Panama

panama map

 

Panama hatte mir bereits seit Langem Bauchschmerzen bereitet. Zwar konnten mexikanische Schneeberge und Cenoten, guatemaltekische Vulkane, salvadorische Surfwellen, nicaraguanische Lava und costa-ricanische Traumstrände mich ein wenig davon ablenken (Ablenkungsrate ca. 99.99%), allerdings war dieses miese-fiese-Ding immer irgendwo präsent in meinem hintersten Hinterkopf. Was aber genau?

Der Darin Gap. 

Oder auch Darian Graben auf gut Deutsch.

Die Panamericana, hier klafft eine eklatante Lücke zwischen Wikipedia Theorie = längste durchgehende Strasse der Welt, und der grausamen Realität = grösste nichtdurchgehende Lüge. Denn in Panama gibt es jenen Graben, den Darian eben. Ein knapp 100 Kilometer langer Bereich, der dank dichtestem Dschungel und heimischen Guerillas absolut nicht zum Durchfahren für Overlander geeignet ist. Schlimmer noch, ohne Vorhandensein von Strassen ist es ohne Winde, Motorsäge und viel viel Ausdauer eh nicht möglich den Abschnitt auf eigene Faust zu durchqueren. Wie gesagt, dank der Drogen-, Aussteiger- und Freiheitskämpferjungs wird es ohne eigenem Secret Service Team definitiv auch nicht empfohlen.

Umweg -> Seeweg.

Aber der Reihe nach.

 

Boquete

Bouquete ist DIE “Adventure Stadt” von Panama. Hier findet man alle geführten Touren, die man sich als “Adrenalinjunkie” nur vorstellen kann: Vulkanbesteigungen, Wasserfälle, Dschungel, Zipline (jede Stadt, die sich irgendwie “Adventure Town of the year” nennen will sollte diese sinnlose Geldrausschmeisserei Sache im Programm haben), Fels-Klettern, Quad, etc. etc.

Zuerst machten wir uns auf die Suche der “Lost Waterfalls” oder auch “Hidden Falls”. Aber dies kann eigentlich nur ein schlechter Witz sein, da JEDE Touragentur auch diese Wasswerfälle im Programm hat. So versteckt können sie also nicht sein. Waren sie dann auch nicht. Kurz nach Ladenschluss, ich wusste nicht dass auch Wasserfälle Öffnungszeiten haben, fanden wir sie nach “intensiver” Suche dann doch und durften nach Caros freundlichstem Augenzwinkern noch auf den rund 2 Kilometer langen “Hike”. Nacheinander offenbarten sie sich dann im dichtesten Dschungel. Ok, kann man mal gesehen haben, aber auch nichts atemberaubendes. Ist halt auch irgendwie das Problem wenn man im letzten Jahr gefühlte 2348 Wasserfälle besucht hat. Luxusproblem.

Das Thema Wasserfällesuchen ist eh immer ganz spannend. Gleichbedeutend meistens nämlich auch mit der Suche nach der nächsten Dusche. Ihr fragt uns ja immer wie wir das denn immer so machen – das Thema mit der Hygiene. Here you go.

Wasserfall + dreckiger Körper = sauberer Körper

panama 1
panama 2
panama 3
panama 4Ihr fragt ja immer wie wir duschen…

 

Volcán Barú

Natürlich darf auch in Panama das Thema Berge nicht zu kurz kommen. Was ist da nicht passender, als nicht gleich wieder den Höchsten auszuwählen. Zack, geht es im Stirnlampenschein einer uralt- und selbst für Morrie zu krass holprigen Militärstrasse Dr. Lochmann Strasse (so nannten wir solche Strassen immer als Kinder) hinauf, bis wir pünktlich zum Sonnenaufgang den Gipfel auf 3,475 m (11,401 ft) erreichen.

Barú ist ein wenig einzigartig mit seinem Panorama. Es gibt nicht viele Orte, an welchen man die Karibik UND den Pazifik gleichzeitig beobachten kann. Beides liegt einem quasi zu Füssen. Schon grossartig.

