Vulkanwahnsinn

vulkanwahn

 

In Guatemala, speziell in und nach der Zeit um Antigua, überkam uns ein regelrechter und wortwörtlicher Vulkanwahnsinn. Innerhalb von 8 Wochen haben wir 4 der schönsten und höchsten Vulkane Guatemalas besteigen können. Wenn möglich immer ohne Tour, nur wir und der Berg.

 

Pacaya (2.552m, 8.373ft)

Mit dem kleinen Zwerg der Runde sollte es losgehen. Schöner und einfacher Einstieg, um auch mal wieder ein bisschen an Höhe und Anstrengung gewöhnt zu werden. Man wird ja schnell faul beim Nichtstun. Früh am Morgen erreichen wir den Trailhead und wollen gerade losziehen, als die Frage aller Fragen durch den Morgen schallt: “Donde está tu guia?!” Ähhhhhh, Guide? Wie wo was? Wieso? Nö, wir machen das ohne Guide. Geht ja eh nur ein Weg nach oben und so weit ist es nun auch nicht. Ok? Gut!

“No guia, no entrada!” Damn it, warum muss man denn immer für alles einen Guide haben??

Noch immer unter Schock und debattierend wie es nun weiter gehen soll erreicht eine grosse geführte Truppe das Eintrittshäuschen. Deren Guide hat unsere kleine Diskussion mitbekommen und bietet uns an, dass wir ihm und seiner Truppe einfach folgen sollen. Gesagt getan, und das Geschwitze konnte starten. Leider war dies nach nicht einmal 2 Stunden auch schon wieder zu Ende, als der Guide meinte, dass dies das Ziel des Aufstieges sei. Wie, Ziel? Sind doch nicht einmal ansatzweise oben!

Stellt sich heraus, dass der Berg “geschlossen” ist, weil wohl zu aktiv um es vernünftig betreten zu können. Uff, mussten wir erst einmal kurz schlucken. Zum Glück hat sich unser Socializen mit dem Guide ausgezahlt und er erkennt unseren Unmut und meint nur so “also die Gruppe muss nun weiter, ihr lauft einfach langsamer hinterher und biegt dann irgendwann Richtung Berg ab”. Top, gesagt getan. Wir folgen nur noch bis zur natürlichen Marshmallow-Grillstation – noch einmal –

MARSHMALLOW GRILLSTATION

Wie witzig das war. Ein paar Löcher im Boden und sauheisse austretende Luft reicht aus um aus der weissen Zuckermasse ein goldbraunes Grillvergnügen zu bereiten. Unglaublich gut und witzig. Unter den lokalen Hunden hat sich der Trick auch bereits umgesprochen, sie halten sich immer in Nähe und wenn ein marshmallowbehaftetes Stöckchen achtlos in die Ecke geschmissen wird freut sich der Vierbeiner.

 

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Von der Grillstation ziehen wir noch ein wenig den Berg hinauf bis dann richtig Schluss ist. Sitzt hier oben nicht wirklich ein Aufpasser auf einem Stein und lässt besonders lästige Touristen nicht weiter passieren. Wir drehen also um und haben einen ungültigen Gipfelversuch, dafür aber einen gefüllten Magen ;)

 

guatemala 81 guatemala 82Das es einen ‘Lava-Store’ am aktiven Vulkan gibt, ist schon …..’amüsant’. 
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Acatenango (3,976 m, 13.045ft)

Der eigentliche Hausberg von Antigua (obwohl, Volcán Agua noch häuslicher wäre aber bedingt durch ´Bandidos´ relativ gemieden wird). Acatenango besticht nicht nur durch seine Grösse, sondern auch seine Nähe zum Volcán de Fuego (Feuervulkan), der ganz getreu seinem Motto noch ordentlich Lava in den Himmel spuckt.

Zusammen mit Sarah, einer Freundin von der Sprachschule, werden wir von Sandra, einer weiteren Freundin von der Sprachschule, zum Fusse des Berges gefahren und starten den langen, nicht all zu komplizierten Aufstieg. Nicht technisch, aber er zieht und zieht und zieht sich. Ab einer gewissen Höhe sehen wir auch nicht mehr wirklich viel. Der Nebel hat uns umzingelt. Zum späten Nachmittag erreichen wir den ersten Fake Gipfel wo das eigentliche Basecamp errichtet wird. Da wir scheinbar noch nicht genügend ausgelastet waren ziehen wir mit komplettem Gepäck weiter gen richtigen Gipfel. Man hat zu diesem Moment ja noch nicht genügend Höhenmeter in den Beinen.

 

guatemala 88Bereits am Vorabend lässt sich ein grossartiges Schauspiel erahnen (beobachtet von unserem Haus in Antigua).guatemala 90guatemala 91 guatemala 92 guatemala 93 guatemala 94 guatemala 95

 

Endlich oben angekommen haben wir eine unglaubliche Aussicht, unter anderem auch auf Vulkan Fuego wie er sich seinem Überdruck in Form von Dampf entledigt. Die unglaubliche Sicht hält dann genau 35 Sekunden an, ehe uns der Nebel wieder umschlingt. Und Wind. Wind. Wind. So unglaublich stark und böenhaft, dass das Zeltaufbauen zum absoluten Geduldspiel wird. Irgendwann steht es dann und wir verkriechen uns nur noch. Ach, unser Nachtlager haben wir übrigens direkt im Krater aufgebaut, der uns hoffentlich vor den starken Winden schützt.

