Mount Lassen National Park

Schon zweimal sind wir fast unbeachtet am Lassen Nationalpark vorbei gefahren auf unserem Weg zum Mount Shasta. Jeweils nur kurz im Nebensatz erwaehnt – aber wieso eigentlich???
 
Lassen ist ein kleiner, aber unglaublich feiner Park. Alles zentriert sich um den 3,189m hohen und gleichzeitig suedlichsten noch aktiven Vulkan der USA – Mount Lassen (einer der groessten Lava Dome auf der Erde und mit Mount St. Helens der einzige aktive Vulkan in den Continental USA des 20. Jahrhunderts). 
 
Ein Modell von Vulkan, wie Shasta auch. Nicht ganz so pompoes, protzig und wohlgeformt, aber trotzdem mehr als nur eine Erwaehnung wert. Zwischen 1914 und 1917 hat es hier auch ganz ordentlich gekracht, so dass vom ehemaligen und noch einmal mindestens 300m hoeheren Mount Tehama nicht mehr viel uebrig blieb, sich daraus aber Lassen bildete.
 
 
Nein, keine Atombombe, Benjamin Franklin Loomis hat 1915 diese grandiose Aufnahme knipsen duerfen. Eine riesen Aschewolke, die bis zu 300km weiter oestlich verstreut wurde.
 
 
Also auf, die mueden Fuesse in Bewegung setzen, dem “The Walking Dead” Marathon ein Ende setzen und selbst wieder aktiv werden. So ging es Samstag morgens puenktlich 5 Uhr fluessig ohne grossen Bay Area-Traffic knapp 5h gen Norden bis am Parkeingang erst einmal wieder Buerokratie ueber Naturbegeisterung gewann. “Nationalpark-Pass? Ja hab ich, Moment, allerdings nur in digitaler Form, da der eigentliche Pass gerade sinnlos durch Kanada tourt…hier…guck” – “Nope, koennen wir nur nicht-digital akzeptieren!” Wofuer hat man denn dann den Pass, Mann, naja, dann zahlt man schweren Herzens eben die 10 Dollar ;))
 
Kurz noch Besteigungs- und Parkpermit geholt und schon wurde man auch schon mehr als nur entschaedigt. Folgend “ein paar” Bilder, die leider selbst auch nur begrenzt die unglaubliche Schoenheit wiedergeben koennen.
 
 
Empfang des Gipfels, das so ziemlich erste Bild was man vom Vulkan bekommt ist natuerlich glecich ne Bombe (Helen Lake).

 

Auto abgestellt und los gehts! Leider ein rappel voller Parkplatz, da der Peak-Trail in diesem Jahr aufgrund von Bauarbeiten nur an 4 (vier !!!!) Wochenenden geoffnet ist. Das sich an diesen dann die Massen vereinen war ja eigentlich klar. Glueck, ganz so schlimm war es dann aber doch nicht. Abseits der Mainstream-Wege war davon fast nichts mehr zu sehen.
(PS: die senkrechte Narbe hoch zu den Felsen ist durch nicht genehmigtes Absteigen auf dem “Direktweg” in kuerzester Zeit entstanden, braucht wohl aber Jaaaahre, um wieder zu heilen – so sagt das Schild)
 
 
Die Sonne ballert – wo ist eigentlich die Sonnencreme? Naja, muss auch ohne gehen. Bedeck ich mich eben mit Schweiss…

 

Geiler Mix aus furztrocken und trotzdem noch gruenen “Baeumen”.
 
 
Der Helen Lake dieses Mal von der anderen Seite – auch nicht so schlecht ;)

 

Umgeben von den blauen Bergen…
 
 
…komisch dass ich fast bis zum Gipfel von nun an einen Ohrwurm hatte, Kindergarten laesst gruessen:

 

“Von den blauen Bergen kommen wir
unser Lehrer ist genauso doof wie wir.
Mit ner Glatze auf´m Kopf
sieht er aus wie Omas Topf
von den blauen Bergen kommen wir.

Von den blauen Bergen kommen wir
unser Lehrer ist genauso doof wie wir.
Mit der Kreide in der Hand,
siehr er aus wie´n Elefant.
Von den blauen Bergen kommen wir.”