 

img 3077Die letzten Meter kurz vor dem Gipfel mit viel Farbe geschmückt.panama 5Caro fast am Ziel. Der Schein der Stirnlampe wird durch den Schein der knallorangenen Sonne ersetzt.panama 6Der Schatten geht…panama 7…die Sonne kommt. Zur Linken der Pazifische Ozean, zur Rechten das Karibische Meer.img 3086

 

Los Cangilones de Gualaca

A.k.a. der Mini-Canyon von Panama. Das war witzig. Ein mini kleiner Canyon von vielleicht 150 Metern Länge und einer Tiefe von maximal 5 Metern. Wenn, ja wenn es gerade nicht regnet. Wir hatten das Glück, oder wie man es auch nennen mag, dass ein relativ kurzer Monsunregen vorüberzog, hat sich gar nicht so krass angefühlt im Auto (wie halt alles was draussen passiert so ziemlich egal ist im Auto ;) Jedoch erreichen wir zum zweiten Mal den Canyon (nach besagtem Extremregen) und stellen fest, er ist weg!!! Kein Canyon mehr zu sehen. Nur ein reissender Fluss, der an die besten Zeiten der Apfelstädt im Jahre 1981 erinnert (wer es nicht kennt, eine der grössten Überschwemmungen in der Geschichte Georgenthals). Kein Canyon jedenfalls.

Fast Forward und eine interessante Nacht später (inklusive Besuch der örtlichen Jugend mit dem absolutem Drang unbedingt direkt NEBEN Morrie ihre Reggeton Party feiern zu müssen. Mich wunderts ja, dass sie nicht auf Morrie gesprungen sind.) und ZACK – der Canyon ist wieder da als sei nichts gewesen. Top. Witzig.

 

img 2982Hier ist der Canyon.img 3027Klippenspringen.
panama 8 Canyon weg.panama 9Canyon da. 

 

Ganz nebenbei und durch Zufall entdecken wir eine der interessantesten Felsformationen, die zusätzlich auch noch freigegeben ist zum Klettern. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Gurt und Schuhe raus, ab an die Wand. Gemanagt wird die Wand von dem Deutsch-Panamesen Christian, der in der Stadt auch noch eine mini-süsse Boulderhalle betreibt (die tagsüber allerdings ein wenig mit Treibhauseffekten zu kämpfen hat). In den USA gibt es eine ähnliche Ansammlung von diesen Gesteinssäulen im “Devils Postpile National Monument” wo es natürlich undenkbar wäre direkt am Felsen zu klettern. Hat sicher Vor- und Nachteile. Klettern an diesen Säulen ist der absolute Oberknaller und macht super Laune. Allerdings zeugen Grafitti-Kritzeleien auch wieder von Deppen, die einfach nicht wissen wie man mit der Natur umzugehen hat.

 

img 3082Spiderwoman.img 3050Absolut spannend den Säulen nach oben zu folgen. Hier Rothelm gegen Blauhelm.

 

Panama City

Von Boquete ging es dann ohne grosse Zwischenstops ins knapp 500 Kilometer entfernte Panama, der Hauptstadt von…na…Panama ;)

Hier hatten wir, bevor der eigentliche Stress der Verschiffung losging, ein paar Tage Zeit um so richtig schön Tourist zu spielen und die süssen disneyworldähnlich hergerichteten Strassen der Altstadt erkunden zu können. Es wirkt schon fast zu schön, zu sauber und zu sehr hergerichtet. Wie ein Theme-Park eben. “Herzlich willkommen in Panama. Bitte begleiten Sie uns auf der Tour durch die soeben fertig rennovierten Gassen der Altstadt”.

Am krassesten wirkt dann der Gegensatz zu den eigentlichen Bewohnern von der Stadt. Wir fahren eine völlig überfüllte Doppelstrasse entlang, biegen kurz ab, 2 Minuten vorbei an Slum-artigen Welchblechbuden, noch eine Kurve und plötzlich ist die Strasse gesperrt. Wir werden durchgelassen, lokale Autos nicht. Komisch. Auf einmal sind die Löcher in den Strassen verschwunden und durch feinstes Pflastergestein ersetzt. Wie auf Knopfdruck ändert sich das Stadtbild um 180 Grad. Die Wellblechbuden wandeln sich schlagartig in hübsche alt-historische und bunte Kolonial-Fassaden. Fehlt nur noch dass man Eintritt zahlen muss. “Willkommen in Casco Viejo, der Altstadt nur für Touristen. Keine Angst, hier werden Sie garantiert keinen Lokalen über den Weg laufen, hier sind Sie schön unter sich.”

