Mont Blanc – Gletscherschule

Irgendwann im letzten Jahr in der französischen Provence…
 
Ich: “Ja, Kili ist auch irgendwie ganz schoen interessant…sehr”
Horst: “nun ja…ich biete auch den Mont Blanc an…Lust?…wird auch übrigens mein letzter Besuch dort oben sein [weil – werd alt ;)]”
 
Von da an lies uns der Gedanke nicht mehr los. Mont Blanc…4810m…höchster Berg in Europa (“STOP!!!” ruft der Elbrus…”der Chef in Europa bin noch immer ich!” -> Recht hat er, irgendwie, irgendwie auch nicht…ist halt Auslegungssache – für uns ist es im Moment der Mont Blanc – macht es spektakulärer ;)
 
Im letzten Jahr jedoch war urlaubstechnisch schon alles verplant…also spulen wir fix ein Jahr vor >>>>> und haben nun Juli 2012. Passt auch ganz gut, denn hier im Blog ist ein wenig Tote Hose eingekehrt. Ein neues Ereignis darf her und was passt da nicht besser als dieses Ding hier.
 
Ein kurzer Abstecher noch fix über Stuttgart zu Martin (das nächste Mal dürfen wir definitiv nicht so lange auf ein Wiedersehen warten!!!) um noch einmal die Grundlagen im Draußen-an-der-Wand-Klettern (nicht dieses stinkige Farbennachklettern in der Halle) aufzufrischen.
 
Dynamische Bewegungen bei 30° in der puren Sonne. 
 
 Die Murmeltiere in den Bergen gucken ungefähr genauso aufgeschrocken/interessiert wenn man sie stört ;)
 
Spektakulär war schon immer unser 2. Vorname! 
 
“Nur” die Hitze macht das Klettern so anstrengend! 
 
Yoga am Fels. 
 
Richtungsweisend… 
 
…könnte das Wetter werden. Ob dieses Wechselspiel zwischen fetten Wolken mit Donner und Blitz und dem puren Sonnenschein uns auch weiterhin begleiten werden?? 
 
 
Nach bequemer Nacht im Wartesaal und einigem Fruit Ninja ging es dann bequem gegen 10 Uhr Richtung Chamonix.
 
 
Rheinfall oder Reinfall??? – muss natürlich mitgenommen werden wenn es schon auf dem Weg liegt. 
 
Der Campingplatz lag malerisch unter den rot glühenden Alpen und Gletschern … 
 
…ja, GletscherN – Mehrzahl…links am Bildrand ein fetter und hier direkt hinter dem Campingplatz noch 3 weitere. 
 
Die Zelte (auch hier wieder Mehrzahl – mit dem Alter kommt halt die Dekadenz: 1 Schlafzelt + 1 Versorgungszelt, so war der Plan, ursprünglich, am Ende schlief JEDER in seinem EIGENEN Zelt, mann könnte ja Schnarchen…alles klar) wurden ordnungsgemäß im Regen aufgebaut. Horst, der Stammesführer, hat gleich einen ganzen Zelttempel mitgebracht, wodurch wir wunderbar dem miesen Wetter trotzen konnten und eine erste Besprechung abhalten konnten. Mit dem grandiosen Wunsch nach schönem Wetter ging es auch schon bald ins Nest….DENKSTE – wieder Regen!! Na toll, kann ja witzig werden.
 
 
Dynamisch dem Regen entgegen. 
 
Die Seilbahn bringt uns mitten rein…in die Suppe. 
 
ABER – die Hoffnung stirbt ja bekanntlich als Letztes. Und siehe da – ab und an sieht man die Lotti kämpfen. 
 
Reicht allerdings meist nur für einen Kurzauftritt – Lukas ist das egal – that`s the spirit man! 
 
So wird es wohl weitergehen…Sonne…Regen…Nebel…Sonne… 
 
Und manchmal geht es schwuppdiwupp und aus dem dichtesten Nebel dringt eine Insel der Aussicht. 

 

Unser Ziel des Tages ist der Gletscher (reicht fast auf 1600m ü.NN hinunter), wo wir erste Begegnungen mit unseren neuen Ausrüstungsgegenständen machen sollten.

  • Steigeisen – dieses quietschende recht gefährlich aussehende krallenartige Ding was man sich unter die Schuhe klemmt und plötzlich spinnen-like auf den glattesten Untergründen die abgefahrendsten Figuren drehen kann ohne wegzurutschen 
  • Eispicke – langer Stock mit Picke um im Eis zu Stochern 
 
Sieht er nicht perfekt aus…links sogar eine blaue Wolke – ach ne, nur kleine Kinder malen ja Wolken blau…links sogar eine Öffnung im Nebel und der wunderbare blaue Himmel ist zu erkennen. 
 
Eiskerze. 
 
Spielwiese hierfür war also der Gletscher, an welchen man perfekt heran laufen konnte. Umringt…leider…von DONNER. Was im warmen Kämmerchen vor dem Kamin mit Rotwein in der Hand sehr gemütlich und romantisch sein kann ist jedoch auf knapp 2000 Metern als größte Erhebung (= Blitzableiter) auf dem Eis, umringt von förmlich nach “Hier bin ich Blitz, hol mich doch”-Bergen arg gefährlich. Donner geht ja noch, das bisschen Grummeln im Himmel ist ja noch ganz niedlich, aber sobald Blitze ins Spiel kommen hört der Spaß leider auf. 
Noch ist es nicht so weit. Also ziehen wir uns eher umständlich als elegant die Steigeisen an, wie auch die Regenhosen und -Jacken, verstecken alle Rucksäcke zeitaufwändig unter einem Felsen und können nach gefühlten Ewigkeiten endlich aufs Eis…1 Meter…2 Meter…3…Donner MIT Blitz…”ALLES zurück”…das wars!!! Alles wieder ausziehen, Rucksäcke wieder hervor kramen und ab ins Tal. Na toll…ganz toll…riesen Ding. Arschlochgewitter!!!
 