Ein recht einfacher Gipfel eigentlich. Die knapp 700ft Hoehenunterschied sind auf dem knapp 2.5 Meilen Rundkurs mehr als gut in weniger als 2 Stunden machbar (abgesehen vielleicht von den von links nach rechts wackelnden Fastfood-Jahreskarten Besitzern). Nach knapp 80 Minuten war ich oben, hier waren dann auch ein paar mehr Menschen anzutreffen. Egal, die Aussicht entschaedigt fuer alles.
 
 
Der Krater…

 

…mit Mount Shastas Wolkenschleier im Hintergrund.

 

Mount Lassen Peak – 10,457 Fuss.
Klich HIER fuer 360° Rundblick.
 
 
10,463 Fuss ;)
 
 
Andere Seite – Krater mit Lassen Peak.
Hier habe ich auch zum ersten Mal einen Krater komplett umrunden koennen. Bissel langweilig aber ohne jegliche Lava im Mittelpunkt.

 

Schon geht es wieder runter – hab ja noch mehr vor heute ;)
 
 
Keine halbe Stunde hat dann der Abstieg gedauert – wie witzig wenn man so leicht fuessig dem Hang herunter geschwebt kommt und man dabei die ganzen verschwitzten und nach Luft ringenden Asthmatiker antrifft ;)
Naechstes Ziel sind die geothermischen Quellen des Parkes – Bumpass Hell genannt  – was fuer ein grandioser Familienname. Hat er aber auch wahrscheinlich nicht anders verdient wenn man folgender Geschichte glauben kann:
 
“It is named after Kendall Vanhook Bumpass, a cowboy who worked in the Lassen area in the 1860s. One day Bumpass stumbled upon the area and his leg was badly scalded when it broke though a thin crust above a mud pot. He told his friends and townspeople about it, describing it as “hell.” A newspaper editor was interested in the story and convinced Bumpass to take him to this place. Unfortunately, Bumpass’ leg broke through the crust again – this time it had to be amputated.”
 
 
In allen Ecken unglaubliche Aussichten.

 

Wow, die Ansicht, der Geruch – wer mir jetzt noch erzaehlen will, dass es Zeitreisen oder teletransportables Beamen nicht gibt, der spinnt ganz klar. Kaum um die letzte Ecke abgebogen, die Quellen, die Schlammloecher, das Blubbern, den Qualm gesehen und den Schwefel gerochen – nicht eine Sekunde hat es gedauert und ich war zurueck in Rotorua.

 

Danke Wikipedia fuer diese tolle Erklaerung.

 

Nicht ganz so spektakulaer wie in NZ, aber dennoch recht sehens- und bewundernswert. Die Erde lebt.
 
 
Hier ist definitiv Druck unterm Kessel…

 

Nur fuer die Presse, ganz so schlimm war es nicht…

 

…fuer die Baeume mit empfindlichen Nasen reicht es aber um gelb anzulaufen ;)

 

Ein kahler Fleck inmitten eines sonst dicht bewachsenen Waldes.
 
 
Eine angenehme Abwechslung, wo mir das Gourmet-Mittagessen bestehend aus Sonnenblumenbrot mit spanisch und italienischer Salami, Serranoschinken, Obst und Nuss-Wasabi-Cranberry Mix besonders mundete ;)
 
Aber nach den beiden Hikes zum Gipfel und Bumpass`s Vermaechtnis war natuerlich noch nicht Schluss. Ein Schlafplatz musste organisiert werden. Da alle Campingplaetze entweder ueberfuellt, zu teuer oder einfach zu langweilig waren musste jetzt der grosse Rucksack her und es ging ab ins Backcountry.
Natuerlich haben die Amis auch hier ganz genaue Vorstellungen und Vorschriften von dem, was denn weit abseits der Zivilisation so alles gemacht, oder besser nicht gemacht werden darf. Hier ein Auszug:
  • Camping is prohibited within 1/2 mile of any developed area or park road open to vehicular traffic, except in designated campgrounds. 
  • Camping is prohibited within 1/4 mile of any hydrothermal feature. 
  • Camping is prohibited 1/4 mile in all directions of the following features: BLABLABLA!!!
Als ob sich das jemand bildhaft vorstellen kann. Aber zur besseren Ansicht gibt es ja hier auch noch eine erklaerende Map mit Bildern dazu ;)
Als ob einer der dicken Ranger sich hierher verlaufen wuerde…tzzzz.
 
