Split Mountain

Und da hat es doch noch geklappt. Fast pünktlich zum Jahresendfeuerwerk habe ich mein eigenes kleines Bergfeuerwerk abgebrannt, alles andere als noch erwartet.

Donnerstag noch sitze ich auf Arbeit und realisiere, dass ich noch ganz fix 3 Tage Urlaub einreichen muss damit sie mir nicht flöten gehen (Mitnahme ins neue Jahr ist natürlich unter keinen Umständen gestattet, wieso auch?). Kurz im Kalender die darauf folgende Woche gecheckt und realisiert, dass insgesamt gerade mal nur noch ganze 3 Tage zu arbeiten wären. Mit Neujahr und dem Wochenende vorher kommen somit ratz fatz 6 arbeitsfreie Tage zusammen. Aber was machen? Snowboarden? Alleine (so ziemlich jeder ist ausgeflogen) – keine Lust. 6 Tage Serien und Filme, wow, darauf hätte ich schon Lust, aber wann kommen schon noch einmal 6 freie aufeinander folgende Tage? Also doch raus, aber wohin? Da fällt mir mein “Californias 14er” Buch in die Hände. “Stimmt, hier sind ja noch einige offen, aber um diese Jahreszeit?” Die Ranger konnten auch nicht super detailliert aushelfen aber haben es auch zumindest nicht ausgeredet. Naja, kann man ja mal probieren. Split Mountain im Whitney Gebiet ist noch offen und wenn das Wetter absolut nicht passen sollte kann  man immer noch die “Autobahnen” zu eben Whitney oder vielleicht auch White Mountain nehmen, die wahrscheinlich das ganze Jahr bestiegen werden können.

Also ging es ans vorbereiten, studieren und packen ehe ich Sonntag auf dem Weg zur anderen Seite der Sierra war. Das Wetter sollte eigentlich auch ganz gut mitspielen. Sonne die ganze nächste Woche bei nur einem Tag mit 10%-iger Schneewahrscheinlichkeit. Aber was sind schon 10%, wa?

In Lone Pine angekommen noch kurz den örtlichen Ranger ausgequetscht, Permit besorgt und ab ging es auf dem wahrscheinlich längstem und umständlichstem und auch steinigstem Anreiseweg eines Trailheads den ich je erlebt habe. Zum Glück hat mein Kia ein wenig Clearance, sonst hätte es auch noch viel “interessanter” werden können (Vorteil Firmenwagen ;)

 

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split mountain dermessing.com05Nicht unbedingt die beste Leselektüre in der Mitte vom Nirgendwo. Nach 2 1/2 Seiten habe ich es dann auch lieber sein lassen ;)

 

Nach sehr guten 12 Stunden Schlaf (ohne Clowns Besuch!) konnte es dann endlich los gehen. Der grossartige Vorteil vom im Auto aufwachen und fertig machen ist, dass man schön verschwenderisch die Heizung aufdrehen, ganz in Ruhe alle Layer anlegen kann und dann ganz cool (oder eben auch warm) das Abenteuer beginnt.

Die Sonne strahlt und begleitet mich die ersten Höhenmeter  hinein in die Hauptschlucht, der es 2h zu folgen galt. Die Route hatte ich mir vorher aufs Handy gezogen, für alle Fälle hatte ich gedacht. Aber nichts da, alle 2-6 Minuten musste ich das Telefon hervor zerren weil eine klare Wegfindung einfach nicht möglich war. Auf der einen Seite sehr gut – Natur pur – auf der anderen Seite doch sehr verwunderlich, da ich nicht im Regenwald unterwegs bin und Split Mountain doch immerhin der acht höchste Berg in Kalifornien ist. Naja, nicht beschweren, Sonne geniessen.

 

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Ach du jemine, hatte ich nicht gerade offeriert, dass ich NICHT im Regenwald sei? Plötzlich stehe ich mittendrin, was sich mit den ganzen angehängten Isomatten und Eisäxten besonders gut machte, weil diese natürlich abwechselnd an allen nur verfügbaren Ästchen hängen bleiben mussten. Und natürlich auch so hängen bleiben, dass man bestmöglichst nicht weiter gehen konnte, direkt das Gleichgewicht verlor oder nur schwer schwitzend weiter kam. Zum Glück sollte es laut Beschreibung nur 2 solcher Dschungeldurchquerungen geben. Und beide sollten als wichtiger Wasserlieferant dienen. Nur gut, dass ich 4 Liter aufgepackt hatte und gerade keines gebrauchen konnte. So ging der Kampf also ohne zusätzliche Wasseraufnahme weiter…