 

panama 11 panama 12 panama 13Aus UNESCO denkmalrechtlichen Gründen muss bei Renovierungsarbeiten die Häuserfront erhalten bleiben. Als Resultat steht dann aber auch nichts mehr von alleine. Ein lebloses Skelett, dass ohne helfende Stützen nicht mehr von alleine halten würde. Vorne schönster Altbau, innen hohl.panama 14 Aussen historische Kirche, innen nichts.panama 16 panama 17Altstadt vs. Finanzviertel.panama 19 panama 20Eine der witzigsten (und sinnlosesten?) Umgehungsstrassen die ich je gesehen habe. Die Altstadt wird von einem Strassenring umgeben, der definitiv KEINE Entlastung für die engen und überfüllten Strassen der Innenstadt bringt, dafür aber Nachts ganz leicht übertrieben beleuchtet wird. panama 22Puente de las Américas über dem Panama-Kanal.

 

Karibik

Um den anstehenden Behördengängen der Verschiffung noch ein wenig zu entgehen, ging es noch ein letztes mal an das karibische Meer zum Beinehochlegen. Wahrscheinlich das letzte Mal in Zentralamerika. Und auf der Fahrt nach Norden passiert es plötzlich. Ganz unerwartet. Ganz wunderbar. Unser erstes ganz ganz nahes Faultier. Live. In seinem eigenen Lebensraum. Als es uns erspottet spurtet es augenblicklich den Baum hinauf in Sicherheit. Vor lauter Schreck durch die pure Schnellkraft und Geschwindigkeit des Faultiers bleiben mir nur wenige Stunden um 125 Aufnahmen von der raketenhaften Flucht zu schiessen ;)

 

panama 23panama 24 panama 25Gefühlt im Garten dieses Ferienhauses haben wir unser Nachtlager aufgeschlagen.
panama 26Santiago Battery.panama 27Panoramablick über die “Bahia de Portobelo”.panama 28Ist das nicht DAS “Fluch der Karibik” Filmset?panama 29 Fehlt echt nur noch ein herumtorkelnder Johnny Depp ;)panama 30Strategisch auf jedenfall gut platziert.

 

Panama Kanal

DAS Wahrzeichen Panamas. Ganz interessante Geschichte noch dazu.

 


Achtung, jetzt wird es kurz nerdig:

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Franzosen Pläne den Pazifik mit dem Atlantik zu verbinden. Durch ingenieurstechnische Probleme mussten diese jedoch wieder aufgegeben werden. 1904 übernahmen dann die USA den Bau (na Gott sei Dank), den sie 1914 fertigstellten. Die eigentliche Umrundung des Kap-Hoorns war somit überflüssig. Natürlich nur wer das nötige Kleingeld hatte: $90 pro vollem Container, $60 für einen leeren (sollte also peinlichst vermieden werden). Hinzu kommen Zahlungen an die Zugboote die die Schiffe durch den Kanal navigieren, Bodenpersonal und Zubehör. Im Durchschnitt: US$54,000. Die teuerste Durchfahrt: US$375,600. Die billigste Durchreise: 36 Cent für einen Schwimmer im Jahre 1928.

Ausserdem spart der Abkürzer um die 7,872 Meilen Wegstrecke (jetzt nur noch 77 Kilometer), ca. 14 Tage Reisezeit und exakt $2,159,921.40 Spritkosten (ja, es gibt Menschen die dies aus reinem Spass an der Freude ausrechnen ;)

Um die Bauarbeiten massgeblich zu vereinfachen wurde mit dem “Lago Gatún” der zu damaligen Zeiten grösste von Menschenhand geschaffene künstliche See angelegt, um die immensen Ausgrabungsarbeiten zu erleichtern und auch die Millionen Liter an nötigen Wasser für die Docks zur Verfügung zu stellen. Da dieser 26 Meter über Meereshöhe liegt, müssen an beiden Seiten Schiffe diese Höhe mit Hilfe der Docks überwinden.

Die original Docks waren 33.5 Meter breit, 320 Meter lang und hatten eine Tiefe von 12.5 Metern. Sie bestimmten mit diesen Maßen fortan alle kommenden Schiffsdimensionen (= “Panamax”, sehr passender, logischer und einprägsamer Name wie ich finde). Man will sich ja als Schiffsingeneur später nicht vorhalten lassen, dass das eigene Schiff im Kanal steckengeblieben ist.

Seit Langem wurde bereits über eine Erweiterung der Docks diskutiert. So kam es zu einem Referendum für Panamanians, in welchem sich 78% für ein deutliches “ja” aussprachen. 

