North Cascades National Park

Mal wieder hat es mich nach Seattle verschlagen. Nachdem ich allerdings mit Caro die Stadt schon ganz gut kennen gelernt habe und auch Mount Rainier in diesem Jahr ordentlich und erfolgreich bearbeitet wurde mussten dieses mal neue Ziele herhalten. Jonathan, ein neuer Kunde den ich dieses Jahr getroffen habe, hatte mir einige Insider Wandertips gegeben. Zum einen sollte es tief in den Olympics Mountain Nationalpark gehen. Andere Ziele gab es in und um den North Cascades National Park. Da Seattle gerade im November sehr fuer seine hohen Niederschlaege bekannt ist und von den Olympics sogar noch uebertroffen wurden habe ich mich auch auf Grund der leichteren Anreise fuer den North Cascades National Park entschieden.

Die Landung in Seattle haette zeitlich nicht besser getimt werden koennen. Direkt mit dem einsetzenden Sonnuntergang setzten wird auf der Landebahn auf. Leider bedeutet dies aber auch, dass mit dem ganzen Mietwagengedoens und Innenstadtverkehr nicht mehr allzu viel Tageslicht ueberig blieb, als ich die Grenzen der Stadt verliess. Dann lieber doch gemuetlich ein paar frisch gekaufte Weintrauben verputzt und den Rushhourverkehr ausgesessen.

Nach gut 3 Stunden Fahrt bin ich dann irgendwann an den aeusseren Raendern des Nationalparks angekommen und habe mir etwas abseits der Strasse an einem frischen Gebirgsbach mein Schlafplatz gesucht. Auf Grund des sehr begrenzten Gepaeckangebotes habe ich gaenzlich auf mein Zelt verzichtet und es mir schoen bequem in meinem Minikia gemacht. Sleepingpad sei Dank war es auch echt bequem, nur kalt, da ich mein -40°C Waermemonster auch zu Hause gelassen hatte.

 

north cascades np 01

 

Nach einer etwas kuehlen Nacht ging es bereits 5 Uhr in der Frueh zum Trailhead meines ersten Zieles, dem Cascade Pass. Nicht wirklich ueberraschend war ich nach knapp einer Stunde holperdiepolter Fahrt der Erste am Parkplatz und hatte den ganzen Aufstieg (ein paar Daten einfuegen!) fuer mich alleine.

Kurz noch eine Erklaerung zur Fotoqualitaet – da mein Fuechschen gerade ausgiebigst in Neuseeland unterwegs ist und auch meine Kamera dort den wunderschoenen Landschaften aussetzt habe ich aktuell nur meine Gopro (die ich auf diesem Trip nur sinnloserweise mitgeschleppt hatte) und mein Telefon am Start. Den guten alten (und zurecht beinah ausgestorbenen) point-and-shoot Kameras koennen moderne Smartphones Gott sei Dank ganz gut das Wasser reichen (ich bin ja mal gespannt wann die Techniknerds das erste mal einen full frame Sensor in so ein Teil pressen werden – sollte der aktuelle Trend jedoch weiter gehen und Telefone auch weiterhin immer groesser werden sollte dies bald kein Problem mehr sein – Thema Tablettelefonie). 

 

north cascades np 02Die Sonne kommt und mit ihr die ersten waermenden Strahlen. 
north cascades np 03Blick voraus.
north cascades np 04Blick zurueck.

north cascades np 05

 

Kaum am Pass angekommen schon die naechste Entscheidung: 

  • soll ich bereits umdrehen um anderen Teilen des Parks Aufmerksamkeit zuweisen zu koennen

  • gehe ich weiter zum Gletscher “”???? Sind nur 2.5 Meilen, allerdings allesamt bergab (was im Umkehrschluss bedeutet, dass ich diese am Ende auch alle wieder bergauf laufen muss)

  • oder ziehe ich kurz den naechsten Gipfel entgegen und checke, was sich auf der anderen Seite befindet?

Nach kurzem Hin und Her im Kopf ging es auch schon steil nach oben dem naechst hoechsten Punkt entgegen.

 

north cascades np 06north cascades np 07So unwinterlich wie es bisher war (fast schon enttaeuschend), so krasser wurde es mit jedem neuen Hoehenmeter. Hier ein kleiner Gebirgsbach, dem ich mich hinauf gearbeitet habe.
north cascades np 08Pures Eis dann am “Gipfel”, der natuerlich keiner war sondern nur der Startpunkt zu weiteren fake Gipfeln, die dann wiederum irgendwann zum eigentlichen “” gefuerht haetten. Zu viel fuer mich und meine schlechte Ausruestung an diesem Tag – die erweiterte Aussicht habe ich aber dankend mitgenommen.
north cascades np 09north cascades np 10north cascades np 11north cascades np 12north cascades np 13north cascades np 15Hunderte kleine Wasserfaelle zeugen von den erst kuerzlich runter gekommenen Wassermassen. Muss ich wohl gluecklicherweise knapp verpasst haben.
north cascades np 16north cascades np 17north cascades np 18“Lake Diablo”.

north cascades np 19north cascades np 20north cascades np 21

 

Thema Wasserfaelle: wo auch immer das Auge hinschaut, ein Wasserfall ist nicht weit entfernt. Ob grandios hoch oder klein und niedlich flach, zu sehen waren sie wirklich hinter und vor jeder Ecke. Ein wahres Schlaraffenland fuer Wasserfaelle.