Nach dem Dickicht wartete schon bald die nächste Prüfung auf mich – Schnee. Und dabei sah es doch am Morgen noch so gut aus, so schneeleer. Auch der Anblick von Ausserhalb hat nur hier und da ein paar Schneespuren offeriert. Und laut dem Ranger hat es bisher sowieso kaum geschneit in diesem Jahr. Naja, Schatten, Wehwinde und daraus entstehende Dünen haben ihr übriges geleistet und Schnee genau dorthin geblasen, wo laut meinem GPS Tracking der Weg sein sollte. Abseits des Weges entweder Abhänge, Zweigwirrwarr oder andere miese Hinterhälte, die einem immer wieder zum verschneiten Weg zurück zwangen. Mit verschneit meine ich übrigens nicht nen kleines Häufchen über das man mal fix drüber hüpfen könnte, oder fest getretener Schnee, oder schönen fluffy Schnee, der bei jedem neuen Schritt von ganz alleine wegweht. Nein, natürlich nicht. Ich sage mal so, ich war froh meinen wasserdichten 3/4 Anzug angezogen zu haben da es nicht gerade selten recht kalt um die männlichen Unterscheidungsmerkmale wurde wenn ich mal wieder bis zum Schritt eingesunken war…

 

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Nach knappen 6 Stunden, 3 davon im starken Kampf gegen das Einsinken (am Ende bin ich doch nur noch abseits am etwas frei gewehten Hang von Stein zu Stein gehüpft um eben nicht einzusinken) komme ich völlig entnervt und kraftlos am zugeeisten “Red Lake” an (wieder keine gute Wasserquelle). Es gab nicht wenige Momente bis hier oben, in denen ich mein Tagesziel angezweifelt hatte und dachte ich müsse bereits viel weiter unten mein Zelt aufschlagen. Am Ende war ich zeitlich gesehen trotzdem noch sehr gut unterwegs.

“Schnell” noch das neu erworbene Zelt aufbauen (oh Gott war das ein Krampf alleine, und dabei sah das im Anleitungsvideo zu hause doch alles so einfach aus) – leider hat der Wind sehr sehr stark zugenommen. Das Problem waren vor allem seine böenartigen Vorstösse mich vor jedem Heringanbringens abzuhalten. Und das mit einer bissigen Kälte, die es kaum zuliess die Handschuhe auszuziehen. Mit ihnen hat es aber wiederum eine halbe Ewigkeit gedauert bis das Zelt endlich stand.

Es war jetzt 14 Uhr und die Sonne verschwand bereits hinter den hohen Wänden des Massivs. Ohne Sonne war es arschkalt, also nur noch kurz gepullert und ab ins Zelt. Leider musste ich sofort feststellen, dass meine 2 Isomatten Lösung, der glatte Zeltboden und die schiefe Hanglage überhaupt nicht beste Freunde werden würden. Mit dem immer stärker und verrückter werdendem Wind und dem ständigen Kampf gegen das Rutschen ging ein ca. 8 stündiger Kampf um das Einschlafen los. Vergebens. Kurz vor Mitternacht liessen die brutalen Böen nach, die einem kurz vorm Einschlafen immer wieder zurück in die laute Gegenwart geholt hatten. Meinen Wecker hatte ich auf um 7 gestellt, wo ich überraschenderweise dann auch erst wieder aufgewacht bin, zusammen gekault am unteren Ende des Zeltes. Wer fleissig mitgerechnet hat kommt mit mir auf 17 pullerfreie Stunden. 17 Stunden liegend im Schlafsack, Zeit endlich raus zu kommen.

Aber hey, wie viel schwieriger es in einem arschkalten Zelt ist fertig zu werden verglichen mit einem aufgeheiztem Auto…

Natürlich haben sich die 10 Prozent Schneewahrscheinlichkeit dann auch tatsächlich noch in 100 Prozent Schneefall ausgedrückt – es schneenieselt, was einen festen Grip auf Steinen nicht gerade einfacher macht.

Lawinen waren zum Glück während der ganzen 3 Tage kein Thema.

 

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Ich hatte mir die Route zum Gipfel in 3 Abschnitte eingeteilt. Vom Zelt bis zur ersten oberen Ebene, diese durchqueren und Aufstieg bis an den Fuss zum letzten Anstieg und von dort bis zum Gipfel. Alle 3 Abschnitte sollten ca. 2 Stunden dauern, so dass ich nach 6 Stunden, maximal vielleicht 7, auf der Spitze stehen sollte, dann noch einmal 3-4 zurück um wieder im trockenen Zelt zu sitzen.