2016, nach 9 jähriger Bauzeit, eröffneten die neuen Docks auch für sogenannte “Post-Panamax” Schiffgrössen, welche vorher nicht gepasst hatten. Die neuen Maße sind: 55 Meter Breite, 427 Meter Länge und 18.3 Meter Tiefe. Die Anzahl von mitgeführten Containern steigt von 5.000 auf jetzt 52.000. Dennoch gibt es noch immer Schiffe, die trotzdem nicht passen. Die Liste wurde aber bedeutend kleiner. Mal sehen wie lange das auch so bleibt beim herrschenden Grössenwahn.

Witziges Detail, einige der grössten Schiffe der Welt passen nun zwar in die neuen Docks, nicht jedoch unter die “Puente de las Americas”. Upps.

Desweiteren gibt es mit den neuen Schiffsklassen weitreichende Folgen für viele Häfen dieser Welt, welche tiefer gegraben werden mussten um die neuen Schiffe aufnehmen zu können. Dutzende Brücken müssen für Milliardengelder angehoben werden. Crazy shit.

Während des Baus starben laut offiziellen Angaben 5.609 Personen an Unfällen und Erkrankungen. Von ihnen 4.500 billige Arbeitskräfte der umliegenden karibischen Inseln und 350 Amerikaner (was für ein Gleichgewicht).

Durch seine herausragenden (Achtung Sarkasmus) Arbeiten am Kanal hatten die USA bis 1977 alleiniges Verwaltungsrecht. Bis 1999 geschah dies dann zusammen mit Panama und ab 1999 übernahmen die Panamesen dann endlich komplett. Im Jahr der Eröffnung durchfuhren knapp 1,000 Schiffe den Kanal. 2008 waren es bereits 14,702. Gesamt waren es ca. 815,000. Die komplette Durchfahrtsdauer von Pazifik zu Atlantik (oder auch anders herum) beträgt zwischen 6 und 8 Stunden.

 


Nerd-mode off.

Schon super interessant zu beobachten. Einfach eine unglaubliche bautechnische Meisterleistung. Auch wenn man die eigentlichen Zahlen gar nicht so richtig fassen kann. Aber überlegt mal, gleich geht es ja zum eigentlichen Hauptthema dieses Blogeintrages über – dem Verschiffen von Morrie. Unser alter Mann passt so ziemlich genau in einen 20 Fuss Container. Jetzt gibt es Schiffe mit knapp 52.000 von diesen. Also eventuell 52.000 solcher Autos, die von ihren Overlander Besitzern Abschied nehmen. Eine unglaubliche Vorstellung. Wie viel Material allein in einen Container passt. Dann das ganze mal 52.000. Tssss, ich steige aus…

 

panama canalFoto hier bei Wikipedia geklaut.panama 31Das Containerschiff wird in das erste Dock hereingeführt.panama 32Alles geht sehr laaaaangsaaaaaam.panama 33Doch plötzlich geht alles ganz schnell. Kurz vor dem Wasser Abfall…panama 34…und keine drei Wimpernschläge später ist das Riesenbaby samt seiner 4738329 Tonnen mehr als 5 Meter abgesunken. Noch tiefer geht es im nächsten Dock, bevor es im letzten Dock seine Endtiefe (= Höhe Karibisches Meer) erreicht. Der ganze Prozess dauert gut und gerne 2-3 Stunden (nicht das Absinken/Anheben an sich, allerdings die geführte Fahrt entlang der Docks). Als Zuschauer darf man brav Eintritt zahlen und (ohne Popcorn) dem ganzen Prozdere minutsiös folgen.

 

San Blas Inseln

Und noch eine kurze Ablenkung Vertröstung vom Verschiffungs-Thema (so viel Bürokratie schiebt man doch gerne so lange wie möglich vor sich her).

San Blas ist für uns das absolute Highlight von Panama. Kanal hin oder her, wirklich Wahnsinn, aber am Ende gewinnt doch immer die Natur vor den technischen Meisterleistungen der Menschen.

San Blas besteht aus ca. 365 Inseln.

EINE INSEL FÜR JEDEN TAG IM JAHR.

Von denen sind aber nur 49 mit Indigenen bewohnt. Ein paar davon werden für den Tourismus genutzt (damit die anderen Inseln schön ihre Ruhe haben). Auf eine dieser Inseln, “Tuba Senika” (oder so) hat es uns nun letztendlich verschlagen. Wir parken Morrie am letzten Hafen vor der Karibik, nehmen ein Boot für knapp eine Stunde und ZACK, sind wir im absoluten Paradies. So etwas, nunja, paradiesisches habe ich selten gesehen. Ein kleines palmenbefülltes Inselchen, welches in gemütlichen 2:35 Minuten per Fuss umrundet werden kann, umgeben von dem türkiesesten Meer was man sich vorstellen kann. Im Zentrum der Insel ein Volleyballfeld, ein paar Palmenwedelhüttchen und fertig ist der Traum.

