Mont Blanc – Knapp daneben ist auch vorbei…oder?

00:00 Uhr:

Die ersten Geraeusche aus dem anderen Zimmer sind hoerbar. Die ersten nervoesen superuebermotivierten Fruehaufsteher machen sich fix Kaffee und gleich danach auf den Weg. Stockdunkel, wie das eben so ist, kurz nach Mitternacht. Bei uns im Zimmer – eine Sauna ist nen Scheiss gegen die Temperatur und Feuchtigkeit, die in unserer Sardinenbuechse herrscht.

 

00:15 Uhr:

Ich merke wie Horst zurueck in sein Bett kriecht, noch fix und raschelnd ein paar saure Schluempfe klaut und irgendwas von zu stuermisch und noch eine Stunde Schlafen murmelt.

Wer denkt, dass bei Saunen stets bei ca. 100 Grad Schluss mit heizen ist, der IRRT!!!

 

00:15 – 01:30 Uhr:

Das Rascheln wird immer mehr. Und nerviger. Schlafen ist nicht mehr moeglich. Immer mehr Schleckermaeuler suchen Ihre Kalorien. Einer schnarcht. Einer schnieft. Einer hustet. Einer dreht sich links. Einer rechts. Noch einer schnarcht. Drei quatschen. Zwei fluestern. Einem interessiert gar nichts. Ein anderer ist scheintot. Einer trinkt. Jeder stinkt. Einer schluerft. Einer geht Pullern. KEINER schlaeft.

 

01:30 Uhr:

LOS GEHT ES!!!

Ein Ameisenhaufen ist nichts verglichen mit dem, was sich in der Huette abspielt. Ein totales Durcheinander. Jeder geht seinen Weg. Jeder hat sicherlich sein kleines Ritual. Aber eigentlich hat keiner ueberhaupt nur eine Ahnung was geordnetes Vorbereiten ist. Eines jedoch wissen alle: viele dicke Klamotten anpacken, kaum Gepaeck ausser viel Wasser und dann wieder die Kletterausruestung ueber alles. Noch fix den Frosch in den Teich und schon stehen wir am Anfang des Endes…

 
 
P1020396Vollgepackt mit tollen Sachen, die das Leben waermer machen… 
 

In den beiden Seilschaften ging es kurz sehr steil nach oben, ehe es dann entlang des Grates Richtung Dôme du Goûter ging. Im – mal wieder – ZickZack natuerlich. Und was fuer ein ZickZack. Und wer denkt, dass es die vorherigen Tage gutes Training war so langsam hinter einander her zu marschieren sah sich getaeuscht. Denn was wirklich langsam ist haben wir erst heute Morgen (oder Nacht? Wie spaet ist es eigentlich?) gemerkt. 

 

Zahllose Lichtkegel vor uns, viele nach uns. Immer wieder gesichtslose Gestalten, die uns im Grellen Schein Ihrer (teilweise sonnenaehnlichen) Strahlern “”ueberholen”. Am besten beschreibbar mit den oft beklagten “Truckerrennen” auf Autobahnen. Ein rasend schneller Mountaineer kommt mit gewaltigen 2,345 km/h an einem kriechend langsamen Kletter mit gerade einmal 2,344 km/h vorbei geschossen. 

 

So langsam mehren sich die Lichter vor uns, kaum noch jemand hinter uns zu sehen. Sind wir zu langsam? Sind wir nicht fit genug? Wieso sind die anderen so schnell? Koennen die das? Sie die trainierter? Besser geschlafen? Ueberhaupt geschlafen? Besser gefruehstueckt? (obwohl, gegen meine kalte Gulaschsuppe kommt hier eh niemand an ;) Wie koennen die uns ueberholen? Muessen die uns ueberholen? Sind doch eh nicht schneller? Und muessen dafuer auch noch in den Tiefschnee der wiederum anstrengender ist! Wie sinnlos! Koennt ihr nicht hinter uns bleiben? Das stresst mich – alle schneller! Oder? Eigentlich ist es auch ganz gut wenn alle weg sind…haben wir wenigstens unsere Ruhe. Koennen unser Tempo gehen. Aber wieso sind die eigentlich so schnell??

 

Tausend Fragen gehen einem durch den Kopf. Der Wind pfeift uns um die Ohren, so dass an eine fruehmorgendliche Unterhaltung eh nicht zu denken ist. JEDER ist hier oben fuer SICH. Zusammen zwar in der Seilschaft. Aber dennoch ganz alleine. Nur fuer sich. Nur er und der Wind. Und der knirschende Schnee. Der Firn. Und das vor einem haengende Seil. Und das ZickZack. Aber eigentlich doch eher NICHTS.

 

Nach Phase 1 mit seinen tausend quaelenden Fragen kommt die Phase der Ruhe. Im Kopf ist wirklich Ruhe. Wer kennt das schon? Irgend ein Gedanke haengt dort schliesslich immer. Gerade in Zeiten der totalen Kommunikation. Des immer Erreichbarseins. Ein Hauch, auch wenn er noch so klitzefitze klein ist, ein Hauch von Gedanke ist immer irgendwo im Kopf verankert. Aber hier, jetzt, auf 4000m Hoehe, ist ploetzlich, oder allmaehlich?? der Kopf leer. Oder besser – still! Einfach nichts. Ruhe. Doch was macht Mensch, wenn er nichts denkt? Wenn er sich keine Gedanken, Plaene, Ausreden, Ansichten, Kritiken, Gespraeche, Witze, Vorstellungen, Erinnerungen – macht?? Was bleibt??

 

Fragt nicht mich. Ich weiss es nicht. Mein Kopf war ja leer!

 

ZickZack laufend immer weiter. Langsam weiter. Aber stetig. Immer weiter nach oben. Dem Ziel immer einen Schritt naeher. Und den naechsten…weiter. Ab und an Vorsicht an einer Gletscherspalte – dies aber ohne grossartig darueber nachzudenken, eher als Reflex. Geuebte Reaktion. Dann weiter ZickZack…

 

Und Wind. Abartiger Wind. Noch immer. Leider hat er nicht nachgelassen. Wir versuchen es trotzdem. Wie die anderen auch. Vielleicht laesst er ja noch nach…denkt man sich in der Phase des Denkens. Vielleicht flacht er ja wenigstens ab. Laesst leicht nach. Erbarmt sich fuer uns. Zieht davon. Von dannen. Denn der Wind ist echt krass. Selten so ein Wind – ok, Sturm ist wirklich, ohne zu uebertreiben, angemessener. Der scheiss Sturm ist da. Aber nicht staendig. Dann haette man sich ja evtl. darauf einstellen koennen. NEIN! Er boet. Er sturmboet. Laut Definition ist dies “oft verbunden mit einer Winddrehung”, welche “ab Windgeschwindigkeiten von 62 km/h (8 Bft) gelten” – in unserem Fall ueber 80 km/h!!

 

Und dieses Boeige war auch das ganz grosse Problem. Wenn schon ich mit meinen *raeusper* 78 Kilogramm urploetzlich 1 Meter weiter links laufe als noch eine Sekunde zuvor, vom Winde verweht im aller warsten Sinne des Wortes, was passiert dann erst mit Tieraerztinnen, die ganze 42,5 Kilo wiegen? Das ist nicht erklaerbar. Man laeuft in seinem Trott, trotz dem Wind und ZACK – geht es nicht dort weiter wo dein Fuss das letzte Mal aufgetreten ist. Einfach mal so verschoben. Nach Links. Nach Rechts. Nach Hinten. Nach Vorne. Nur nicht nach Oben ;)

 

Auf einer grossen und breiten Ebene ist dies eigentlich relativ egal. Ist ja genug Platz. Nur ein wenig nervig und kraftraubend. Aber wenn wir nachher noch ueber den Bossesgrat balancieren wollen, wo es links und rechts etliche hundert Meter steil nach unten geht und man wie auf einem Schwebebalken nur wenige 20 Zentimeter als Laufflaeche hat – dann wird es interessant.

 

In seinem Kopf-ist-leer Trott bemerkt man gar nicht wie die Zeit vergeht. Zur Linken war die ganze Zeit der Himmel schon etwas heller alles ueberall anders. Dort sollte Osten sein. Dort geht die Sonne auf. Nur wie lange diese heute dazu braucht. Lass dich doch nicht Bitten! Ein bisschen Erwaermung tut doch jedem Gut. Wahrscheinlich sogar dem kompletten Rest unserer Mannschaft. Die Frierkatzen schlagen zu. Ich merke nichts davon. Oder merk es nur nicht, weil selbst Koerpersensoren den Kopf zum Regisitrieren braeuchten. Aber dieser hat ja Pause. Ruhemodus!

 
 
P1020397So langsam wird es spannend – die Sonne kommt.
P1020398Quaelend langsam kaempft sie sich hoch.  
 

