Dann wieder zwei Armlängen…und wieder das Froschspiel. Nochmal zwei Arme und ein letztes Mal der Frosch im Teich. Am Ende sind 4 Personen durch ein Seil sicher miteinander verbunden. Einer für alle, alle für einen…

 
 
Ein letzter Check, dann geht es durch die Höhlenzauberkugel und ein Wahnsinns Bild steht vor uns.  
Seilschaft 3 – Mont Blanc On Danse! 
Über den Grat geht es erst einmal weit nach unten…

Steil gehts hinab.
  
Unmöglich für die Kamera die eigentliche Steilheit festzuhalten.

Wege in den Traum. 
Nachzügler ;) 
Ein letzter Check… 
…und das Genießen kann beginnen.
Links ein Tal, rechts ein Tal – wir als Schneekönige oben auf. 
Stehenbleiben…Genießen…Weiterlaufen…Genießen…Stehenbleiben…  
Durch diverse Laberflashs, Lachanfälle und Singeinlagen hatten wir komischerweise schnell den Ruf der Party-Seilschaft weg. Komisch… Das Rennsteiglied wurde natürlich auch angestimmt…der einsetztende Chor blieb leider aus. Hier müssen wir noch üben. Das Rhönerlied hätten wohl mehrere mitposaunen können. 

Fels und Schnee – eine Symbiose die mehr als passt.


Alleine im Glück.

Wir nähern uns.
Fotopause – hierfür muss immer Zeit sein.
 
 

Sinn und Zweck einer Seilschaft ist das gegenseitige Aushelfen bei Schrecksituationen. Trotz sämtlichster Hilfsmittel wie Steigeisen und Eispicken ist es immer möglich wegzurutschen, zu stolpern, einzusacken…an und für sich kein großer Akt…allerdings lauert möglicherweise hinter einigen Ecken die gemeine Schneeschlange. Kaum wahrzunehmen (weil durch Schnee getarnt) wartet sie bis man sich genähert hat, reist dann plötzlich ihren Schlund auf und schon ist man gefangen…in der Gletscherspalte. Von oben kaum wahrnehmbar (weil mit Schnee bedeckt) sind es oft riesige Spalte unter dem Schnee, die nur durch diesen abgedeckt wurden. Oft sogar sehr gut abgedeckt wurden. Dann können auch hunderte von Menschen über ihn steigen. Aber irgendwann schmilzt der ganze Brei auch wieder, irgendwann gibt der Schnee einfach nach, und irgendeiner ist dann der Pechhabende und hängt eine Etage weiter unten. Am Seil. Am Seil der Seilschaft. Die, die ihn dann unter Schweißausbrüchen wieder nach oben ziehen können. Ein Oben, das es ohne Seil evtl. nicht gegeben hätte. Deswegen auch der Hinweis, das Seil zwischen den einzelnen Mitgliedern einer Seilschaft straff zu halten (dadurch kann man im Falle eines Sturzes nicht erst Schwung holen) und bestenfalls hintereinander laufen. Ansonsten macht es Plumps und die komplette Mannschaft liegt im Graben. Was den Nutzen dieser Sicherheitseinrichtung stark anzweifeln würde. Insgesamt einige langweilige Vorschriften, die im Ernstfall jedoch recht nützlich sind.

 

Hier geht es rauf. Der Firn (harter Schnee) ist noch sehr griffig von der kalten Nacht…dies wird sich ändern…

Geschafft – Cool Runnings am (zugegebenermaßen kleinem) Gipfel des Pointe Lachenal (3613m).
 
 

Hier dann für manche die erste große Überraschung: Sonnige und körperlich anstrengende Tage – das lernt man bereits im Kindesalter – führen zu starkem Schweissausbruch, welcher am besten durch ausreichendes Befüllen mit Wasser ausgeglichen werden kann. Der Mensch trinkt, verdaut kurz und scheidet wieder aus. Womit wir auch schon beim Thema sind. 

 

  • Als Mann stellt man sich an irgend einen Baum…Busch…Stein…oder Abgrund und lässt es laufen. Hier hat man höchstens ein wenig damit zu kämpfen den Klettergurt nicht im Wege rumhängen zu lassen und auch zu jeder Zeit den Wind richtig einzuschätzen

  • Als Frau ist das bekanntermaßen ein wenig anders. Besagte Bäume, Büsche oder Steine gibt es in diesen Höhen kaum. Richtig weit ausreißen kann oder möchte man auch nicht, entweder man hängt noch an der Leine oder es grüßt bereits der nächste Abgrund. Was machen??? Schnell haben sich 2 Methoden heraus kristallisiert: 

1)
Mit dominierender Stimme wird der gesamten Belegschaft befohlen, in eine bestimmte (vom nackten Arsch abgewandte) Richtung zu gucken und “ja nicht” vorher zu lunzen

2)

Mit einem kurzen Griff in den Rucksack wird die Urinella heraus befördert und einfach der Mann imitiert – klingt komisch, ist es auch!!!!! Steht da plötzlich ein weibliches Wesen…ich wiederhole…STEHT…und lässt es laufen. Muss Mann schon ein bisschen Grinsen.

Nun gut…hätten wir das auch geklärt ;)

 
 
Wir runter, die Kollegen hoch – sie haben sich für den direkteren Weg entschieden.
 
 

Wie befürchtet hat der Firn jetzt seine komplette Stabilität verloren. Ein feuchtes ekelhaftes Irgendwas lässt einen schnell einsinken, wegrutschen, keinen Halt finden. Absolute Vorsicht ist angesagt. Wesentlich langsamer als hochwärts geht es nun entgegen gesetzt wieder nach unten. Schön Schritt für Schritt, immer darauf bedacht die Steigeisen richtig (wie ist eigentlich richtig??) zu setzen um den Spitzen die Chance zu geben richtig in das Eis einzudringen. Noch so große Vorsicht schützt aber vor Dummheit nicht und so geht es plötzlich schwupps…und Stefan hängt am Seil von Tina. Gute Frau, perfekt reagiert. Seilschaft hat funktioniert – Hand nur ein bisschen lädiert (ja Horst ich weiß, HANDSCHUHE ;) und weiter kann es gehen. Keine 4 Minuten später das selbe Spiel…schwupps…und Tina ist weg, gerettet von unserem Fliegengewicht.

 

Am Ende noch ein kurzes Ablassen am Seil über die kritisch steile Stelle und wir sind wieder auf dem Plateau.

 

 
Eisschraube = Schraube, die ins Eis gedreht werden kann. Gut für die Seilschaft (weil sie abgeseilt werden kann), schlecht für den Seilschaftsführer (weil er die nicht ganz billige Schraube rausdrehen muss, sich dann nicht ablassen kann und somit ein wenig auf sich selbst gestellt ist – hoch lebe die selbstherausdrehende Schraube!) 
Einsatz der Hilfsmittel in Perfektion, hinten kommen wir irgendwo angeeiert.
 
 

Noch ein Punkt steht auf der heutigen Tagesordnung: Wie baut man eine Sicherung auf, wenn man keine festen Bohrhaken zur Verfügung hat?? Antwort – Firnanker! Quasi ein Anker, der im Firn (Schnee) steckt, an welchem dann das Sicherungsgedöhns angebracht werden kann. Wie geht das? Man nehme eine Picke (oder Jacke, oder Hose) befestige eine Lasche an ihr, vergräbt das ganze mindestens 80 Zentimeter im Schnee und trampelt diesen dann ordentlich fest (Achtung – Steigeisen und Gorejacke vertragen sich oft nicht wirklich) und schon hat man einen Fixpunkt, an welchem man dann das Abseilen realisieren kann.

Und wie prüft man nun, dass das ganze hält (tief genug eingebuddelt war)??

 
 
Man zieht einfach ordentlich dran. Bestenfalls wie ein Ochs ;))) 
Irgendwann setzt die Höhenkrankheit jedem zu…  
Bild im Bild…und die Wolken kommen zurück. 
Wie schnell das in der Höhe gehen kann – echt unglaublich. In der einen Minute noch herrlichster Sonnenschein schon ist in der nächsten von ihr nichts mehr zu sehen, es wird kalt und der Wind dreht auf. Erschwert auch das Vorankommen…Jacke aus. Pullover aus…Handschuhe weg…Mütze auch…Wind kommt auf, Sonne geht weg…Mütze wieder auf…Handschuhe…Pullover…Jacke…Sonne kommt zurück…
Gern an Bergspitzen zu beobachten – Wetterscheiden.
Fast geschafft und doch nicht…der letzte Anstieg steht noch bevor.
Noch 3…2…1…
YIHHAAAA, 
Perfekter Tag mit perfektem Panorama.
 
 

Nach irgendwas von 8 Stunden, etlichen Höhenmetern nach unten, noch oben, nach unten und wieder nach oben (ist der Nachteil wenn man oben beginnt, dann muss man am Ende des Tages dort auch wieder hinauf) sind wir wieder am Aiguille di Midi und fahren gemütlich mit der Bahn zurück ins Tal.

Viel gelernt…mal gucken was die Muskeln und Knochen morgen sagen werden…

Bis gleich,euer Steigeisen-Kiwi

 


 

Stefan

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Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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