Statt der geplanten 3 Übernachtungen werden es ganz schnell 5. Man ist ja busy. Ausschlafen bis einem die Sonne wachküsst. Frühstücken (ach ja, in den 20 Dollar pro Nacht sind alle 3 Mahlzeiten inkludiert), dann erst einmal in der Hängematte Chillen. Lesen. Viel Lesen. Irgendwann wird es doch ein wenig zu warm und man muss seine vielgeliebte Hängematte für 10 Minuten verlassen um ins Türkies einzutauschen, oder Schnorcheln zu gehen und dabei eventuell das nächste Mittagsmahl zu entdecken (oder eben auch einen 20 Dollarschein neben der Anemone). Dann Mittag. Dann Mittagsschlaf. Lesen. Eventuell ein Inselspaziergang (wenn man richtig derbe motiviert ist). Schnorcheln. Lesen. Abendessen. Und hier haben wir es einen Abend so richtig krachen lassen. Lokale Fischer verkauften am Morgen frisch gefangene Langusten, Krebse, Fische und was nicht alles. Für einen kleinen Unkostenbeitrag nahmen wir ihnen direkt alles ab und die freundliche Inselküche bereitete es zur Perfektion zu. Ein Genuss sage ich euch…mhhhhhhh.

Aber auch in verlangsamter Insel-Zeitrechnung lässt es sich nicht vermeiden irgendwann wieder Abschied nehmen zu müssen. Noch immer steht das Verschiffungsthema auf dem Plan. Bisher erfolgreich für knapp einen Monat verdrängt, nun wird es ernst. Mit den letzten Sonnenstrahlen geht es am Feuer einschlafend in die letzte Nacht und am nächsten Morgen zurück aufs Festland. 

 

panama 35 panama 36Das ist alles. Die ganze Insel passt gefühlt in eien Umarmung.panama 37 panama 38 panama 39Lesen, lesen, lesen.panama 40 panama 41 panama 42 panama 43 panama 44 panama 45Ach ja, ein Basketball Korb hat auch noch seinen Platz gefunden.panama 46 panama 47 Lesen, lesen, lesen.panama 48 panama 49img 3743Robinson und sein Freitag.img 3748Das ist es, DAS Festmahl!

 

Verschiffung

Hier ist es also, das eigentlich wichtigste Thema unseres Panama Aufenthaltes. Alles der letzten 4 Wochen hat genau auf diesen Moment hingearbeitet. Und warum, tja, hier schliesst sich der Kreis und wir sind wieder beim Darian Graben, dem Umweg -> Seeweg.

Hierfür gibt es jetzt zwei Möglichkeiten:

1. RoRo (Roll On Roll Off)

Hierbei übergibt man seinen Autoschlüssel den Jungs vom grossen Schiff, sie “rollen” das Auto aufs Schiff und “rollen” es am Zielhafenwieder herunter. Klingt ganz praktisch hat allerdings einen ganz entscheidenden Nachteil. Durch die Übergabe des Schlüssels haben die Jungs auch Vollzugriff aufs Auto. Und somit auch auf die vielen kleinen Utensilien im Inneren. Und wenn am Ende dann zufällig etwas fehlen sollte will es natürlich keiner gewesen sein. Logisch, sind ja alles ehrliche Menschen. Und Nachweisen lässt sich sowieso rein gar nichts. Also ziemlich blöde Situation für den Overlander. Dann mal die 2. Möglichkeit checken.

2. Container-Verschiffung.

Hier mietet man einen Container auf einem der riesen Dinger beschrieben im Panama Kanal Abschnitt, welcher dann geschlossen, verschlossen und versiegelt wird. Das Siegel wird dann erst wieder am Ziel geöffnet (zerbrochen) und das Auto ist bis dahin sicher im Container. Hört sich doch wesentlich zuverlässiger als Möglichkeit Nummer 1 an. Auch wenn es ein wenig teurer erscheint entscheiden wir uns hierfür.

Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, ging die Suche nach einer “Container-Crew” bereits Monate vorher los. Da ein 40 Fuss Container fats dasselbe kostet wie ein 20 Fuss liegt es auf der Hand was passiert, man teilt. So finden wir mit Mike und Lyndsay (roter Toyota) und Chris (Motorrad) zwei weitere Overlander Teams, die wir einfach mit in den Container quetschen und somit Kosten teilen können.

