Canyoning – Part 1/2 – Rafting

Frueh aufstehen hiess es heute – wollten wir doch 12 Uhr unsere erste Rafting Tour beginnen. Bis dahin waren es laut einschlaegigen Routenplanern allerdings noch knapp 3 Stunden zu fahren, Wochenendzuschlag exklusive. Auf Deutschlands Strassen alles gut, gleich hinter der Grenze erwach ich aus meinem kleinen fruehmorgendlichem Schlummertraum weil einfach gar nichts mehr geht. Die einzige Passstrasse weit und breit ist dank Baustelle nur noch einspurig befahrbar – 10 km/h rasende Trekker kommen auch noch hinzu. War zwar langweilig, Berge gab es dank fetter grauer Wolken zwar keine zu sehen, aber puenktlich blieben wir dennoch.
 
Punkt zwoelf hiess es also anziehen und wasserfest machen. Aus Dutzenden von verschiedenen Neoprenanzuegen, Schuhen, Westen und Helmen musste nun gewaehlt werden. Nicht nur ein begehbarer Kleiderschrank stand uns zur Verfuegung, nein, eine ganze Scheune. Frauenherzen wuerden hier sofort schneller schlagen wenn sie nicht staendig daran denken muessten, wer wohl Tags zuvor in ihren Anzug hineinschwitzte ;)
 
Fertig praeperiert ging es dann im 10er Boot ab auf den “Ims”. Die erste Strecke des Tages war zum Warmmachen und Basistraining gedacht. Die Mannschaft musste sich auf die Taktgeber, den Steuer- und Befehlsgeber einstellen. Die erste halbe Stunde war dann auch eher ausprobieren, treiben lassen und neben dem Boot her schwimmen. Echt ein witziges Gefuehl wenn einem in 6 Grad kaltem Bergwasser die Kaelte fast gar nichts ausmacht (Gesicht und Haende mal Aussen vor gelassen).
 
 

Das Anwesen – wirkt fast schon erschlagen vor dieser massiven Feldwand.
 

Orga-Opi. Rechts unser begehbarer Neo-Schrank.
 

Man kann sich fast nichts Schoeneres vorstellen, als in noch feuchte Stiefel des Vorgaengers hinein zu schluepfen ;)
 

Rechts unsere Schlafhuette, vorne die Boote, dazwischen leckere Aepfel.
 

Hoch motiviert fuer das erste Abenteuer.
 

10 Deppen und ein Fuehrer…kann ja nix werden.
 

Bereits nach wenigen Minuten war das anfaengliche Dahertreiben nicht mehr genug, die ersten Opfer wurden gesucht...und gefunden!
 

Selbst im 6 Grad kaltem Wasser vergeht einem dank Neoprenanzug das Laecheln nicht.
 
Fuer reichlich Abwechslung war auch gesorgt – verschiedenste Steine/Felsen und Strassenbruecken durften uns zum Sprung ins kalte Nass dienen.
 

Erster Stopp auf diesem Felsen…
 

…um es einfach mal Krachen zu lassen.
 
11 Mann in einem Boot, 5 links, 5 rechts. Die beiden vorderen Ruderer geben den Takt vor (bitte gleichmaessig und synchron), unser Fuehrer sass am Heck und steuerte die Kiste. Gesessen wurde direkt auf dem Rand des Bootes. Wasserkontakt war dank ausreichendem Wellengang und Steuerkuensten des Steuermannes ausreichend vorhanden (vor allem fuer die vorderste Front). Festgehalten wurde sich mit den Fuessen in den Schlaufen, so dass ein Herauskippen/-Fallen eigentlich unmoeglich sein sollte. Eigentlich. In der Welle passiert es jedoch immer wieder, dass man entweder sich selbst nicht mehr halten kann oder das Paddel verliert. Daraufhin setzt der Bootsfuehrer einen so traurigen Paddelverlustheitsblick auf, dass man schon freiwillig dem verloren gegangenen Ruderwerkzeug hinterher taucht. Die Schwimmweste macht es ja auch alles easy peasy – man laesst sich schoen treiben und lenkt nur noch ein wenig (wahrscheinlich muss man sogar noch bremsen, da das Paddel nicht wirklich aus`m Knick kommt).
 
 

Und schwupps haben uns die Wellen wieder.
 

Elementarst wichtig – Fussschlaufen!!!
 

Auf zum naechsten Opfer.
 

Und wieder einmal musste eine Autobruecke als Absprungort fuer die naechste Arschbombe herhalten.
 

Huuiiiiiii!!!!

 
Nach gut 2 Stunden war die erste Tour beendet. Ausfaelle gab es keine zu beklagen.

Jetzt aber kam eine ganz miese Zeit – Warten im nassen und immer kalter werdenden Neoprenanzug. Alle dachten nach der ersten Tour ginge es sofort weiter zur Zweiten, war auch der eigentliche Plan. Aber irgendwie fehlte noch ein Boot und wir mussten Warten Warten Warten. Selbst Jagertee und 10 cm Abstand mit blanker Brust zum fetten Heizstrahler brachten nur temporaere Erloesung. Lange nicht so gefroren.