Die ersten 4 Schritte aus dem Zelt waren getan und ich dachte, dass ich mir den Plan getrost abschmieren kann. Ich bin 3 von diesen 4 Schritten hüfttief eingesunken, Motivation war bereits jetzt ganz unten, dagegen die Atemnot ganz oben. Oh je, das kann ja was werden. Im Schneckentempo und mit äusserster Vorsicht nicht einzusinken ging es dann doch wieder näher zum Hang, um dort die Steine als Anti-Einsinkhilfe nutzen zu können.

Trotz eisigem Wind und dem immer wiederkehrendem Versinken im Schnee ging der erste Abschnitt schneller als gedacht. Statt zwei Stunden erreichte ich die nächst höhere Ebene nach knapp einer. Vorgewarnt was mich dort erwarten sollte war ich dann nicht all zu erschrocken über das nächste scheinbar endlose Steinfeld. Immer schön am halbwegs leer gewehtem Hang bleiben.

Das nächste grosse Hindernis sollte dann zwar auch naturbezogen sein, aber eher menschlichem Natur ;)
Der eiskalte Wind war schon durch mein Layerprinzip von Klamotten sehr nervig und kalt – auf dem blanken Arsch hat er dann aber erst richtig nieder gepeitscht…

Dennoch ging auch dieser Abschnitt wesentlich besser als erwartet, zeittechnisch, auch wenn man gefühlt überhaupt nicht von der Stelle gekommen ist. Am Ende gab es den ersten sehr steilen Anstieg, den ich auch so gut es ging auf Steinen statt Schnee bestiegen habe. Wie schnell man allerdings immer ausser Atem kommt, unglaublich. Drei Schritte, Pause, 4 Schritte, Pause, 6 Schritte extrem langsam, wieder Pause, fast wie in einem Stop-Motion Film, wo der Filmemacher zwischendurch allerdings vergisst weiter zu “blättern”.

Oben angekommen galt es für ca. 30 Minuten eine Traverse zu beklettern. An deren Ende ging der letzte Abschnitt los. Per Beschreibung sollte es von hier “nur noch leicht zu Ende gebracht werden”. SCHEISSDRECK!!! Was folgte waren die wohl krassesten 90 Minuten meines Kletterlebens. Auf der Nordseite peitscht der jetzt regelmässige Eiswind durch jede noch so kleine Öffnung an meinem Körper.

Die Nase meldet sich zuerst, blitze kalt. Ich ziehe mir die Schneebrille tiefer und die Maske ins Gesicht. Doch bereits nach wenigen Metern spüre ich wie ich den Atem verliere, ich kriege unter der Maske einfach nicht genügend Luft. Egal wie langsam ich laufe, egal wie viele Pausen ich mache, sobald ich 2-3 Steine bestiegen habe schnellt der Puls in ungesunde Höhen. Apropos Puls, die kompletten 90 Minuten bin ich am absoluten Maximum gelaufen. 180 Schläge wird er nicht oft unterboten haben.

Die Maske musste also wieder weg. Problem jetzt, die Nase ist dem Eiswind wieder völlig hilflos ausgeliefert. Gefühlt wird sie nicht nur kälter sondern auch immer schwerer. Das hängt, wie sich später heraus stellen sollte, mit dem ständig laufendem Rotz zusammen, der aber fast augenblicklich zu Eis verwandelt wird sobald er austritt. Mitbekommen habe ich das überhaupt nicht. Es ist einfach nur kalt, dass man rotzt merkt man selber in dem starken Wind gar nicht. Hören kann man es schon ganz und gar nicht.

Nach der Nase folgten die Finger, besser die Fingerspitzen. Sie schmerzen und sind eiskalt. Aber wie kann ich sie besser schützen? Lass ich die Stöcke zurück und ziehe die Finger zur Faust zusammen? Nicht machbar, der Wind würde mich ständig von den Füßen heben. Auch ist die Umknickgefahr auf den Steinen zu gross. Die Stöcke müssen mit! Trotzdem muss ich die Hände zu Fäusten zusammen ziehen, irgendwie, und dabei die Stöcke weiter nutzen. Punkte in der B-Note wird es hierfür sicherlich nicht geben, aber irgendwie ging es dann doch.

Gefühlt hat sich der letzte Anstieg noch einmal in 4 unterschiedlich separate Anstiege unterteilt. Dadurch dass es stark vernebelt war konnte man immer nur ca. 50 Meter weit sehen. Der angebliche Gipfel war nach 50 Metern dann verschwommen erkennbar. Man kämpft sich also diesen letzten 50 Metern hoch, unzaehlige Pausen und fast Umknicker, man erreicht den Gipfel nur um zu erkennen, dass es nur ein kurzes flacheres Stückchen war und es dahinter weitere 50 Meter weiter geht. Steil nach oben. Selbes Spiel. So wird man 4 mal aus seiner Vorfreude gerissen und hemmungslos verarscht.

Die Kälte greift jetzt auch meine Oberschenkel an. Zwar ist mein 3/4-Teiler winddicht, jedoch kann er die brutale Kälte von Aussen nicht abhalten. Wie sehr wünsche ich mir meine lange Unterhose herbei. Was heisst herbei, im Gepäck ist sie ja, aber umziehen – hier – mitten am Berg mit diesem Wind ist leider unmöglich. So zieht man also mit der Vorstellung einer warmen Zusatzhose im Rucksack weiter, ohne diese aber nutzen zu koennen.

Der Aufstieg hier ist wirklich brutal. Die Kälte ist wirklich brutal. Ich komme mehrfach an meine absolute Grenze. Mehrfach – ungelogen – habe ich den absoluten Wunsch umzudrehen und alles hin zu schmeissen. Dann jedoch denkt man wieder an die ganze Scheisse die man bis hierher schon durch gemacht hat, die krasse Anreise zum Trailhead mit dem Auto über all die übergrossen Steine, das Durchkämpfen im Regenwald, das ständige Einsinken und wieder Herausziehen, all die Anstrengungen um an diesen Punkt zu kommen – nein, das will ich auf jeden Fall nicht noch einmal durchmachen müssen. Aber den 14er dann streichen, gar nicht machen, och man, will ich auch nicht.

Und so zieht man Meter für Meter weiter, all die Fake-Gipfel lassen einem dann auch irgendwie kalt (haha, im wahrsten Sinne des Wortes), die Finger spürt man kaum, die Nase schmerzt, auch die Wange kommt mittlerweile dazu und plötzlich – plötzlich geht es nicht weiter, nicht höher. Der Gipfel ist erreicht. Eine absolute Leichtigkeit, Zufriedenheit und auch Erlösung überkommt mich. Plötzliche Tränen, auch wenn sie sofort gefrieren, zeugen von unglaublicher Freude. Split Mountain ist hiermit im Winter bestiegen. Nachdem ich mindestens 4 mal an dem Punkt stand umdrehen zu wollen stehe ich stattdessen hier oben und habe den Gipfel für mich ganz alleine. Mit Sonne sogar.

Lange kann ich die Freude allerdings nicht geniessen. Der Wind ist brutal. Schnell ein paar Gipfelselfies schiessen auch wenn das viel länger dauert als gewollt. Die Finger bedienen das iPhone nur äusserst umständlich. Plötzlich geht es aus – zu kalt. Die GoPro soll aushelfen, verabschiedet sich aber auch bereits nach 3 Bildern. Videos drehen war gänzlich unmöglich, nach 2 Sekunden war jedes mal Schluss. Handschuhe wieder an und schnellsten hinab.

 

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Der Anstieg, der mich vorher 90 Minuten gekostet hat ist rückwärts in weniger als 15 abgeklettert. Nach kurzer Orientierungslosigkeit finde ich auch den Abstieg über die Traverse. Bergab kann ich auch wesentlich besser die Schneefelder nutzen, sodass ich in weiteren 30 Minuten bereits den zweiten Abschnitt durchquert hatte.

Als ob mich das Wetter hier oben nicht schon genug geärgert hat kommt jetzt beim runter klettern auch so richtig die Sonne heraus, blanker Hohn!

 

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Den Wind spürt man hier im etwas geschützten Tal nicht mehr ganz so eiskalt. Nach insgesamt 6 Stunden erreiche ich 13 Uhr wieder mein Zelt. Kurz noch einmal Pullern und schon geht es in meinen wohlverdienten -40° Schlafsack. Wie gut er tut. Wie unglaublich glücklich ich bin. Es ist einfach unbeschreiblich. Endlich kommt auch so etwas wie Hunger auf. Ein Schokoriegel reicht da nicht. Also muss doch das Sandwich her. Da Subway gerade grosse Kundenaktion hatte, hatte ich statt aufwendigem Kocher einfach zwei Stück eingepackt. Das erste war knochenhart und hätte als Baseballschläger Karriere machen können. Das zweite war weich, aber beim Reinbeissen dann doch ganz schön crunchy. Die Erklärung folgte sofort: Tomaten und Gurken waren (eis)kristallisiert. Geschmack – nicht vorhanden. Das Eis scheint den ganzen Geschmack neutralisiert zu haben. Naja, Hunger habe ich trotzdem, also runter damit.

 

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Mit Mittag, richtigem Einmummeln in den Schlafsack und ein wenig Leserei war es wieder erst 14 Uhr. Verdammt. Steht mir etwa wieder eine ellenlange Nacht bevor? Oder baue ich doch noch ab und laufe zurück zum Auto? Mann, nicht einfach die Entscheidung, zumal ich schon wieder anfange nach unten zu rutschen und genau weiss, dass auch diese Nacht nicht viel Schlaf bringen wird. Da aber die Dunkelheit schon zu früh wieder eintrifft lohnt sich das Weiterlaufen einfach nicht. Also Augen zu und…15 Minuten später wache ich putzmunter auf. Für die nächsten Stunden lese ich mir sämtlichste archivierte Artikel auf meinem Telefon durch doch es hilft nicht, ich werde einfach nicht müde. Zusätzlich setzt jetzt auch der Wind wieder vermehrt mein Zelt unter Stress, es biegt sich in alle Ecken und schreit bei jeder neuen Böe lauthals auf.

Die Nacht wird ein perfektes Spiegelbild der Vornacht. Wieder 17 Stunden im Zelt im Schlafsack. Mit den ersten Lichtstrahlen ziehe ich mich an, baue ab und kämpfe mich beschwerlich die nächsten 2 Stunden durch den tiefen Schnee, ehe dann die letzten 2 Stunden halbwegs bequem nach hause gelaufen werden können…

 

split mountain dermessing.com27Ein kleines Ausrufezeichen wie kalt es die Nacht war, das Eis ist von Innen – bei einem -40° Schlafsack!
split mountain dermessing.com28Pures Eis im Inneren meines Zeltes, auch Fuchs und Kiwi sind gefroren.
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split mountain dermessing.com34Im Tal und bei aller bestem Sonnenschein zeigt das Thermometer immer noch nur bescheidene 26°F an
split mountain dermessing.com35Mittig links hinten, der gespaltene Gipfel, das ist Split Mountain.
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split mountain dermessing.com37Das war vorgestern noch nicht gefroren!
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Ein letzter Blick auf die brutalen Temperaturen. Leider habe ich die Vortage nicht mehr erhaschen können, allerdings haben sich diese nicht wirklich von den darauf folgenden (Freitag bis Sonntag) unterschieden. Fest zu halten bleibt, dass genau an meinen beiden Tagen ein extremes Kältetief in die Berge gezogen ist, was die Temperaturen auf Rekordwerte fallen liess. -34°C im Chillmodus (Wind und Höhe mit eingerechnet) sind definitiv nicht zu spassen. 

 

Noch ein paar Fakten:

  • 8 höchster Berg Kaliforniens (angeblich einer der einfachsten – wahrscheinlich im Sommer dann)

  • 14,064 ft (4,287 m) hoch

  • Tailhead (6,500 ft) -> Red Lake (10,500 ft): 5 Meilen, 6 Stunden

  • Red Lake (10,500 ft) -> Summit (14,064 ft): ca. 2 Meilen, 4 Stunden

  • Erstbesteigung 1887

 

meine 14er Liste:

  • Mount Whitney – September 2013

  • Mount Williamson – Mai 2014

  • White Mountain Peak – Juni 2013

  • North Pallisade

  • (Starlight Peak)

  • Mount Shasta – Mai 2013

  • Mount Sill

  • (Polemonium Peak)

  • Mount Russell – September 2013

  • Split Mountain – Dezember 2014

  • Mount Langley

  • Mount Tyndall – Mai 2014

  • Mount Muir – September 2013

  • Middle Pallisade

  • (Thunderbolt Peak)

 

PS: mit einer Woche Abstand haben sich jetzt auch alle von Kälte befallenen Körperstellen gehäutet (Nase, Wangen, Fingerspitzen – obwohl diese auch vom Klettern beschädigt sein könnten)

 


 

 

Stefan

Stefan

Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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2 responses to “Split Mountain”

  1. Manu says:

    Du bist irre… Einfach nur irre! Und dann sowas auch noch alleine?! Einmal richtig umgeknickt, kommst du nicht weiter, bleibst liegen und erfrierst… Du bist irre, wirklich irre…

  2. admin says:

    gab doch backup plaene ;)

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