 
Die ganze Zeit mit Blick nach vorne gewandert, kaum dreht man sich um lunzt Herr Lassen immer wieder durch die Baeume durch…

 

…hier auch.

 

Ab jetzt war ich in der kalifornischen Seenplatte unterwegs. Ein See reiht sich an den naechsten.
 
 
Nach etwa 5 Kilometern war ich dann ganz sicher weit genug entfernt von den Verbotsplaetzen, hab mein Zelt aufgebaut und die gute alte Truthahn-Chili-Dose genossen…mhhhhhh.
 
 
So kann er Tag doch ausklingen. Noch ein kurzes Bad genommen und ab ging es in die Heia. Essen war natuerlich ordnungsgemaess versteckt oder aufgehangen…nicht. Ups.
 
 
Die Nacht war leider etwas unruhig. Ob es an dem nachlaessigen Verstauen des Baerenfutters lag, an der Neigung des Hanges in Kombination mit meiner Rutsch-Isomatte oder den ganzen Schauergeschichten im Yosemite und hier rund um das Thema: boeser Baer bricht ueberall ein und zerstoert sogar Autos, wenn er auch nur ein bisschen Zahnpaste mit Schinkengeruch aufspuert – man weiss es nicht. Gut, dass der naechste Morgen bereits kurz nach 6 wieder anbrach.
 
 
Der neue Tag kann beginnen. Am besten genau SO!

 

Die ersten Sonnenstrahlen kaempfen sich durchs dichte Geholez. Hier koennen sie es noch…

 

…denn keine drei Meter weiter betrete ich den abgebrannten Bereich des Parks, wo es erst im letzten Jahr ein riesen Feuer gab, dass wochenlang “kontrolliert” genutzt wurde um im Wald mal wieder so richtig aufzuraeumen.

 

Kahler Baum vs. gruener Kleinsee – krasser Gegensatz.
 
 
See an See – und keine Menschenseele.

 

Dieses Wanderzeichen scheint hier schon etwas laenger zu haengen ;)

 

Jetzt muss ich zuschlagen, man kann an diesen unglaublich einsamen Seen ja nicht einfach immer nur vorbeilaufen.

 

Und so schmeckt es gleich halt nochmal so gut.

 

Beim Seepferdchen waere ich mit vollem Bauch jetzt wohl durchgefallen.
HUUUUIIIIIIIIIIII…

 

Alt vs. Neu.
 
 
Mein letzter See im Backcountry. Das Mitzaehlen habe ich bereits seit Langem sein lassen.
 
 
Wer ganz grosskotzig die Sonnencreme vergisst muss sich bei Temperaturen knapp unter 40 Grad halt was einfallen lassen. Und so wandert man die ganze Zeit eben mit einem bekloppten Handtuch ueber den Schultern.

 

“Manzanita Lake” als kroenender Abschluss. Der Sonntags-Abreiseverkehr motiviert noch mehr zum ausgedehnten Verabschieden.

 

Letzter Blick auf Mount Lassen. Obwohl – ganz ganz sicher wird es nicht der Letzte sein.
 
 
Knappe 32 Stunden habe ich diesem wunderschoenen Nationalpark vebracht. Hoert sich erstmal laecherlich an. Durch die schiere Masse an unterschiedlichen Naturschauspielen, Wanderungen, der schier endlosen Zahl an Seen, Schlaf- und Essenspausen kommt es einem aber eher wie eine Woche vor. Also doch – wenn schon nicht Beamen oder Zeitreisen so glaube ich ab heute ganz fest an den Zeitdehnungs-Apparat.
 
Ein grandioses Wochenende – da nimmt man auch die 10 Stunden An- und Abreise gerne in Kauf. Zumal es sich hier um die perfekte Vorbereitung gehandelt hat fuer das, was bald kommen wird…ganz bald…wenn das Wetter passt ;)
 
Bis dahin,
Euer Kiwi
 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

Latest posts by Stefan (see all)

Related Post



Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *