Nicaragua

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Nach unserer Blitz-Durchreise von Honduras, die uns ganze 3 Stunden, inklusive Fussballgucken in einer Tankstelle, gekostet hatte, haben wir für Nicaragua nun knappe 3 Wochen Zeit. Auch nicht unbedingt super viel, aber ausreichend fürs Erste.

 

Somoto Canyon

Der erste Stop war im Somoto Canyon, der erst 2006 als National Monument ernannt wurde und sich auch dementsprechend noch nicht wirklich bei den Touristen herum gesprochen hat. Gut für uns, so hatten wir wenigstens unsere Ruhe und konnten die Aussichten für uns alleine geniessen.

Auf unserem “Hike” sind wir dann auch nur auf 3 Locals, 2 andere Deutsche, 1 Esel und 2 Schweine getroffen. So gefällt uns das, fernab der Massen ;)

 

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Der Einsiedler

Der nächste Stop war ein wirklicher Geheimtip. So dachten wir. Mittlerweile hat er es aber auch in die neueren Fassungen des Lonely Planet geschafft (nicht die völlig veraltete 2nd-hand Version mit der wir reisen). Hat er sich aber auch redlich verdient.

Die Rede ist von Alberto Gutierrez, dem wohl bekanntesten Einsiedler von Nicaragua. Seine Legende geht in etwa so:

Alberto ist stark alkoholabhängig und trifft vor 30 Jahren in einem seiner Träume (wahrscheinlich auch wieder unter recht starkem toxischen Einfluss) Jesus. Persönlich. Seit dem ist er trocken und haut JEDEN Tag von 9-12 Uhr seine Eingebungen in den Stein hinter seinem Haus. Guter Trade für ihn, da er tatsächlich weg von der Droge gekommen ist und uns ganz wunderbare Strukturen und Zeichnungen hinterlässt. Eintritt nimmt er für den rund 2-stündigen Rundgang mit SEHR ausführlichen Erklärungen keinen, über eine kleine Spende freut er sich trotzdem. Die Tour wird einem sogar noch durch unzählige super-reife Mangos versüsst. 

Sein Nachbar, der alte  Schelm, hat das Spiel mit dem Geld leider auch durchschaut und nimmt für jeden Gast von Alberto ebenfalls einen kleinen Spendenbeitrag, weil die Besucher ja durch seinen Garten müssen um zu Alberto zu kommen ;) 

 

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Und dann endlich mal wieder ein bisschen Zeit für Vulkanbesteigungen. Nachdem wir in Guatemala schon mal einen kurzen Wahn bekamen ging es hier munter weiter.

 

Telica: 1,061 m (3,481 ft)

Zuerst Vulkan Telica. Quasi als Aufwärmprogramm für Weiteres. Telica war top. Super schöne Aussichten. Halbaktiv. Einfach (fast komplett mit Morrie befahrbar) und nahezu unbesucht. Wir erreichen den Berg und treffen auf nur noch eine andere Gruppe, die uns ein wenig den Weg erklären kann. Allerdings noch nicht für heute. Erst schlagen wir unser Nachtlager auf (Morrie), sammeln Holz und starten das Lagerfeuer. Auf dem Speiseplan: Original Thüringer Bratwurst.

Ja, richtig gehört.

Original Thüringer Bratwurst.

Caros Schwester hatte uns dieses unerwartete Geschenk aus Deutschland mitgebracht, als sie uns knapp 3 Monate zuvor (ja, richtig gerechnet, die Würste sind somit auch bereits 3 Monate alt!) in Mexiko und Kuba besuchte. Wie??? Natürlich ganz natürlich verpackt in der guten alten Konservendose. Die Idee lag, wie sollte es auch anders sein, im Kopfe des Papa Dresslers! “Ihhhhhgittifuuuiii”, denken jetzt sicher einige. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, Würste aus der Dose und mit dieser Knalleraussicht schmecken wirklich (!!!) fast original nach “Original Thüringer Bratwürsten”. Vielleicht war es aber auch die Höhenluft. Lecker wars, ganz dickes Danke, Nana. Danke, Jürgen. Danke, Ina.

 

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Gegen 3 Uhr in der Früh ging dann der unchristliche Wecker, der mich aus dem tieftsen Bratwursthimmel rief. Aber wer einen aktiven Vulkan in all seiner Schönheit bestaunen will, sollte sich definitiv nicht von den Kuschelmonstern im Bett zurückhalten lassen.

Also geht es bei nächtlicher Kälte und halb verschlafen knappe 40 Minuten dem Berg hinauf (ich sags ja, einfach), bis wir wortwörtlich an der Kante des Kraters stehen, dicht umgeben vom stinkenden Schwefelnebel. Ab und an wird selbst dieser vom Winde verweht und gibt Aussicht auf ein unglaubliches Naturphänomen. Wer selbst noch keine rot glühende Lava spucken gesehen hat, kann sich einfach nicht vorstellen, was für ein unglaublicher Anblick das ist. Einfach WOW. Zusammen mit den Geräuschen, dem Schwefel und dem Sternenhimmel ein fantastisches Erlebnis. Und das zum absoluten Nulltarif in privater Vorführung. Nur für Caro und mich in der ersten Reihe.

 

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Vom Vulkan aus ging es direkt wieder zum Strand, um abermals ein wenig an unserem Surfen zu arbeiten. Was für ein Kontrastprogramm. Vom stinkenden Lavanebel hin zur salzigen Seeluft. Auch Yoga durfte natürlich nicht fehlen. Wie immer aber wieder nicht für mich. Bin ja zu faul. Ich gebe mich dann lieber meinem Kindle hin (da hatte ich ihn noch ;(

 

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Masaya: 635 m (2,083 ft)

Nach Telica und Strandleben folgt auch schon der nächste Vulkan. Müssen ja unserem Motto treu bleiben: Let’s play on top :)

Der wahrscheinlich bekannteste Vulkan Nicaraguas. Hat er sich aber auch absolut verdient, so aktiv wie der Kleine seine Spuren im Himmel (besonders bei Nacht) hinterlässt. Ein Wort:

G R A N D I O S

So froh, dass wir der anfänglichen Sparlaune doch nicht nachgegeben haben und den Eintritt gezahlt hatten (mh, ok, halb bezahlt, da Caro irgendwie doch nach aussen hin nicht sichtbar auf dem Rücksitz “vergessen” wurde).

 

nicaragua 39 nicaragua 40Ein Nachtlager, was die Vorfreude auf den eigentlichen Bestieg ins Immense steigert.nicaragua 41 nicaragua 42 nicaragua 43Ein aktiver Lavavulkan zusammen mit stundenlangem Trockengewitter. Was will man mehr?!?nicaragua 47Leider nur ein paar mediokere Handwackel-Bilder, die definitiv nicht einmal im Entferntesten die Schönheit und Abgefahrenheit der Szenerie wiedergeben.nicaragua 48nicaragua 44Apoyo Lagune ganz in der Nähe.nicaragua 45Kleiner Freund an Caros Fenster. Immer für eine kleine Schrecksekunde zu haben.
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Ometepe

Auf Ometepe, der grössten Insel des grössten Sees von Nicaragua (puh, Grössenwahn), hatten wir einige Tage Zeit einfach nur mal nichts zu tun. Falls doch, dann sind es die beiden Hausberge der Insel geworden, die trotz sehr beschissenem Wetters beide bestiegen wurden. Auch wenn die Motivation manchmal fragwürdig war, wieso man nur stundenlang einem Berg hinauf hechelt, nur um dann auf dem Gipfel genau NICHTS zu sehen. Aber egal. Guter Sport und gute Abwechslung vom ruhigen Strandleben.

 

nicaragua 52 nicaragua 53 nicaragua 54Unsere Nachbarn der folgenden Tage.nicaragua 55 nicaragua 56Ein ´kleines´ Gewitter zieht auf.
 

Vulkan Maderas (1,394 m) und Vulkan Concepción (1,610 m)

Maderas, der kleine Bruder zu unserer Linken, hat nicht wirklich einen Gipfel. Beziehungsweise, einen Gipfel hat er schon, nur ist er unter dem kaum durchdringbarem Dschungel kaum erkennbar. Plötzlich geht es nur wieder bergab, hinein zum (super schlammigen) Kratersee.

Auf dem Rückweg gab es eine dicke Überraschung für uns. Eine sehr feuchte, denn es kübelt wie aus Eimern. Unser Kajak hätte uns bei den sintflutartigen Regengüssen besser geholfen. Der Weg war ein reinster Fluss. Kein Stückchen Mensch blieb trocken. Ein gutes hatte es, das Wasser floss gemäss der Erdanziehung artig nach unten. Selbe Richtung wie wir ;)

Der grosse Bruder, Vulkan Concepción macht Ometepe zur wohl höchsten See-Insel (was auch immer das bedeuten soll). Aber, interessanter, er ist gleichzeitig auch der am perfektesten geformte Vulkan in Zentralamerika (wer auch immer das bestimmt hat). Jedenfalls packt mich ja immer der Gipfelwahn wenn Vulkane in der Nähe sind. Caro mahnte schon am frühen Morgen, mit wissendem Wetterfrosch-Blick, dass das wohl eher ein Griff ins Klo wird. Aussichtentechnisch war es das dann sicher auch, da wir einfach nichts, gar nichts gesehen haben. Stundenlanges bergauf keuchen um dann mit einer Nebelwand belohnt zu werden. Aber, gutes Training für den Knackarsch war es trotzdem ;)

 

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Vulcan Concepcion No ViewsNo views, no rewards?Ometepe trash#letsplayontopandkeepitclean
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Nachdem wir fast schon selbst als Locals an unserem Strandabschnitt angesehen wurden, sind wir dann aber schweren Herzens weiter. Kurz vor der Grenze zu Costa Rica mussten wir aber doch noch einmal schnell die Boards vom Dach holen. Belohnt wurden unsere Schleudergänge mit den unglaublichsten Trockengewittern direkt vor geöffneter Heckklappe.

 

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Nicaragua, genau wie Guatemala, war eine absolute Überraschung, mit der wir vorher nicht wirklich gerechnet hatten. Die Natur war der Knaller, Menschen super freundlich und die lavaspeienden Vulkane einfach nicht von dieser Welt.

 


 

Stefan

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Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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