 Mont Blanc Gletscher
Hier sollte es drauf gehen.
 
 Das waren die 2,30 Meter auf dem Eis…dann kam genau EIN Donnerwetter, welches jedoch zum Umdrehen reicht. 
 
 Ja will uns das Wetter denn nur Verarschen??? Kaum vom Gletscher runter öffnet sich wieder der Himmel und man sieht sogar was…
 
 Ich krieg nen Rappel…
 
 …wie man unschwer erkennen kann!
 
 
Aber erst einmal mussten wir unsere durchnässten – denn nichts ist so wasserfest wie es sein sollte, zumindest  nicht bei mir. Die Herren mit ihren 400 Euro-Nasa-Hightech-Gore-Extreme-Sachen hatten kein Problem – Klamotten im großen Gemeinschaftstrockner wieder entfeuchten.

 Mont Blanc Bergsportaldi

So bleibt wenigstens viiiel Zeit um im Bergsport-Aldi von Chamonix ausführlichst Ausrüstungsmängel auszubessern – Gamaschen, Laufstöcke, Teller, Gletscherbrille…sehr gut bezahlbar – vieles hat allerdings nach einer Woche Extremtest auch schon wieder seinen Geist aufgegeben – wer billig kauft kauft eben doch zweimal.
 
 
Das Alternativprogramm hieß dann: ab zur Aiguille du Midi, um unseren Körper im Höhentrainingslager auf diversen Treppenstufen schon einmal auf die kommenden Tage einzustellen und die kleinen roten Blutkörperchen aus ihrem Winterschlaf zu wecken (sollen schließlich auch mal was machen) und ein wenig mit Sauerstoff zu “be-backpacken”.
 
 
Mont Blanc Ungewisse
Blick ins Ungewisse…
 
 Mit der Seilbahn ins Nichts…3800 Meter Nichts.
 
 Eben noch stand Sören direkt neben mir, bevor er von diesen miesen kleinen Wesen mit ihren Fotoknippsen ganz rücksichtslos deplatziert wurde und es um mich nur noch von 1,40m Japanerinnen wimmelte. Dafür weiß man jetzt auch im Land der aufgehenden Sonne, was 2 ausgestreckte Daumen bedeuten ;)
 
 Männer mit ausgeprägtem Bart sollten bei diesen eisigen Temperaturen schon ein wenig auf ihr Äußeres achten ;)
 
 Der letzte Tunnel bevor die Wahnsinns Aussicht genossen werden kann…
 
 …nun gut – heute muss der Aufsteller genügen. DIE Tour weshalb wir hier sind…mal guckn!
 
 Diese Bilder wollen die Mütter dieser Welt von ihren Lieblingen sehen ;))
 
Mont Blanc Gruppe
Die lustigen Musikanten
 

Der Grummel ist verschwunden – die Aguille hat, obwohl in kompletten Nebel, trotzdem ihren Zauber über uns gelegt. Man spürt die Höhe bei jedem Schritt – die Schnappatmung lässt Grüßen, das Panorama ist erahnbar und die Vorfreude steigt ins Unermessliche. Das Abenteuer kann beginnen…wenn doch endlich auch die Sonne mitziehen würde??!?

 
Am Abend dann wieder der obligatorische Stammtisch bei Horst im Zelt mit dem nächsten Höhepunkt – der Ernennung der Seilschaften. Horst führt Gruppe 1 an (nicht wirklich überraschend), Ochs die Gruppe 2 (durch einige DAV- und Horst-Mitreisen ganz klar für diese Position qualifiziert). Fehlt noch eine Gruppe – Seilschaft Nummer 3. Spannung liegt in der Luft. Lässt sich förmlich schneiden. Horst hatte am Tag zuvor schon ein paar Andeutungen und Augenwinks verteilt…wer sollte es werden…wer ist qualifiziert genug für diese Verantwortung. Wer ist der Dritte im Bunde. Wem schenkt Horst sein Vertrauen…
 
Es ist der EUGEN…äh Sören…wie genial. Ein Rookie auf dem Sprungbrett in den Leistungsbereich. Fehlt nur noch die Restbesetzung: sein Stelv. wird ein Kiwi…kommen noch Tina (10 Kilometer in unter 45 Minuten) und Madlen (Tierarzt in Leidenschaft und Mutter von Attmann) hinzu. Die “Cool Runnings” sind geboren…eine Legende beginnt…Wer Stelv. Stelv. und Stelv. Stelv. Stelv. werden soll knobeln wir durch diverse Fragen und hinterhältig versteckte Tests aus (ich glaub ich kenne das Ergebnis bis heute nicht ;)

 

 Aber erst einmal heißt es Trockenübung im Seilschaftslaufen. Vorne der Führer, dann im 2 Meter Abstand der Rest der Crew. Auf dem Campingplatz geht es unter den kritischen Augen von Horst…
 
 …über Stock und Stein…Busch und Baum…riesige Gipfel und tiefe Täler.
 
Mont Blanc Seilschaftstraining
Die ersten “großen” Hürden gibt es bereits hier zu überwinden.
 
 Bereits nach wenigen Minuten geht er 1:1 in seinem neuen Job auf und erteilt glasklare Anweisungen, denen absolut und unbedingt Weisung zu teilen ist!!!

Jetzt kann es richtig losgehen. Wir sind gespannt…

Bis gleich,
euer Stelv.-Kiwi

 

Mont Blanc Wein

Echte Männer juckt der Regen nicht – Prost Jens ;))

 


 

 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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