Zusammen geht es nun auf den ellenlangen Behördengang, der uns quer durch Panama führt (Küste-zu-Küste zumindestens, aber das sind ja, wie bereits oben gelernt, nur 77 Kilometer ;)

Als erstes zum panamesischen Polizeichef (oder seine Sekretärin), der überprüfen will, ob es noch ausstehende Tickets oder sonstige Vergehen gibt. Hierzu parkt man sein Auto auf einem klassischen Schrottplatz und wartet gespannt auf eine Art Prüfer, der nur den kleinsten Fehler in Dokumentation oder am Auto finden will. So die Geschichten, die man sich erzählt. Jeder ist super aufgeregt weil eben jeder Schreibfehler immense Verzögerungen bedeuten kann, was mit gebuchtem Container und auch Flugtickets nach Kolumbien nicht unbedingt gebraucht werden kann.

Natürlich war wieder alle Aufregung umsonst und nach langen 30 Sekunden ist die Prüfung überwunden. Keine Einwände. 6 Stunden später können wir dann in einem anderen Gebäude unsere Papiere abholen. Also wieder anstellen, zum Glück haben wir irgendwie andere Themen zu bearbeiten, so dass wir nicht die kilometer lange Hauptschlange nutzen müssen zum Anstehen. Hier zieht sich die Aushändigung unserer Papier zwar unnötig in die Länge aber am Ende des Nachmittages haben wir alles Nötige in unseren Händen. Darauf erst einmal ein Bier.

Den nächsten Tag geht es nach Colon, dem Hafen wo das Schiff ablegen wird. Alles bissel scetchy hier, aber dafür haben wir ja Boris, unseren Agenten. Mit ihm rennen wir ins nächste Büro, was wir alleine nie und nimmer gefunden hätten. Hier gilt es wieder Stapel von Kopien einzureichen und dabei zu hoffen sie unterschrieben und bestempelt wieder zu bekommen. Auch hier geht es erstaunlich geschmeidig und auch hier bekommen wir alle unsere kompletten Papiere ohne grössere Probleme.

Mit der ganzen Stempelparade geht es nun zu einem weiteren versteckten Ort im riesigen Hafen, wo wir auf unseren persönlichen Container treffen. Jetzt beginnt der eigentliche Spass, das Einladen. Noch kurz müssen wir unsere in Kalifornien – oh nein, ich traue es mir gar nicht zu sagen – aufgefüllten Jerry Cans mit Benzin loswerden, da das Mitführen strengstens verboten ist. Was aber tun mit den 40 Litern abgestandenen (und sehr wahrscheinlich nicht mehr fahrenden) Benzin, da wir es auch nicht selbst auffüllen können, da nur 1/4 gefüllte Tanks in den Autos erlaubt ist (wobei dies auch nie einer checkt, immer diese ganzen Angstmachereien). Boris bietet sein eigenes Auto an (natürlich, würde ich auch machen wüsste ich nicht wie alt das Benzin war) und ich hoffe eigentlich nur, dass er keine Rrechnung mit geschrotteten Motor nachreicht.

Jetzt geht es ab in den Container. Oder besser, ab auf den Abschlepper, der uns Fahrstuhltechnisch nach oben hieft um dann milimetergenau in den Container zu fahren. Aussteigen ist nur noch mit eingezogenem Bauch durchs Fenster möglich. Batterie abklemmen, Autos fixieren und schon heisst es Abschied nehmen. Kurz wird es emotinal, hat man die komplette Strecke von Kalifornien bis nach Panama doch zusammen zurück gelegt. Und nun soll es auf getrennten Wegen nach Kolumbien gehen um dort die grosse Wiedervereinigung zu feiern? Komisches Gefühl. Geht aber nicht anders. Danke Darian.

 

img 3852Geschafft, das Eckige ist im Eckigen.
img 3853Grosser Moment, die Tür ist geschlossen, verschlossen und versiegelt. Zwei Auto und ein Bike warten hoffentlich in Kolumbien auf uns. Nun liegt es nicht mehr in unseren Händen.

 

Von Colon geht es mit dem Bus zurück nach Panama und über einen kurzen Bier- und Dönerumweg direkt zum Tocumen Flughafen. Mal wieder, kennt man ja. Heute hoffentlich zum letzten Mal.

Tschüss Mittelamerika. Auf nach Kolumbien. Auf nach Südamerika.

 

img 3091

 


 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
Stefan

Latest posts by Stefan (see all)



Comments are closed.