Mount Hood

Erst die Fakten, dann das Vergnuegen:

Hoehe: 11,250′ (3,429 m)
Letzter Ausbruch: 1866
Hoechster Berg von Oregon
Zweit meist bestiegener Berg nach Mount Fuji (Japan)

Plan:
simpel. hoch fahren, hoch steigen, runter fahren.

Problem:
weder gab es ein verlaengertes Wochenende noch liegt Mount Hood in unmittelbarer Nachbarschaft. Ganz und gar nicht eigentlich. Ganze 1050 Kilometer nicht um genau zu sein. Spontan wird also ein etwas verwegener Plan erdacht, den es dann Samstag morgens 3 Uhr frueh in die Tat umzusetzen galt.

 

Puenktlich zum Sonnenaufgang passieren wir eine alte Bekannte – Mount Shasta.

 

Ein treuer Begleiter durch die Nacht.

Erster Blick auf Mount Hood.

 

Gleich sind wir da.

 

Nach 11 stuendiger Fahrt durch die Nacht, den ganzen Morgen und bis in den Nachmittag hinein kommen wir bei perfektem Sonnenschein an. Bleibt sogar noch genuegend Zeit um in aller Gemuetlichkeit unsere sieben Sachen zu packen, den Lift aufzusuchen – WIE, WO, LIFT?!? DENK IHR WOLLT WIE MAENNER DA HOCH KLETTERN?

 Aeh ja, stimmt. Allerdings geht die von uns gewaehlte Normalroute direkt durch das Hood Skigebiet, wo es logischerweise auch Lifte gibt. Warum sollte man also nicht – ich meine, man ist ja auch keine unter 30 mehr – warum sollte man sich dies also nicht zum Vorteil machen. Zumal das Liftticket auch nur 15 Dollar oder so oneway kosten soll. SOLL…EIGENTLICH…vollgepackt stehen wir also am Ticketschalter und verlangen unser Mitfahrrecht: “Nee, haben wir nicht. Schon gar nicht mit so fettem Gepaeck! Und ebenfalls nicht fuer 15 Dollar. Ihr koennt gerne das Tagesticket fuer 74 Dollar kaufen?”!

 

Aeh ja, genau. Ist ja auch ein Schnaeppchen. Also nichts mit Faulenzen und Hoehenmeter auf dem Lift sparen, hart arbeiten heisst es fuer die naechsten 2 Stunden. Und zeitlich wird es nun doch knapp, wenn wir noch bei Tageslicht unser Zelt aufbauen wollen.

 
 
Meine Sherpas ;)

 

Wir noch immer nicht am Ziel, dafuer aber die Sonne, das wird eng.

 

Wie demotivierend ist das denn, der 74 Dollar Lift, der uns in weniger als 10 Minuten schweissfrei nach oben gebracht haette, begleitet uns den kompletten Aufstieg – dafuer – wunderschoener Sonnenuntergang.
 
 

Mit dem letzten Tageslicht kommen wir am Kopf des Liftes an und finden auch recht schnell ein einigermassen gerades Fleckchen. Das Licht schwindet jetzt immer schneller. Fast schon perfekt eingespielt steht das Zelt trotz derbem Wind innerhalb kurzer Zeit. Groesstes Problem, die Standard-Billo-Heringe halten im Schnee einfach mal gar nicht, erst recht nicht ein vom Wind angegriffenes Zelt. Gut, dass dieser eisig kalte Wind aber auch den Schnee zu ordentlichem Eis gefrieren laesst, welches wiederum wunderbar die Zeltstricke halten kann. Im Stockdunkeln steht das Prachstueck dann bombenfest mit Eiswaenden vor den Elementen geschuetzt. Jeder Eskimo waere neidisch auf unser Zelt-Iglo.

 

Noch “kurz” Eisschnee zu Wasser geschmolzen geht es auch puenktlich um 8 schon ins Bett – man will ja fit sein am fruehen Morgen ;)

 

Dieser kam dann 2 Uhr frueher als erwartet – oder gehofft zu mindestens. Leider hatten sich Caro ihre Blasen am Fuss nicht wirklich gut erholt ueber “Nacht”, so dass sie recht angefressen und enttaeuscht bereits nach einer Stunde im Aufstieg wieder umkehren musste. BUMMER!

 
Nach ca. 2 Stunden am Berg die ersten Lichtstrahlen des neuen Tages.

 

Crater Rock – definitiv kein toter Vulkan, stinkender Qualm aus dem Inneren zeugt von vielen vielen verdorbenen Eiern.
 