 
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Denkste. An richtiges Schlafen war trotzdem nicht zu denken, da uns die Böen die Zeltstangen und Zeltwände ruck-artig um die Ohren klatschen. Wamms, Wamms und man ist wieder wach. Caro denkt im Halbschlaf, dass ich es bin und sie die ganze Zeit ärgere, dieses mal allerdings nicht ;)

Gegen 2 Uhr morgens wird es mir zu dumm und ich checke die Wetterlage. Dicke Überraschung, kein Nebel mehr. Sofort geht es zum Kraterrand und mir fallen die anderen 5 Zelte auf, die komplett dem Erdboden gleich gemacht wurden. Krasses Schauspiel. Hier war die Motivation die Zeltwände und -gestänge von Innen durch Manneskraft zu stabilisieren nicht ganz so gross wie bei uns (auch ein Grund, weshalb wir wenig schlafen konnten, da wir drei von Innen die Gestänge verstärkten und festhielten. Witzig war Caro, die während dieser Tätigkeit trotzdem wieder eingeschlafen ist, wie auch immer das möglich ist ;)

Über den Kraterrand hinaus ergibt sich plötzlich die wohl beste Sicht überhaupt – Fuego spuckt keine 200 Meter Luftlinie direkt vor unseren Augen glühend rote Lava in den Nachthimmel. Diese rollt (noch immer glühend) den Hang hinab und ergibt ein komplett surreales Bild. Absolut wunderschön und abstrakt.

 
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Nach weiteren kläglichen Versuchen des Schlafens geben wir übermüdet auf und ziehen pünktlich zum Sonnenaufgang zum Kraterrand. Hier treffen wir jetzt auf dutzende geführte Touren, die pünktlich zum Sonnengruss zum Gipfel kamen.

 
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Von nun an sollte es nur noch fix bergab gehen. Leider verlaufen wir uns komplett, wodurch knapp 3 Extrastunden und 5 Extrakilomater hinzukamen. Noch dazu erreichen wir den Fuss des Berges an einem komplett anderen Ort und müssen noch weiter um den Vulkan hitchhiken, um wieder mit Sandra zusammen zu treffen. Danke danke an dieser Stelle für deine umglaublichen Fahrkünste und Geduld, nachdem wir erst weit nach Vereinbarung am Treffpunkt ankamen.  Danke auch, dass du trotz Deutschlandspiel als Fahrer zur Verfügung standest. Und danke auch, dass du bei dieser Fahrt den wohl prägendsten Spruch von Guatemala rausgehauen hast ;))

 
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Santa María (3,772 m, 12.375ft)

Kurzer Abstecher zum Vulkan Santa María, der als eigentliche Vorbereitung zu Tajumulco dienen soll. Auch hier gibt es wieder einen stark aktiv qualmenden Nachbarsvulkan zu beobachten. Viel spannender waren allerdings die vielen Guatemaltecas, die teilweise in Sandalen den langen Weg auf sich genommen hatten um mit massenhaft frischen Blumen ihre kürzlich verstorbenen Verwandten zu betrauern. Auf ihrem heiligen Santa Maria. Ob in stummen Gebeten, singenden Klageliedern oder schreiender Bitterness, hier oben war alles zu beobachten.

 

guatemala 151Früher Start.guatemala 152 guatemala 153Kleiner aber aktiver Nachbar.guatemala 154In der Ferne waren Acatenango und Fuego von der letzten Besteigung zu sehen.guatemala 155 guatemala 156Ein Blumenmeer für die Verstorbenen.

 

Volcán Tajumulco (4.220m, 13.845ft – 13.058ft Prominenz!)

Das eigentliche Highlight des Vulkanwahnsinns. Der höchste Berg von Guatemala. Der

höchste Berg von Zentralamerika!

Durch all die vorherigen Vulkane fiel uns der Aufstieg sehr einfach. Null Probleme mit Höhe. Noch dazu konnten wir dank 4×4 ein ganzes Stückchen cheaten näher heran fahren. Allerdings auch nur bis zu dem Moment, wo sich Morrie trotz Vorwärtsganges nur noch rutschend nach hinten bewegt. Das Plätzchen allerdings war perfekt und so hatten wir spontan unser Basislager gefunden.

 

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Kurz vor Sonnenaufgang ging es dann richtig los. Ein einfacher, fast schon spaziergangartiger Aufstief durch Wiesen und Wälder. Man hätte sich auch gut und gerne in Bayern aufhalten können. Nach knapp 3 Stunden folgte noch eine kleine Kletterpartie und Zack waren wir oben auf zentralamerkias höchstem Berg. Zur einen Seite der Pazifik, zur anderen der Atlantik. Grandios und ein perfektes Ende unseres kleinen Vulkanwahnsinns.

 

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Stefan

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Der ruhige Kopf der Bande, der die Welt im Moment still und festhält. Abenteurer und Explorer, gerne auch auf eigene Faust.
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