Recht unspektakulaer wird der Dôme du Goûter ueberstiegen (warum zaehlt der eigentlich als eigenstaendiger Gipfel – nur weil es danach kurz wieder bergab geht??? Wieder runter von den 4.304 Metern? Wir muessen doch drueben eh wieder hoch!) und der Blick auf unser Ziel ist frei. Von hier sind es keine 2 Kilometer Luftlinie mehr. Zum Anfassen nah. Zum Erfrieren kalt – so sagt man mir.

Gegenueber geht es in letzten ZickZack-Kurven hinauf zur Biwakschachtel – Vallothütte auf 4.362 Meter wo die Sonne endgültig aufgegangen ist.

 
P1020405Jetzt kommt die Sonne in grossen Schritten.
P1020408 BAEMM – hier ist sie.
P1020407Wie gut die ersten Strahlen auf der eisigen Haut tun.
  
P1020406Im Nu ist es taghell.
  
P1020404“Ich koennte ewig hier stehen und dich einfach nur anseh`n”. Der Sonne in den Bergen zusehen. Keine 2 Minuten war ich in der Huette. Nur fix alle Klamotten vom Leib gerissen (die Erfrorenen gucken mich mit entsetzten weit aufgerissenen Augen an) und noch eine Lage angelegt und sofort wieder raus.
P1020400  Das ist er also: Mont Blanc!
 

Da hier oben die Boen (ja, die Mistdinger sind immer noch da!!!) wieder abartig stark sind gehe ich doch wieder fix zu den anderen und sehe…

ENTTAEUSCHUNG

Wieder. Hatten wir ja noch nicht so viel davon. Dem Grossteil der Gruppe ist es viel zu kalt. Sie sind eisig zugefroren und wollen nur noch zurueck. Keine Motivation weiter zu gehen. Die Kraefte sind weg. Alleine koennen sie nicht zurueck – Horst muss mit. Kurz zur Erinnerung, Horst ist unser Bergfuehrer. Geht er zurueck haben wir keinen Fuehrer mehr. Heisst . GENAU – ALLE kehren um. WAAAAASSSS? Kein Kilometer mehr bis zum Gipfel. Keine 500 Hoehenmeter und wir sollen umdrehen? So kurz vor dem Ziel?? Nach der Anstrengung der letzten Stunden??? Es waren uebrigens 4 (in Worten: Vier) Stunden Aufstieg!!! Unglaublich. Gefuehlte 2. Maximal 2 1/2 Stunden. Wo kommt die Vier her?? Unglaublich!!!

Und jetzt soll es ohne Gipfel wieder zurueck gehen? Aber ich seh` ihn doch gleich dort drueben. Zum Greifen nah. Nebenan…

Es nuetzt nichts. Die Jugend ist Zerfroren. Unsere Maedels leider auch. Die Seilschaften brechen auseinander und der Anfuehrer muss umkehren. Ein Weitergehen ist NICHT moeglich. Zumal der Sturm kein bisschen nachgelassen hat. Wie gesagt war es bisher nicht so kritisch. Aber nach der Huette kommt nach einem kurzen Aufstieg fuer die letzten beiden Stunden der Bossesgrat – und der ist heute an diesem Tag NICHT passierbar. Auch fuer die anderen nicht. Von den vielleicht 100 gestarteten Gipfelfreunden kehren locker 96 direkt wieder um. Vereinzelte sehe ich weiter aufsteigen – bezweifel aber, dass sie tatsaechlich ueber den Grat gehen werden.

 

2012-07-07_06-56-02_710Ein passendes Bild – unser Ziel unerreicht im Nebel verschwunden. 
Mont_Blanc_127 Und schon geht es wieder in die andere Richtung – Abstieg.
Mont_Blanc_126Sehnsuechtige Blicke zurueck – nicht fassbar.
Mont_Blanc_129Was fuer ein Berg. Magie liegt in der Luft.
  Mont_Blanc_128DER Berg der Alpen, so langsam entfernen wir uns wieder.
Mont_Blanc_125Jetzt bleibt wieder mehr Zeit fuer Bilder. Bzw. denke ich  wieder. Mein Kopf denkt wieder. Und erinnert mich somit, diese Wahnsinns Erfahrungen doch fotografisch festzuhalten…
  
P1020411 Der Sturm – ein staendiger Begleiter. 
Mont Blanc Summit PushDIE Seilschaft.
  
P1020412Im Hintergrund “Aiguille du Midi”.
  