 

Jetzt sollte es spannend werden. Laut Kartenbeschreibung kam jetzt der “Hogsback”, was eigentlich nichts anderes als ein Grat darstellt. Am oberen Ende dessen folgt dann der “Bergschrund”. Schon in einer deutschen Beschreibung waere ich mehr als verwirrt gewesen, was bitte sehr ist denn ein Bergschrund. Da die Beschreibung jedoch in englischer Sprache war, war auch die Verwunderung um so groesser. Wieso nutzen die Amis deutsche Woerter? Und noch viel geiler, wieso nutzen die Amis deutsche Woerter, die nicht einmal von Deutschen verwendet werden. Musste ich also erst einmal googlen was das ueberhaupt ist, nur um fest zu stellen, dass Bergschrund tatsaechlich ein deutsches Wort ist, was – welch Uberraschung “Bergschrund” bedeutet. Zu witzig, versteh ich trotzdem nicht ;))

Jedenfalls, um zum Thema zurueck zu kommen, musste man bei diesem Schrund aufpassen und diesen bestenfalls umwandern um nicht hinein zu fallen. Worein auch immer, weiss ja nicht was es ist…

 

Laut Beschreibung kamen als naechstes die “Pearly Gates”. Bitte unbedingt selbst mal googlen, sehen unglaublich schoen im Winter aus. Nicht, dass wir nicht im Winter hier waeren – gemeint sind Normalschneewinter. Mit Schnee, nicht das bisschen Geflocke was dieses Jahr vom Himmel faellt. In den Gates wird es nur ein wenig steiler, dann erreicht man aber auch schon den Gipfel. Theoretisch.

 

Da bei uns viele Meter Schnee fehlen wird es doch tueckischer als gedacht. Der eiskalte Wind hat noch dazu die Felswaende spiegel glatt geweht, so dass wir gefuehlte 20 Meter vor dem Gipfel umkehren mussten. Fuer Eisklettern waren wir einfach nicht richtig ausgestattet. Sooo aergerlich – den Gipfel zum Greifen nah, man kann ihn bereits mit den eigenen Augen sehen. Eigentlich nur noch 3 Meter ueber einen Felsen klettern, fuehrt aber kein Weg hoch. Der beruehmt beruechtigte Steinwurf reicht aus um uns umkehren zu lassen. Das hat viel Zeit und Kraft gekostet.

 

Um die muehsam erkaempften Hoehenmeter nicht einfach zu verschenken, versuchen wir zum Alternativaufgang, den “Old Chute”, zu queren. Am steilsten Stueck der Strecke reicht bei Manu eine kleine Unachtsamkeit und schon findet er sich auf einer rauschend schnellen Abfahrtsrutsche nach unten. Nach dem dicken Schreck uebernehmen die Reflexe und rammen seine Eisaxt in den Boden. Selbst mit dieser geht es noch ein wenig bergab, doch bald kommt er kreidebleich zum stehen (siehe Fotostory ;)

 
 
1 – am Scheideweg
2 – wir entscheiden uns fuer den rechten Aufstieg durch die Pearly Gates
3 – da diese aber unpassierbar fuer uns sind verzichten wir auf Eisklettern und queren zum “Old Chute” – hier setzt Manu nun seine Abrutschgedaechtnisstrecke ins Eis ;))
 
 
Blick ueber die Schulter am “Hogsback”.
 
 
Ein neuer Tag kuendigt sich an.

 

Mount Jefferson rechts (2. hoechster Berg Oregons mit 10,497`) und die drei Schwestern links neben ihm (auch alle knapp ueber 10,000`).

 

Ta Ta Ta, da ist sie auch schon. Bild der Gegensaetze, fiese dunkle Gletscherspalte im Vordergrund und hinten die wunderbar gluehenden Felsspitzen.

 

Kurz vor den wunderschoenen Pearly Gates…

 

…fuer welche Manu gerade nicht wirklich viel uebrig hat.
 
 
Ich habe bereits Pause und kann sein lustiges Treiben genussvoll beobachten ;)
 
 
Super super vereiste Felswaende. Leider fehlen hier gute 10 Meter Schnee – in der Hoehe , sonst haetten wir einfach durchmaschieren koennen…

 

So muessen wir jedoch wieder zurueck und versuchen zu den Old Chute zu queren.
 
 

… und dann kam die Rutsche. Vor lauter Aufregung, seinem Herz in der Hose und Demotivation durch die verlorenen Hoehenmeter beschliesst Manu nicht weiter aufzusteigen. Ich sitzte noch immer auf meinem schwer erkaempften Hochsitz weit ueber ihm und entschliesse mich die letzten Meter bis zum Gipfel alleine weiter durch zu ziehen. Ich hasse vorher umzukehren. Dank unserer guten Vorarbeit in den Gates was die Hoehenmeter angeht und meinem Glueck diese nicht wieder beim Queren zu verlieren ist der Weg bis zum Ziel auch nicht mehr weit. Dafuer steil. Sehr steil. Das Snowboard noch immer am Ruecken. Doch die geplante Abfahrt geraeht immer mehr in Frage, wenn man sich die knochenharte Eiskruste anschaut. Au weia – ich werde das Board doch nicht umsonst bis hier geschleppt….ach, spaeter.