Nach knappen 2 Stunden war es dann aber endlich soweit – es ging zur zweiten Tour ins “Oeztal”. Die harte Tour. Die Tour, die oft wegen Hochwasser oder Fruehjahrsschwemme nicht befahrbar ist. Die Tour, auf welcher das grosse Boot zu ungelenk ist – 2 kleinere à 5 Mann + 2 Bootsfuehrer mussten her (2 Führer, da, wenn ein Depp ins Wasser fallen sollte die anderen Deppen nicht stoppen duerfen sondern unbedingt weiter fahren sollen um das Boot auf Fahrt zu halten und der zweite Fuehrer sich dann um den Verlustling kuemmern muss).
Von Anfang an hiess es hier Gasgeben. Paddeln bis der Arzt kommt. Dabei aber nicht nur wild das Paddel hin und her schmeissen sondern schon mit System und synchron mit den anderen arbeiten. Diesmal hatte ich die Ehre vorne in der Loge sitzen zu duerfen. Da wo prinzipiell alles Wasser IMMER in die Augen spritzt. Niemals an den Kopf, den Bauch oder die Schulter – immer mitten INS Auge ;)
 
“Ih foahrts dodahl schaiisn” war der erste Kommentar des neuen Steuermannes (er merkt ja sofort wenn Gurkenbrei zusammen gefahren wird, macht`s ja auch fuer ihn schwerer zu lenken wenn das Boot nicht richtig im Wasser liegt – und somit auch fuer uns gefaherlicher wenn er wiederum nicht richtig lenken kann). Na toll, kaum sitz ich mit in der Anfuehrerposition laeufts so schlecht. “Ahh Messing, mach doch mal richtig.” Doch irgendwie ging`s dann schnell immer besser bis zum “mi eu wuerd iau zum maisdorschafdn goahn!”.
 
Die geilste Fahrt ever!! Hat wohl auch knapp 90 Minuten gedauert, aber vorallem die ersten 60 waren dank hoechster Konzentration und Aktion schneller um als ein Wimpernschlag. Mein Ding! Aber sowas von! Kaum Zeit zum Verschnaufen, Paddeln Paddeln Paddeln! Dabei aber immer die Anweisungen vom Chef beruecksichtigen. “Un loas!” “Stoppp!” “Zurueck!” Verstanden haben wir ihn dank Wasser im Ohr irgendwie kaum ;) Scheinbar richtig gemacht haben wir`s dann aber. Vorallem muss man als “Anfuehrer” immer weiter paddeln und im Takt bleiben auch wenn das Boot vorne total in der Luft haengt und paddeln an sich ueberhaupt keinen Sinn macht…
Die letzte halbe Stunde war dann wieder auf dem “Ims”, wo wir uns redlich bemuehten auch jede noch so kleine Welle oder Wasseranstauung mitzunehmen um das Boot irgendwie in Schraeglage zu bringen – es hat nicht sollen sein, zum Kentern hat`s nichts gereicht ;(

 


Und nochmal! Waere ohne Neo und Schwimmweste eine Tortur geworden. Sofort nach dem Auftauchen wird man dank Weste auf dem Wasser getragen und braucht mit den Armen nur noch ein wenig die Richtung zur Anlegestation zu weisen.
 

Ein Brunnenbad als Beispiel fuer Physik 7. Klasse:
Es koennen sich NIE zwei Koerper zur gleichen Zeit am selben Ort befinden -> Verdraengung – der Schwaechere (das Wasser) muss weichen (und das nicht zu knapp).
 
LEIDER war es uns nicht moeglich, nach diesem kalten und nassen und aeehhh, kalten Tag eine heisse halbstuendige Wohltatsdusche zu nehmen, denn diese waren mit tollen Geldautomaten verbunden, welche fuer Kleingeld das Wasser fuer ganze 3 Minuten laufen liessen. Wie grosszuegig! Wisst ihr eigentlich wie KURZ 3 Minuten sein koennen? Hat man ja beim Bund mehr Luxus. 3 Minuten, da hab ich normalerweise nicht einmal das Dusch-Bad angeschaut. Keinen Finger geruehrt. Nur dagestanden und mich betraeufeln lassen. Womoeglich nicht einmal gedreht. Einfach nur dagestanden. Aber hier huepft man drunter, spritzt sich kurz nass, cremt sich ein, spritzt sich ab und das war`s. Nicht einmal anhalten konnte man das Wasser und die 3 Minuten kuenstlich verlaengern. Ganz schwach. So etwas hat man einfach nach solch einem kalten Tag nicht verdient. Schaemt euch. Ich mein, logisch ist es schon – wer wuerde hier auch nur einen Gedanken an Wasserverschwendung vergeuden. Oder an die anderen armen verschwitzen Schweine denken, die noch keinen Platz unter der Dusche bekommen haben. Aber egal, man will einfach nur noch warm duschen.
 
Ein Gutes hatte es wenigstens: nach 10 Minuten waren alle 10 fix und fertig geduscht und wir sassen am ersten Bier ;)
Viele weitere kamen jedoch nicht hinzu. Nachdem der Magen zum Barbecue nun auch noch Hoechstleistung bringen musste war gegen 21 Uhr Zapfenstreich und jeder nach ca. 1 Sekunde eingeschlafen…Teil 2 folgt.
 
 

Stefan

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Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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