P1020413Es scheint Tage her zu sein, dass wir dort drueben waren…
  
  

Neben dem Abstieg vom Ngauruhoe war dies meine zweite krasse Erfahrung mit dem Ungleichgewicht zwischen Auf- und Abstieg. Damals ging es knapp 2h hoch – keine 20 Minuten hinunter, so waren es heute ueber 4 Stunden Aufstieg und keine 1 1/2 Stunden hinab. Unglaublich schnell sind wir dem inzwischen angetauten Firn hinunter gesprungen. Wieder die Siebenmeilenstiefel ausgepackt. Zurueck zum Refuge du Goûter. Gegen 8 Uhr kommen wir am Ausgangspunkt unserer heutigen Reise an. Andere sind jetzt noch nicht einmal aufgestanden, liegen noch in ihren warmen Betten, wir waren fast am Gipfel von Europas hoechstem Berg. Krasse Vorstellung. Jetzt gibt es erst einmal heissen Tee.

 

Ich habe ja noch einen Masterplan in der Hinterhand, “Brain” laesst gruessen. Wem stoert das Wetter heute wenn es morgen perfekten Sonnenschein und Windstille gibt? Wenn man die Schindereien zur Huette schon einmal auf sich genommen hat und es nicht nach oben geschafft hat – wieso bleibt man nicht noch eine Nacht hier, ruht sich aus und versucht es einfach am naechsten Morgen noch einmal? Getreu dem Motto “Und taeglich gruesst der Mont Blanc”.

 

Also geht es mit einem hinterhaeltig schelmischen Grinsen ins Innere der Huette um mit Horst alles ab zu klaeren und das Wetter zu checken >>>>>> Regen und Sturm auch fuer den naechsten Tag!

 

ICH HAB DIE SCHNAUZE VOLL!!!! AAAAAAAAAHHHHAHAHHAHAHAHAHAHHHHHH. WIESOOOOOOOOOO????!?!?!?!?!?????

 

Das war`s mit Brain. Pinkylike gebe ich auf, KAPITULIERE, und steig knappe 90 Minuten spaeter mit der Gruppe ins Tal ab. 

 

Demoralisiert. 

Unmotiviert. 

 

Jeder Schritt schmerzt auf einmal wenn man kein Ziel mehr vor Augen hat. Schlimmer noch – DAS Ziel nicht erreicht hat. Das eine Ziel was es in dieser Woche gegeben hat. Das Ziel was selbst ein Scheitern am Tacul ertraeglich gemacht haette. Weg. Einfach so weg. Nicht mehr realisierbar. Nur noch heim. “Nur” noch??? 2000 Hoehenmeter wieder heim. Kaputt. Im Arsch. Sowohl Beine als auch Kopf. Kopfmatsch nennt man sowas wohl. Wie ein Olympiamarathonlaeufer, der bei Kilometer 42,155 quasi der Ziellinie entgegen taumelt, diese aber NICHT ueberquert.

 

“Wie soll ein Mensch das ertragen” singt ein wunderbarer deutscher Liedermacher. Aber die Gluecksgefuehle, die ich beim Zuhoeren seiner Balladen bekomme, sind hier alles andere als vorhanden. NICHT da. Genauso wenig wie Kraft und Motivation und ueberhaupt alles. SinnLOS!!!!

 
P1020416 Wenigstens ist das Wetter schoen und das Panorama stimmt.
 P1020417 Die neue Huette am Gauter – Fertigstellung erst in diesem Jahr.
Mont_Blanc_135  Geniale Aussicht was die Landschaft angeht, nicht aber vom Rueckweg – da runter geht es heute noch.

Mont_Blanc_133

Mont_Blanc_134

Mont_Blanc_131Man nimmt sich einfach mehr und mehr Pausen fuer Fotos und Aussichten.  
Mont_Blanc_132Jetzt ist es wirkliches Krackseln.
Mont_Blanc_136Leider heute kein Gipfelbild vom Kiwi fuer sein Fuechschen ;((
Mont_Blanc_137 Das Grande Couloir muss auch auf dem Rueckweg ueberquert werden. Die Anspannung steigt, weil wir vor nicht einmal 10 Minuten 2 rollende Steinriesen hinab purzeln haben sehen. 
P1020419Wenigstens ist die Sonne mit uns. 
Mont_Blanc_138Wieder auf dem Schneefeld – jetzt geht es im parallelen Rutschstil hindurch.
Mont_Blanc_139Scheinbar unglaublich weit weg. 
  

Natuerlich haben am Ende auch noch die Knie ihren Kaese dazu gegeben und ihre Abneigung zum Absteigen – nach-unten-laufen – lautstark Kundgetan. Fickt euch Knie – Ups, echt sorry. Aber meine Laune ist zum Kotzen. Wieder Ups.

Auch ist uns noch die Zahnradbahn direkt vor der Nase weggefahren – ja, heute faehrt sie naemlich. Naja, bleibt Zeit zum Schlafen, zum Fluchen…

 
 
P1020420Jeder muss jetzt irgendwie selbst mit der Situation klar kommen.
P1020421Tina ihr “Glueckscent” im Schuh. Den kompletten Auf- und Abstieg mit gemacht. Toller Glueckscent – mit riesem Glueck was er gebracht hat…
Mont_Blanc_142Unglaublich – dort oben waren wir vor 8 Stunden noch.  
Mont_Blanc_141Die tolle Zahnradbahn. Ich waer heute auch keinen Meter weiter gelaufen.
 
Mont_Blanc_140 Grandiose Landschaft – wunderschoenes Chamonix.

Mont_Blanc_144

Mont_Blanc_149Gegen 17 Uhr troedeln wir wieder am Campingplatz ein…
    z6aLässt erahnen wie stuermig es in der Hoehe war.

 

Um 5 am Nachmittag kommen wir voellig zerschlagen am Campingplatz an. Die Umkehrer koennen es nicht glauben, dass wir bei diesem tollen Sonnenschein und der Windstille (!!!!!) nicht am Gipfel waren. Perfekte Kletterbedingungen. Koennte man meinen. Kaum ein Lufthauch hier unten – 3 Kilometer weiter oben Sturm vom Feinsten. Das ist Hochgebirge wie es leibt und lebt. Man steckt eben nicht drinnen. Natur ist da – Natur gewinnt. Immer.

Ueber 30 Stunden unterwegs. Irgendwas bei knapp 5000 Hoehenmetern. 4 Stunden Schlaf. Wenn ueberhaupt. Welcher Tag ist heute ueberhaupt. 8 Uhr gestartet und knapp 8 Stunden Aufstieg. Dann knapp 4 Stunden versucht zu Schlafen. Dann gegen 2 Uhr in der Frueh weiter zur Vallot Huette. Angeblich 4 Stunden. Umgekehrt. Um 8 wieder an der Gauterhuette. 17 Uhr am Campingplatz. Wo ist die Zeit? Was ist Zeit? Wer bin ich? Wie Wo Was? Das Verstaendnis von Zeit hat auf jeden Fall maechtig gelitten.

Ist es nun ein Reinfall? Haben wir versagt

Ja – koennte man meinen wenn man wegen nur eines Ziels hier her faehrt und dieses dann NICHT erreicht. Aber wenn man dann ein wenig Abstand zu der Sache hat bemerkt man ploetzlich was man Grossartiges erreicht hat. Welche grossartigen Erfahrungen man gemacht hat. Wie unsaeglich knapp man davor gestanden hat. Dran geschnuppert hat. Fast beruehren konnte. Man ist fit. So viel steht fest. Ohne Wind waeren wir oben gewesen. Das wissen wir jetzt. Der Koerper macht mit. Und der Koeper macht auch die Hoehe mit. Ein weiterer Faktor, den man nie aus den Augen lassen sollte und der vorher sehr ungewiss war. Ich kann Hoehe!! Also eigentlich alles gut? Fast…

I`ll be back.

 

 Mont_Blanc_146
 
 
  
PS: Ein Megadank an meine Seilschaft – wir sind grossartig!
 
 
z7Wir waren hier…fast.
 


 
Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

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4 responses to “Mont Blanc – Knapp daneben ist auch vorbei…oder?”

  1. Jenny (die im -Tal mal wieder mit dir Volleyball spielen würde *gg*) says:

    Wow, wow, wow!!!!
    Hoffe doch, dass sich deine Laune wieder etwas gebessert hat!? :O) Auch wenn du es nicht geschafft hast, kannst du stolz auf dich sein!!!
    Du hättest aufjedenfall auch Schriftsteller oder Jurnalist werden können, denn deine Texte lassen sich echt genial lesen!
    Also Kopf hoch und der Berg rennt ja in nächster Zeit nicht weg :O)
    Liebe Grüße
    Jenny

  2. ….Kiwi auf dem Berg. Kiwi im Tal. Egal wo egal wie….bei solchen “Emotionen” braucht man kein Beweis. Kein Bild von oben nach unten!…wenn der “Kopf” es doch versteht….und schon die nächste Idee ausheckt;)
    …und trotzdem.. war er nicht allein;)

  3. Stefan says:

    der kopf versteht…und versteht auch nicht. will es nicht verstehen und versteht es doch…what? confused!

  4. its all about confusion!!! genau darum geht doch!….rausfinden. erfinden. empfinden….

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