 

Nach knapp einer Stunde derbem Schnaufens gelang ich auf den Grat. Weitere 10 Minuten spaeter und nach starkem Kampf gegen einen unglaublich fiesen Wind, der besonderen Gefallen daran gefunden hat mein Board am Ruecken hin und her zu schubsen, stehe ich oben – Oregons hoechster Berg ist mein, nur mein, ganz allein mein…

 
 
ridgewolkenWas hier noch wunderschoen anmutet wird oben am Kamm ein fieser Kampf – Wind.
 

Hood WolkenInteressante Wolkenformationen im Tal.

 

Jefferson und die Schwestern immer mit dabei – irgendwann seit ihr auch noch dran…vielleicht ;)

 

Ein Blick zur anderen Seite – rechts Mount Adam und links der viel weiter entfernte, dafuer aber ungleich groessere Mount Rainier (Washington State).

 

GIPFEL!!!!

 

Hood Summit 2360° pures Glueck und wunderschoene Aussichten (klick hier fuer interaktive Rundumsicht).

 

Meilenweit der Hoechste.

 

Ueber den Wolken…ist die Freiheit tatsaechlich grenzenlos!

 

Zeugnis des bitterkalten Windes.

 

Gipfelgrat – bisschen Vorsicht geboten. Besonders mit einem windanfaelligem Board am Ruecken. Aber einfach rumliegen wollte ich es auch nicht lassen ;)

 

Hood SummitLinks der Gipfel, vor mir der Abstieg (interaktiv bitte hier klicken).

  

Getreu dem Motto “the summit is just a halfway point” muss alles, was vorher muehsam erklettert wurde nun auch wieder abgestiegen werden. Leider wird die Vermutung vom Aufstieg nun auch Wirklichkeit – an abfahren mit dem Board brauche ich gar nicht erst zu denken. Unmoeglich. Hat es sich ja wirklich gelohnt das Board bis zum aller letzten Meter hoch zu schleppen. Naja, muss ich halt laufen…

 

Aber wer dachte es geht ja jetzt nur noch nach unten hat schwer geirrt. Denn der fiese Eisbelag hindert mich am Nutzen meiner vorher oft benutzten 7-Meilen-Stiefel: jeder Meter muss rueckwaerts und mit Zuhilfenahme der Eisaxt hinunter geklettert werden. Was dabei auffaellt, Menschen sind definitiv nicht zum Rueckwaertsgehen geboren. Schlimmer noch als bergauf, schnaufe ich mir den Weg nach unten. Vom Schwitzen ganz zu schweigen.

 

Als ich wieder auf Manu treffe, sehen wir die bisher so wunderbar aussehenden Wolken immer weiter den Berg hinauf ziehen. Schon bald ist die sprichwoertliche Hand vor den Augen nicht mehr zu sehen.

 

“Whiteout” – eine der gefaehrlichsten Situationen am Berg: alles weiss, egal welche Richtung. Orientierung chancenlos. Ohne Navi/GPS ist man schnell aufgeschmissen, da natuerliche Referenzpunkte nicht mehr vorhanden sind. Gut vorbereitet wie wir sind haben wir natuerlich ein GPS dabei, treffen aber auch zusaetzlich noch auf zwei andere Blindschleichen mit Navi, so dass wir zusammen dem Berg hinunter kriechen koennen.

 
 
Blaumanu im Whiteout.
 
 

Im Zelt treffen wir auf eine im Schlafsack kuschelnde Caro, vom Nebel und Regen nur entfernt was mit bekommen ;)

 

Richtigstellung: die fleissige Caro hatte bereits unsere Sachen abmarschfertig zusammen gepackt, weil sie natuerlich das schlechte Wetter ankommen sah und nur deshalb im gut gewaermten Schlafsack auf uns warten musste, weil wir im Whiteout etwas laenger als geplant brauchten…

 

Fix wird das Zelt wieder abgebaut, die Ruecken mit dem Uebergepaeck (wir kriegen es einfach nicht hin die Backpacks angenehm leicht zu bepacken) besattelt, das Board unter die Fuesse gespannt (jetzt sind wir ja auch wieder im gepflegten Skigebiet) und die 2 stuendige Strecke vom Vortag rattern wir in 10 Minuten nach unten. Nicht gerade elegant und grazil, das ist mit 20 Kilo Zusatzgepaeck aber auch nicht moeglich, dafuer aber effektiv.

 
 
Waehrend ich mich mehr schlecht als recht mit dem schweren Gepaeck auf dem Board nach unten quaele gibt es schlauere Fuechse, die sich das Leben wesentlich einfacher machen.

 

Unten angekommen ging es wieder 11 Stunden in Richtung Sueden und Nachts um 2 Uhr waren wir auch “schon” wieder zu Hause. Was fuer ein Abenteuer.

So kurz. So unglaublich. So intensiv.

 

Mount Hood summit via South Side (Hogsback) over Timberline Lodge Approach at EveryTrail

 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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