 

north cascades np 22north cascades np 23north cascades np 24north cascades np 25

 

Die Tage sind hier so weit im Norden Mitte November super kurz. Spaetestens um Vier sollte man sich hurtigst auf die Suche nach einem Schlafplatz machen, moechte man vermeiden direkt neben der Strasse schlafen zu muessen und den lieben Herrn Rangern ein leichtes Opfer darzubieten. Mich hat es wieder ausserhalb des Parks verschlagen gut eine Stunde auf einer Schotterstrasse nach Norden kaempfend um doch noch in den Genuss von Mount Baker (???) und Shuksan zu kommen. Nur all zu gerne haette ich direkt eine Besteigung angeschlossen – aber auch hier wieder das leidige Thema der unpassenden Ausruestung (jedoch habe ich jetzt mitbekommen, dass Southwest ohne Aufpreis (!) die Mitnahme von 2 (!!) Eincheckgepaeckstuecken zulaesst, das sollte doch fuers naechste Mal fast ausreichen). So musste ich mich mit der wunderschoenen Ansicht und den Kopftraeumen einer Besteigung zufrieden stellen.  

 

north cascades np 26north cascades np 27north cascades np 28north cascades np 29Mount Shuksan.
north cascades np 30north cascades np 31north cascades np 32Mein kleines aber feines Nachtgemach.
north cascades np 33north cascades np 34Hier wuerde ich auch gerne Holzhacken.

 

Sonntag habe ich dann nicht den direkten Weg zurueck nach Seattle genommen, regnet dort ja eh wie aus Eimern, sondern bin den “Mountain Loop” abgefahren. Da dieser 40 Meilen Umweg aber bereits nach 5 Meilen auf purem Schotter weiterfuehrte und ich dank Nebel und Regen einfach mal gar keine Fernsicht (Nahsicht auch nicht wirklich) hatte habe ich diese Entscheidung fuer einen kurzen Augenblick hinterfragt. Als dann auch am Pass von den wunderschoenen und namensgebenden Bergen nichts zu sehen war hatte ich die Hoffnung bereits aufgegeben und mich voll und ganz dem Rauschen im Radio (hier im Hinterland gab es nicht einmal mexikanische Volksmusik oder Labersender, die einem sonst immer bis in die entlegendsten Ecken begleiten) und meinen super leckeren Weintrauben gewidmet.

Zack – was stand da gerade am Schild – “Ice Caves”, von diesen hatte ich in meiner “intensiven” Recherge kein Wort bisher gelesen. Eine verregnete hilflose Frau kurz nach Sinn und Unsinn der Hoehlen gefragt, “ja, sollen ganz gut sein”. Mh, tolle Aussage, aber viel verlieren kann ich ja eh nicht und ein bisschen Abwechslung koennte ja vielleicht wirklich nicht schaden. Also kurz die Regenklamotten ausgekramt und ab auf den 1 Meile Zubringer.

 

north cascades np 35

 

Und dann so etwas, das habe ich beileibe nicht erwartet. Dank der reisen Felswand und Nordausrichtung kommt in diese Ecke des “Gletschers” nie wirklich so richtig Sonne. Ergebnis, auch im Sommer schmilzt das Eis nicht weg, wird aber von den massenhaftem Tauwasser ordentlich ausgespuehlt. Das Ergebnis ist ein sich jaehrlich, oder besser monatlich ja sogar taeglich aenderndes Hoehlensystem, durch welches das Tauwasser abfliessen kann. – noch ein paar Fakten zur Hoehle.

 

north cascades np 36Meterwiese pures Blaueis.
north cascades np 37north cascades np 38north cascades np 39Am Ende wird man dann noch mit einem wunderschoenen Wasserfall belohnt, unglaubliches Zauberland,
north cascades np 40north cascades np 41north cascades np 42Gewisse Aehnlichkeiten sind nicht abzustreiten.
north cascades np 43Ok, Gefahr durch Steinschlag (oben) sehe ich ein. Einbruchgefahr (unten) ebenso. Aber das witzige Rutschmaennchen im mittleren Bild ist nicht gerade als abschreckendes Beispiel zu gebrauchen…huiiiii.

north cascades np 44

 

Wie begonnen so zerronnen – oder so aehnlich. Ein wunderschoenes maximal intensives Wochenende in einem fuer mich noch unbekannten Nationalpark mit einem kurzen, aber knackigen Passbestieg, tollen Aussichten und Anfuetterung fuer mehr durch Mount ??? und einem Ueberraschungshit in den Eishoehlen, besser haette ich es mir in der ersten Nacht im kalten Kia fast selbst nicht ertraeumen koennen.

 


 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

Latest posts by Stefan (see all)

Related Post



2 responses to “North Cascades National Park”

  1. DerWaitz says:

    geiles Ding Großer!
    Hoch, rein, raus, runter!
    Olympic ist definitiv auch eine Reise wert! Hast ja noch ein paar freie Wochenende!
    Wann wird das Snowboard ausgegraben?

    Weiter so!

  2. admin says:

    snowboard steht bereit, der erste schnee kommt auch so langsam. dieses jahr wird die entscheidung schwer, altes und gewohntes snowboard oder neues splitboard ;)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *