Volunteering

Neben den ganzen Spanischstunden arbeitete ich noch als Volunteer in einer Auffangstation fur unterernährte Babies, welche von Maya Familien nicht ‘entsprechend’ ernährt werden können. Mangeldes Wissen über Ernährung sowie nicht vorhandenes Einkommen sind oft die Gründe, dass es den Kids so geht wie es ihnen geht. Dabei lernt man das Schicksal von einer ganz anderen Seite kennen. 

Jedes Kind bekommt entsprechend seiner “Situation” individuelles Essen zubereitet, bekommt andere Nährstoffe und steht unter kompletter Beobachtung. Man wird schnell sehr eng mit den Kleinen. Keine Überraschung. Zuvor, hatte ich mich mental “versucht” auf die Situation einzustellen um mein schwaches Gemüt zu stärken.

 

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Unsere Arbeit als Volus besteht darin, den Kleinen Essen zu geben, Windeln zu wechseln, mit ihnen spielen und zu schmusen. Recht einfach. Und doch so intensiv. Nach 5 Stunden ist der Einblick in eine andere Welt auch schon wieder vorbei. An meinen ersten Tag war der Abschied die absolute Hölle! Nachdem wir den Kleinen das “Abendbrot” zuführten (manche leider zwanghaft mit Spritzen) wissen die Kleinen genau was anschliessend folgt. Wir ziehen den Kleinen die Pyjamas an und dann ist es Zeit für den Abschied. Wie jeden Tag. Jeden Tag müssen die Kleinen adios sagen. Jeden Tag gehen die Volunteers und die Kleinen wissen nicht, ob sie zurück kommen. Haben wahrscheinlich schon etliche ähnliche Situationen durchlebt. Denn einige der Babies kommen nicht zu ihren Familien zurück. Bei manchen ist oft unklar, was nach dem “Wiederaufpeppeln” geschieht, da viele der Mayas die Babies nicht wieder haben wollen/können weil sie einfach nicht in der Lage sind sich um sie zu kümmern. Sie haben bereits zuviele Kinder, wissen nicht mit der Situation umzugehen und haben sowieso nicht das nötige Geld für Nahrunsgmittel. 

 

volunteering 4Thomas…der kleine Herzensbrecher.volunteering 13volunteering 8Nacho (-man,)

 

Es ist so krass. Und so traurig. Dennoch so normal. Hier! Es erdet einen selbst so sehr. Bringt einen zurück in die manchmal doch so harte Realität. Und gleichzeitig bringt es die behutsame Blase hervor, in der ich einst mit einer so liebevollen Familie aufgewachsen bin, weit weg von jeglicher Gefahr, jeglicher Furcht und Angst. 

Wenn man sich vor Augen führt, wie sich bei uns werdende Mamis an Baby Equipment ausstatten, sich belesen, sich auf die baldige neue Mamarolle vorbereiten und dann hier eine gerade mal 17 Jährige Maya Lady vor einem selbst steht, die weder zur Schule geht noch Geld für ihr eigenes Essen hat, dann schlagen in einem selbst 2 Welten auf. 2 Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. 

Du willst helfen. Willst aber nicht als “Westlicher” in einer ganz ganz anderen Welt eingreifen und deine Spuren hinterlassen. Kannst du nicht. Würde auch nicht gehen. Alles was man tun kann ist seine Hilfe anbieten. Hilfe in Form von Zeit. Liebe den Kleinen zu widmen. Momente schenken.

Das man sich selbst vornimmt, sich nicht zu sehr binden zu wollen steht ausser Frage. Klappt natürlich null. Es kommt wie es kommt. Und siehe da….gleich 2 mal habe ich mein Herz verloren. Glücklicherweise endete die Story positiv. Beide Jungs wurden aufgepeppelt, beide wurden von ihren Familie wieder hoffnungsvoll abgeholt und hatten eine neue Chance…wenn es so endet, ist es das grösste Glück.

 

volunteering 6 volunteering 5 volunteering 9Eine unserer Mayamamitas.volunteering 7volunteering 10 volunteering 11volunteering 12

 

Die meisten Mamitas sind nicht mal 20 Jahre alt, haben bereits 1-2 Kids, der Papa ist weg (oder Alkoholiker) und sie wissen nicht, wie sie es auf die Reihe bekommen sollen. Und du sitzt da, hörst dir die Stories an und wirst mit Unglauben gefragt warum du, mit 29 Jahren, noch immer kein Kind hast und was du denn mit deinen Leben eigentlich so anstellst wenn du keine Mama bist.

Doch du denkst dir dabei innerlich…du verbringst gerade dein Leben, wie du es dir einst in deinen Trämen ausmaltest, mit einer Person an deiner Seite, die dich so annimmt und liebt, wie du es dir nur wünschen könntest. Und du das alles mit ihm zusammen erleben kannst. DEIN Leben. EURE Abenteuer….und nun sitzt du hier. Und siehst für einen kleinen Augenblick eine so andere Welt vor dir. Eine Welt, für die du nicht mal was kannst. Du einfach hineingeboren wurdest. So einfach und bequem. Mit all den Komfort, in welchem du aufgewachsen bist. Und dir das in einem gewissen Sinne natürlich als ‘normal’ erscheint. Und deine Gedanken fangen an Achterbahnen zu fahren. 

Der Abschied tat weh…und war dennoch schön….den Kleinen einen letzten Kuss zu geben…und Ihnen viel Glück zu wünschen…und dann gab es wieder einen Abschied für die Kleinen. Wieder ging ein Volunteer aus der Tür. Wie so oft. Und sollte nie zurückkehren….

Und so fliessen die Tage in Antigua wie Sand zwischen meinen Fingern dahin. Die Balance zweier Welten tagtäglich für mich zu finden nimmt mich an einigen Tagen mehr mit als an anderen. Und nebenbei verlier ich mich noch in der anderen Welt des sozialen Miteinanders…..etwas was wir sonst auf unserem Trip auch nicht so intensiv in der Form haben. Mal temporär Wurzeln an einem Ort zu schlagen bedeutet eben auch gleich Leute besser und intensiver kennen lernen können. Andere Gesprächsthemen haben zu können. Das tut dem Herzen gut:)

Gerade mit 2 Damen verbrachte ich mehr Zeit. Sandra…mega starke Frau, die gerade auf Weltreise ist (ich gebe zu, das könnte jetzt anders sein mit dem Zeitverzug des Blogs :)  Ähnlich im Herzen und im Kopf machte es schnell Klick. Dazu Sarah aus Colorado. Absolutes Adventuregirl, entdeckten wir zusammen Antigua und Vulkane, sangen die Nächte herbei und philosophierten bis in die Morgengrauen auf Antiguas Pflastersteinen. Nicht zu vergessen die wöchentlichen free Salsa lessons zum totlachen, die ab einer gewissen Anzahl von Studenten eher an Speeddating erinnert.

Entsprechend war es sauschwer Antigua zu verlassen.  Zumal wir die letzten 3 Wochen eben auch noch so eng mit unserer “Mitbewohnerin” wurden und uns wirklich heimisch fühlten. 

Jedoch mussten wir uns langsam weiter bewegen. Ein bisschen rannte uns die Zeit davon. Insgesamt hat man für alle C4 Länder (Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua) nur 6 Monate zusammen (und dass beinhaltet schon unsere erneute Verlängerung!).

 

antigua 16 1Analog Gangster Passbilder für die Visumserweiterung in Guatemala. Trifft es genau, was.

 


 

Carolin

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Der Träumer und Bastler der Truppe.
Sie macht sich die Welt, widdewidde wie sie ihr gefällt.
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